NLA-Handball
«Setze meine Gesundheit aufs Spiel»: Warum Endingens Trainer Zoltan Majeri plötzlich zum Goalie wurde

Der TV Endingen verlor am Samstagabend mit 22:34 gegen Kriens-Luzern. Doch die eigentliche Geschichte dieses Spiels war der Auftritt von Trainer Zoltan Majeri, der sich als Ersatztorhüter auf die Bank setzte. Warum Majeri einsprang – und er froh ist, dass es nicht für einen Einsatz gereicht hat.

Frederic Härri
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Plötzlich Teamkollegen: Majeri trug an diesem Abend das Trikot von Stammgoalie Vit Schams mit der Nummer 48.
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Majeri dehnte sich vor dem Match ausgiebig ein.
Majeri dehnte sich vor dem Match ausgiebig ein.
Majeri dehnte sich vor dem Match ausgiebig ein.
Und warf sich mutig in die Würfe.
Und warf sich mutig in die Würfe.
Und warf sich mutig in die Würfe.
Zoltan Majeri bei der Passübung.
Gegen Kriens-Luzern trug Majeri das Trikot von Stammgoalie Vit Schams mit der Nummer 48.
Zoltan Majeri.
Zoltan Majeri.
Zoltan Majeri.
Yves Imhof, die etatmässige Nummer zwei, spielte in der Abwesenheit von Vit Schams 60 Minuten durch.
Am Schluss stand eine deutliche 22:34-Niederlage.
Oliver Mauron und sein TV Endingen blieben gegen Kriens-Luzern chancenlos.
Seya Grau (rechts) kam am Kreis zum Einsatz.
Oliver Mauron beim Abschluss.
Kriens-Trainer Goran Perkovac.
Sven Schafroth hatte gegen Kriens-Luzern nicht seinen besten Tag.
Endinger Mauer.
Simon Huwyler kommt im Zweikampf zu spät.
Kreisläufer Leandro Lüthi.
Milomir Radovanovic (hinten) beim Abschlussversuch.

Plötzlich Teamkollegen: Majeri trug an diesem Abend das Trikot von Stammgoalie Vit Schams mit der Nummer 48.

Alexander Wagner

Ein Schritt zur Seite, das Bein schnellt in die Höhe. Zoltan Majeri hält. Die Spieler grölen. Der Fehlschütze schüttelt den Kopf. Majeri war schon an vielen Orten auf der Welt – in Deutschland, Island, Dänemark, Mazedonien und in der Ukraine etwa. Er bereiste die Länder als Handballtorhüter, bevor er in der Schweiz als Trainer sesshaft wurde. Zehn Jahre ist es her, seit Majeri das letzte Mal im Tor stand. Kommt es nun im Alter von 47 Jahren zu einer Rückkehr als Torwart in der Nationalliga A?

Die Antwort auf diese Frage lautet: nein. Und vermutlich ist es auch besser so, dass die oben beschriebene Szene nicht vom Match gegen Kriens-Luzern selbst, sondern vom Aufwärmprogramm davor stammt. Den Trainer des TV Endingen plagen noch immer Knieschmerzen, seit er sich im September am Meniskus verletzt hat. Auch um die Athletik war es schon besser bestellt. Er setze seine Gesundheit aufs Spiel, meinte Majeri vor der Partie. «Ich tue das für die Mannschaft», sagte er. Und hoffte inständig, dass ihm das Comeback erspart bleiben wird.

Beim Wunschkandidaten fehlte die Spielerlizenz

Grund für die Sorgen Majeris war der Mann, dessen Trikot er sich an diesem Abend übergestreift hatte: Vit Schams. Die Nummer eins im Tor hatte Kontakt mit einer infizierten Person und ist noch bis Dienstagmitternacht in Selbstisolation. Dass Schams’ Vertreter Yves Imhof spielen wird, das war klar. Weil aber immer zwei Torhüter auf dem Matchblatt stehen müssen, suchten die Endinger fieberhaft nach Ersatz. Man hatte einen Wunschkandidaten, doch es klappte nicht rechtzeitig mit der nötigen Spielerlizenz. Also sprang Majeri ein.

Den Physiotherapeuten des Endingen-Coaches dürfte es gefreut haben, dass Imhof die vollen 60 Minuten durchgehalten hat. Imhof hatte in diesem Heimspiel die undankbare Aufgabe, die Würfe der Gäste aus Kriens abzuwehren. Die Innerschweizer hatten sich offenbar vorgenommen, das Spiel frühzeitig durch schnelle Gegenstösse zu entscheiden und sich nicht in kräftezehrenden Zweikämpfen aufzureiben. Das klappte hervorragend: Neun der 16 Krienser Tore in Hälfte eins waren Gegenstosstreffer.

Was hatten die Endinger dem entgegenzusetzen? Sie, die nicht nur ohne Stammgoalie antraten, sondern auch ohne Topskorer Justin Larouche (Selbstisolation) und Rückraumshooter Joel Huesmann (private Gründe) auskommen mussten. Sie versuchten zumindest, Gegenwehr zu geben. Milomir Radovanovic versuchte es, Sven Schafroth versuchte es, die vielen Jungen im Kader versuchten es. Aber die Würfe waren meist nicht gut genug, vor allem im ersten Umgang nicht. Die Fehlerquote war hoch.

War Majeri plötzlich mehr Schams und weniger Majeri?

Auch Zoltan Majeri wusste, dass ein Punktgewinn für die Endinger nie in Reichweite lag. Und so konnte er sich Mitte der zweiten Halbzeit den kleinen Freuden dieses Vergleichs zuwenden. Der Leistung Lukas Riechsteiners zum Beispiel, der plötzlich heiss lief und fünf Tore in Serie auflegte. Auch die Schiedsrichterpfiffe sah Majeri nicht mehr ganz so eng. Oft sah man ihn lächeln.

Hat ihn das Goalie-Dasein etwa mild werden lassen? War er ob des grünen Trikots auf einmal mehr Schams und weniger Majeri, auf einer Stufe mit den Teamkollegen quasi? Natürlich nicht: «Als Trainer ist es meine Aufgabe, den Spielern positive Energie zu vermitteln», sagte er. Majeri wird das auch im nächsten Spiel tun. Dann hoffentlich wieder im roten Poloshirt.

Das Spiel

Der TV Endingen hat es nicht leicht. In das Spiel in dieser 16. Runde gegen Kriens-Luzern geht er ohne seinen besten Torschützen, und auch Stammgoalie Vit Schams fehlt. Beide hatten Kontakt mit einer coronainfizierten Person und sind in Selbstisolation. Als Ersatzgoalie auf der Bank sass TVE-Trainer Zoltan Majeri, früher selber lange Handballtorwart.

Die Bälle im Tor hielt die etatmässige Nummer zwei im Tor Yves Imhof. Und von Anfang an machten die derzeit auf Rang fünf gelisteten Gäste aus Kriens Druck. Schnell gingen sie mit 3:0 in Front, Imhof blieb oft nur das Nachsehen. In der achten Minute entschärfte er stark einen Gegenstoss der Krienser.

Den Endingern fehlte ohne Larouche im Angriff zu Beginn die letzte Konsequenz. Doch je länger das Spiel andauerte, desto mehr kämpften sie sich in die Partie. Nach elf gespielten Minuten stand es 2:4. Und die Endinger blieben weiter dran. Oliver Mauron, heute im Trikot des Topskorers, war eine Minute später das erste Mal erfolgreich, Imhof entschärfte eine hundertprozentige Chance mirakulös.

Doch in der Folge schlichen sich immer mehr Fehler ins Spiel der Endinger. Vergebene Würfe, leichte Ballverluste, Gegentreffer durch Gegenstösse. Beim Stand von 4:9 nahm Majeri, im grünen Dress von Schams gekleidet, die erste Auszeit. 17 Minuten waren da gespielt.

In den letzten Minuten vor der Pause waren die Endinger sichtlich bemüht, doch die Gäste bauten ihren Vorsprung weiter aus. In die Pause gingen sie mit einer komfortablen 16:8-Führung.

Hälfte zwei: Lukas Riechsteiner plötzlich Goalgetter

Der Start der zweiten Hälfte gestaltete sich ähnlich wie die Schlussphase in Halbzeit eins. Kriens-Luzern machte die einfachen Tore per Gegenstoss, TVE-Goalie Imhof konnte sich ein paar Male auszeichnen. Die Endinger waren offensiv weiter engagiert, hatten aber Mühe, selber Treffer zu erzielen. Abschlüsse landeten allzu oft direkt in den Armen des gegnerischen Goalies oder segelten übers Tor. Nach 40 Minuten lag das Heimteam weiterhin mit acht Toren hinten. Majeri griff zur grünen Timeout-Karte und nahm die nächste Auszeit.

Das Spiel war jetzt entschieden, Endingen probierte im Angriff noch einmal viel aus. Lukas Riechsteiner, sonst nicht als Scharfschütze bekannt, schwang sich auf einmal zum Goalgetter auf mit fünf Toren innert kürzester Zeit. Näher ran kamen sie an die Krienser aber nicht mehr. Und so stand nach 60 Minuten eine deutliche 22:34-Niederlage für die Endinger.

Telegramm

Endingen - Kriens-Luzern 22:34 (8:16)

GoEasy-Arena, Siggenthal Station. – Keine Zuschauer. – SR Castiñeiras /Zwahlen. – Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Endingen, 4-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern.

Endingen: Imhof (10 Paraden); Fischer, N. Grau (2 Tore), S. Grau, Hitz, Huwyler (1), Lüthi, Mauron (4), Mischler, Radovanovic (3), C. Riechsteiner (2), L. Riechsteiner (9), Schafroth (1).

Kriens-Luzern: Bar (11 Paraden)/Eicher (1); Blättler (4), Delchiappo, Gavranovic (6), Idrizi, Lapajne, Lavric, Oertli (3), Papez (5), Piroch (2), Rellstab (5), Schlumpf (4), Wanner (1).

Bemerkungen: Endingen ohne Hirsbrunner, Larouche, Schams (alle Selbstisolation), Huesmann (private Gründe), Majeri (ohne Einsatz als Ersatztorhüter), Pejkovic (rekonvaleszent), Mühlebach (verletzt). – Verhältnis verschossener Penaltys: 0:2.

Sie haben die Partie verpasst? Schauen Sie sich das Spiel noch einmal in der Aufzeichnung des Livestreams an: