René Weiler schüttelte nur den Kopf. Der Trainer des FC Aarau konnte und wollte nicht so richtig wahr haben, was seiner Mannschaft in den 95 Minuten gegen den FC Sion passiert ist. «Eigentlich ist es ein Wahnsinn, dass wir in diesem Spiel keinen Treffer erzielt haben», sagte der bald 40-Jährige. «Wir haben Riesendruck gemacht, hatten Riesenchancen und waren bestimmt nicht vom Glück begünstigt. Im Strafraum des Gegners hat es vor allem in der Schlussphase buchstäblich gebrannt. Aber wie es im Fussball nun einmal ist: Wer die Tore nicht schiesst, der kassiert sie.»

Aarau hadert mit dem Schicksal

Weiler war nicht der Einzige im Aarauer Umfeld, der mit dem Schicksal haderte. Urs Bachmann war nach dem Schlusspfiff ebenfalls bedient. «Das gibt es nicht. Wir hatten vor der Pause drei Hundertprozentige. Und nach dem Wechsel kamen noch einige Chancen hinzu», wetterte
der Sportchef. «Diese Niederlage schmerzt besonders, weil sie alles andere als zwingend war.» Und weil das Team vor einer dreiwöchigen Meisterschaftspause steht, werden Captain Sandro Burki und Co. die bittere Pille auch nicht so schnell aus den Köpfen bekommen.

An der eigenen Nase nehmen

Fussball ist manchmal ungerecht. Zwingend war das 0:1 des FC Aarau vor 4253 Zuschauer im Brügglifeld gegen Sion nämlich wirklich nicht. Und trotz aller Klagelieder über die verpassten Topchancen, muss sich Weilers Team in erster Linie an der eigenen Nase nehmen. Die Leistung in der ersten Hälfte war schlecht.

Aus dem Spiel heraus gelang gar nichts. Und als sich der Gegner in Halbzeit zwei auf das Verwalten des Vorsprungs beschränkte und buchstäblich Beton anrührte, machten sich die Aarauer oft selbst das Leben schwer. Fehlpässe und Missverständnisse führten dazu, dass Sion immer wieder Luft zum Atmen bekam. Natürlich hätte der FCA mindestens einen Punkt verdient gehabt.

Natürlich schien das Tor von Sion wie vernagelt. Aber wer solche Chancen wie Igor Nganga Sekunden vor dem Abpfiff nicht nützt, der darf sich im Endeffekt nicht beschweren. Und an einer Tatsache kommt man nicht vorbei: Dem Super-League-Aufsteiger fehlt ein Goalgetter, ein Klassestürmer vom Format von Sions Leo, der sich schliesslich als Matchwinner feiern lassen durfte.

Erstes Tor für Sion

Sion-Präsident Christian Constantin sprach im Vorfeld der Partie von der Bedeutung des ersten Tores. Diesen Treffer erzielten die von Beginn an aufsässigen, ja aggressiv auftretenden Walliser noch vor Ablauf einer Viertelstunde. Leo traf nach einem Corner von Dario Vidosic mit dem Kopf zum 1:0. Der Brasilianer stand bei seinem Abschluss völlig frei. Sion also erzielte nach sage und schreibe 554 Minuten das erste Saisontor und verteidigte den knappen Vorsprung problemlos bis zum Pausenpfiff.

In der zweiten Halbzeit legte der FC Aarau einen Zacken zu und drängte den Gegner in dessen Platzhälfte. Remo Staubli vergab in der 53. Minute nach herrlicher Vorarbeit von Artur Ionita den Ausgleichstreffer auf geradezu fahrlässige Art und Weise. Nach knapp einer Stunde setzte Weiler ein Zeichen und brachte Sven Lüscher für Bruno Martignoni.

Gonzalez übernahm vom überforderten Martignoni den Platz auf der rechten Abwehrseite. Nun kam etwas Fahrt in die Angriffsmaschinerie. Das 1:1 lag mehrmals in der Luft. Linus Hallenius, Igor Nganga und Sandro Burki verpassten den Ausgleichstreffer nur knapp. Auf der Gegenseite scheiterte Leo kurz vor Schluss am glänzend reagierenden Joël Mall. Und als Nganga in der 95. Minute die letzte hochkarätige Möglichkeit ausliess, war der Mist geführt.


Der Live-Ticker von Patrick Haller zum Nachlesen:

Abpfiff: Der FC Aarau unterliegt dem FC Sion mit 0:1. Eine ärgerliche Niederlage, denn nach dem frühen Gegentreffer stand Sion nur noch sicher in der Defensive; vor allem in der zweiten Halbzeit vergab der FCA zahlreiche hochkarätige Möglichkeiten. Das Anrennen wurde nicht belohnt.

96. Minute: Eckball von Lüscher, Nganga kommt aus kurzer Distanz zum Abschluss. Aber wieder nichts. Unglaublich, wie viele Chancen hier Aarau vergibt.

94. Minute: Letzter Wechsel bei Sion - Rüfli für Vidosic.

90. Minute: Es werden fünf Minuten nachgespielt.

88. Minute: Leo plötzlich alleine vor Mall. Glanzreflex mit der Hand.

87. Minute: Letzter Wechsel bei Aarau - Senger für Garat. Offensive pur.

85. Minute: Zweiter Wechsel bei Sion - Mveng für Herea.

85. Minute: Es sind 4253 Zuschauer anwesend.

85. Minute: Verwarnung gegen Garat (Foulspiel).

79. Minute: Verwarnung gegen Leo (Unsportlichkeit, zu früh aus der Mauer gelaufen). Erneut Marazzi - hoch in den Abendhimmel.

78. Minute: Verwarnung gegen Ferati (Unsportlichkeit, zu früh aufs Feld gelaufen). Indirekter Freistoss für Aarau. Marazzi in die Mauer.

71. Minute: Erster Wechsel bei Sion - Basha für Christofi.

70. Minute: Grosser Jubel im Brügglifeld, aber Marazzi stand im Abseits, als er zum vermeintlichen Ausgleich trifft.

69. Minute: Zweiter Wechsel bei Aarau - Marazzi für Hallenius.

68. Minute: Nächste Chance für Aarau. Nganga nur ins Aussennetz.

64. Minute: Captain Burki prüft seinen eigenen Keeper, indem er einen Freistoss von Pa Modou verlängerte.

62. Minute: Aussichtsreicher Aarauer Konter nach einer Balleroberung von Nganga, aber Hallenius spielt schliesslich in den Rücken von Gonzalez.

61. Minute: Leo versucht es aus der Distanz. Mall zur Ecke.

59. Minute: Nach einem Walliser Abwehrfehler taucht Hallenius plötzlich alleine vor Vanins auf, schiesst aber im Kasten vorbei.

58. Minute: Erster Wechsel bei Aarau - Lüscher für Martignoni.

54. Minute: Nganga tankt sich auf der Aussenbahn durch, doch seine Flanke ist ein bisschen zu hoch für Callà.

53. Minute: Unglaubliche Chance für Aarau. Nach einer Hereingabe von Ionita schiesst Staubli völlig freistehend am offenen Tor vorbei. Aber der Start zur zweiten Halbzeit macht Mut.

18.46 Uhr: Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Keine Wechsel.

Halbzeit: Der FC Aarau liegt nach einer schwachen Halbzeit gegen den FC Sion mit 0:1 zurück.

46. Minute: Christofi mit einem Flachschuss aus der Distanz, aber Mall packt sicher zu.

43. Minute: Jaggy prüft Sion-Keeper Vanins mit einem Freistoss von halbrechts.

40. Minute: Weites Zuspiel von Burki auf Staubli, aber dessen Versuch aus spitzem Winkel wird in den Corner gelenkt.

36. Minute: Verwarnung gegen Herea (Unsportlichkeit).

32. Minute: Leo kommt zum Kopfball, kann das Leder aber nicht kontrollieren, so dass keine Gefahr entsteht.

29. Minute: Eine gute Freistosssituation für die Gastgeber (nach einem Foulspiel an Burki), aber Garat schiesst von der Strafraumgrenze nur in die Walliser Mauer.

24. Minute: Zurzeit läuft überhaupt nichts im Brügglifeld. Das dürfte ein grosses Geduldsspiel aus Aarauer Sicht werden.

16. Minute: Die Aarauer versuchen zu reagieren. Nach einem Corner spielt Burki auf Hallenius, dessen akrobatischer Abschluss aber von Vanins pariert wird.

14. Minute: TOR für Sion - 0:1! Leo köpft nach einem Eckball ein. Der allererste Walliser Torerfolg nach 554 Minuten in dieser Saison.

12. Minute: Christofi aus der Distanz knapp über die Querlatte.

8. Minute: Einen satten Rückpass kann Vanins nicht kontrollieren. Eckball für die Aarauer. Und schon brennt es im Walliser Strafraum - Pa Modou muss vor der Linie klären. Die Aarauer scheinen nun aufgewacht.

5. Minute: Die Gäste sind anfangs leicht feldüberlegen; gefährlich wird es aber nicht. Ebenso wenig auf der Gegenseite nach einem seitlichen Freistoss von Davide Callà

1. Minute: Ein Abschlag von Goalie Mall landet nur bei Sion-Angreifer Leo, aber der Gästestürmer kann nicht profitieren.

17.45 Uhr: Anpfiff durch Schiedsrichter Patrick Graf.

17.40 Uhr: In fünf Minuten geht es los auf dem Brügglifeld.

17.35 Uhr: Ein besonderer Leckerbissen wartet in der Halbzeitpause, wenn die Aarauer Meistermannschaft 1993 auf der Rasen begrüsst wird. Zudem werden Meistertrainer Rolf Fringer und einige Spieler (u.a. David Bader und Bernd Kilian) zum Interview gebeten.

17.30 Uhr: Beim FC Sion steht Dario Vidosic, neuverpflichteter Stürmer aus Australien, sogleich in der Startelf. Es beginnen: Vanins; Vanczak, Lacroix, Ferati, Pa Modou; Kouassi, Ndoye; Christofi, Vidosic, Herea; Leo. - Auf der Ersatzbank: Deana; Assifuah, Basha, Karlen, Mveng, Rüfli und Veloso.

17.20 Uhr: Der Aarauer Cheftrainer René Weiler schickt die gleiche Mannschaft auf den Rasen wie beim 2:1-Auswärtssieg gegen Lausanne-Sport. Es beginnen: Mall; Nganga, Garat, Jaggy, Martignoni; Burki, Ionita; Staubli, Gonzalez, Callà; Hallenius. - Auf der Ersatzbank: König; Foschini, Jäckle, Lüscher, Marazzi, Schultz und Senger. - Nicht dabei: Mouangue, Romano und Teichmann (alle U-21).

17.15 Uhr: Letztmals trafen Aarau und Sion am Ende der Saison 2011/12 in der Barrage aufeinander, als sich Sion dank dem Gesamtskore von 3:1 in der Super League halten konnte. Dabei gewann der FCA aber immerhin noch das Rückspiel im Brügglifeld dank einem Treffer von Shkelzen Gashi mit 1:0.

17.05 Uhr: Der FC Aarau will sich mit dem dritten Saisonsieg weiter vom Tabellenende - zurzeit sechs Zähler Vorsprung auf Lausanne - entfernen. Bei einem Vollerfolg winkt über Nacht sogar zwischenzeitlich Rang vier - vor dem FC Basel. Aber Sion, welches erstmals mit dem australischen Neo-Stürmer Dario Vidosic (ex-Nürnberg) antritt, will natürlich unter Cheftrainer Michel Decastel auch den langersehnten Befreiungsschlag landen.

17.00 Uhr: Die Walliser warten also auch nach 540 Minuten in der aktuellen Saison auf den ersten Torerfolg und "verdienten" sich somit einen unrühmlichen Rekord. Denjenigen der längsten Torimpotenz seit der Einführung der Zehnerliga in der obersten Schweizer Spielklasse. Zuvor war diese zweifelhafte Ehre Neuchâtel Xamax vorbehalten gewesen, welche die Saison 2010/11 mit 529 torlosen Minuten begonnen hatten. Und die Sittener laufen Gefahr, eine weitere Marke zu knacken. Wettingen hatte in der Saison 1990/91 - noch im alten Meisterschaftsformat - 567 Minuten gebraucht, um beim 2:2 gegen den FC Zürich durch Martin Andermatt endlich zum ersten Erfolgserlebnis zu gelangen.

16.55 Uhr: Die Ausgangslage ist aussergewöhnlich, denn die zweitbeste Offensive der Raiffeisen Super League (Aarau, 11 Tore) trifft auf die beste Abwehr. Erst vier Tore musste Sion-Keeper Andris Vanins in sechs Spielen hinnehmen. Und gleichzeitig ist es auch ein Duell zwischen der schwächsten (Aarauer) Abwehr mit 16 Gegentreffern und der noch immer torlosen Sittener Offensive.

16.45 Uhr: Herzlich Willkommen aus dem Stadion Brügglifeld. In einer Stunde wird die Super-League-Begegnung zwischen dem FC Aarau und dem FC Sion angepfiffen.

16.40 Uhr: Es tickert für Sie Patrick Haller.