Vor der Partie gegen den FC Chiasso schaut Marco Thaler nochmals auf sein Handy. Der Abwehrspieler des FC Aarau sieht ein SMS von Giuseppe Leo. Was für eine schöne Überraschung! Ausgerechnet der Konkurrent in der Innenverteidigung, der in der vergangenen Woche wegen einer leichten Lungenentzündung nicht trainieren konnte und deshalb pausieren musste, wünscht ihm für das Comeback viel Glück.

«Du hast Dir diesen Einsatz verdient. Ich wünsche Dir alles Gute», steht in der Grussbotschaft. Was für eine spezielle Motivation von Leo für Thaler, der sich bei seinem Mitspieler bedankt. «Ich habe mich über die kollegiale Geste von Giuseppe Leo sehr gefreut», sagt Thaler. «Der Konkurrenzkampf beim FC Aarau ist zwar in vollem Gang, aber das hat keinen negativen Einfluss. Im Gegenteil. Der Teamgeist ist intakt und die Stimmung unter den Spielern ausgezeichnet.»

Geduldsprobe nach Kreuzbandriss

Thaler hat sich den Einsatz gegen Chiasso redlich verdient. Am 12. März 2018 zog sich der Abwehrspieler gegen Rapperswil-Jona einen Kreuzbandriss zu. Nach der schweren Knieverletzung begann für den 24-Jährigen eine schwierige Zeit. Eine Zeit mit Operation, Therapie, Belastungstests und Aufbautraining. Thaler wurde nicht nur körperlich sondern auch mental gefordert und auf eine lange, harte Geduldsprobe gestellt.

Sehen Sie hier die Video-Highlights vom 1:0-Sieg gegen Chiasso:

Challenge League: 21. Runde, FC Aarau - FC Chiasso, Highlights

Ein knappes Jahr nach der schlimmen Verletzung ist Thaler wieder mitten drin statt nur dabei. Beim 2:1-Sieg in Rapperswil-Jona vor gut einer Woche zählte er zum 18-Mann-Aufgebot des FC Aarau und durfte einige Minute spielen. Beim 1:0-Erfolg gegen Chiasso am vergangenen Sonntag vor 3777 Zuschauern im Brügglifeld zählte er erstmals wieder zur Startformation und wurde im Lauf des Spiels immer besser. Nach einer zaghaften Startphase legte Thaler einen beeindruckenden Steigerungslauf hin und setzte vor allem in der zweiten Halbzeit auch offensive Akzente.

Das sagten Thaler und Co. nach dem 1:0 gegen Chiasso:

Der Trainer hält grosse Stücke auf Thaler

Aarau-Trainer Patrick Rahmen hält grosse Stücke auf Thaler. «Ein Trainer kann sich Spieler wie Marco Thaler in der Mannschaft nur wünschen», sagt Rahmen. «Er ist intelligent und teamfähig. Kaum einer kennt das Umfeld des Vereins so gut wie er. Marco identifiziert sich voll und ganz mit dem FC Aarau. Dank seiner positiven Art ist er nicht nur auf sondern auch neben dem Spielfeld eine wertvolle Stütze.» Tatsächlich hat Thaler beim FC Aarau einen besonderen Stellenwert. Er ist Vize-Captain und zählt zum Spielerrat.

Mit Nicolas Bürgy, Giuseppe Leo, Nicolas Schindelholz und Marco Thaler hat der FC Aarau vier starke Innenverteidiger im Kader. Momentan hat Bürgy die besten Karten: Der Berner ist Abwehrchef und Stratege in einer Person. Sein Platz in der Startelf ist unumstritten.

Der Platz neben Bürgy ist allerdings hart umkämpft. Leo zeigte in der erfolgreichen Phase mit acht Siegen und einem Unentschieden in neun Spielen konstant starke Leistungen. Die leichte Lungenentzündung führte dazu, dass der 24-jährige Deutsche eine Zwangspause einlegen musste. Nun werden die Karten neu gemischt.

Wer spielt gegen Vaduz neben Bürgy?

Mal schauen, wer am nächsten Sonntag im Auswärtsspiel gegen den kriselnden FC Vaduz den Platz neben Bürgy in der zentralen Abwehrreihe einnehmen wird. «Das entscheidet einzig und allein der Trainer», sagt Thaler. Mag sein, aber Thalers Einstand ist geglückt. Das Spiel gegen Chiasso stand von allem Anfang an unter einem guten Stern. Geehrt wurde Thaler nämlich schon vor dem Anpfiff. Der Kurzeinsatz gegen Rapperswil-Jona am vorletzten Samstag war sein 100. Pflichtspiel für den FC Aarau.​

Marco Thaler (2.v.r.) wird von Sportchef Sandro Burki (l.), Präsident Alfred Schmid (2.v.l.) und Vizepräsident Roger Geissberger für seinen 100. Einsatz für den FCA geehrt.

Marco Thaler (2.v.r.) wird von Sportchef Sandro Burki (l.), Präsident Alfred Schmid (2.v.l.) und Vizepräsident Roger Geissberger für seinen 100. Einsatz für den FCA geehrt.