Fussball

So wütet Corona im Badener Stadion Esp: «Es fehlen über 200'000 Franken»

Baden-Präsident Heinz Gassmann

Baden-Präsident Heinz Gassmann

Präsident Heinz Gassmann hat den FC Baden vor zwei Jahren schon einmal saniert – das Gleiche blüht nach Corona.

Heinz Gassmann, was kostet die Coronakrise den FC Baden?

Heinz Gassmann: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig zu sagen. Ich kann die Auswirkungen der Krise noch nicht beurteilen. Deshalb kann ich keine konkreten Zahlen nennen.

Ist der Verlust grösser als 250000 Franken?

Ich hoffe nicht. Aber der Verlust wird gross und schmerzlich sein. Nach dem Stillstand des Spielbetriebs in der Rückrunde rechne ich momentan mit Einbussen von deutlich mehr als 200000 Franken.

Ein happiger Betrag. Warum ist der Verlust so hoch?

Seit Anfang März fliesst kein Geld mehr in die Vereinskasse. Die fehlenden Einnahmen für Werbung, für Inserate im «Badener Tagblatt» und im Matchprogramm, für Zuschauereinnahmen und für das Catering bei Heimspielen fallen ins Gewicht. Ausserdem gab es keine Juniorensponsorenläufe und kein Juniorencamp. Wenigstens bleibt die Hoffnung, dass wir das Camp nach den Sommerferien im August durchführen können. Aber wer weiss das schon?

Was ist mit den Löhnen für Trainer, Spieler und den Mitarbeiterstab?

Die fehlenden Einnahmen sind tatsächlich nur das eine Problem. Das andere Problem sind die Ausgaben für vertragliche Lohnverpflichtungen mit Spielern, dem Staff und den mehr als 50 Trainern von Beginn dieses Jahres bis im Juni. Obwohl wir keine überrissenen Löhne zahlen und weder Trainer noch Spieler wegen des Geldes beim FC Baden angestellt sind, werden uns im Endeffekt mit Sicherheit mehr als 200000 Franken fehlen.

Konnte der FC Baden für die Angestellten ab dem 16. März Kurzarbeit anmelden?

Glücklicherweise ja. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit bewilligte Kurzarbeit für Trainer und Spieler, die im normalen Beruf keinem 100-Prozent-Pensum nachgehen. Keinen Anspruch haben Personen, die neben dem Fussball einen 100-Prozent-Job ausüben. Wegen der speziellen Situation mit der Coronakrise ist es erstmals so, dass auch für befristete Verträge Kurzarbeit angemeldet werden kann.

Gibt es abgesehen von Kurzarbeit weitere Unterstützungen aus öffentlicher Hand?

Der FC Baden hat beim Departement Bildung, Kultur und Sport einen Unterstützungsantrag gestellt. Ausserdem hoffen wir auf einen Beitrag vom Schweizerischen Fussballverband respektive von der 1. Liga. Vom Bundesamt für Sport rechnen wir mit Geldern anstelle der Jugend- und Sport-Beiträge. In diesem Bereich waren keine Trainings möglich. Deshalb fehlen hier Beiträge in fünfstelliger Höhe.

Sie haben den FC Baden 2018 mit einer Sanierungsaktion schon einmal vor dem finanziellen Kollaps bewahrt. Müssen Sie nach der Coronakrise ein zweites Mal Geld in sechsstelliger Höhe eintreiben?

Das kann sein. Ich weiss nicht, was die Zukunft bringen wird. Der FC Baden hat 2018 eine erfolgreiche Vereinssanierung durchgeführt. Das war mit harter Arbeit verbunden. Es ist eine grosse Herausforderung und eine verantwortungsvolle Aufgabe, einen Verein in der Grössenordnung des FC Baden zu führen. Wir haben 30 Mannschaften mit 535 lizenzierten Spielerinnen und Spielern. Davon sind 400 Junioren. Sie müssen alle betreut werden. Eines kann ich versprechen: Der FC Baden wird auch diese Krise überstehen. Man darf nicht vergessen, dass es viele Firmen, Unternehmen und Menschen noch viel härter trifft als uns.

Was stimmt Sie im Hinblick auf die Zukunft optimistisch?

Der FC Baden wurde 1897 gegründet. Er ist nicht nur der älteste Fussballverein im Aargau, sondern hat immer grossen Wert auf die Ausbildung gelegt. Optimistisch stimmt mich einerseits die Tradition, anderseits die Wertschätzung aus dem Umfeld. Ich spüre in diesen schwierigen Wochen viel Solidarität und Unterstützung. Ich hoffe, dass unsere treuen Sponsoren und Werbepartner die schlimme Zeit einigermassen überstehen werden, denn ohne Werbeeinnahmen und Beiträge von privaten Gönnern kann das Unternehmen FC Baden nicht finanziert werden. Optimistisch stimmen mich auch die tolle Infrastruktur im Stadion Esp in Dättwil und die Tatsache, dass ich auf erfahrene und engagierte Vorstandsmitglieder zählen kann.

Hat die Coronakrise Auswirkungen auf das Budget des FC Baden für die Saison 2020 / 21?

Mit Sicherheit. Die grösste Sorge für mich ist die fehlende Planungssicherheit für die neue Saison. Es muss ja weiter gehen. Im August soll die neue Saison starten. Aber keiner weiss, ob das wirklich so ist. Wir tappen im Dunkeln: Es ist zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich, die finanziellen Auswirkungen abzuschätzen.

Gibt es für Sie mit Blick auf die Coronakrise grundsätzliche Überlegungen, die Sie sich als Präsident des FC Baden machen?

Natürlich mache ich mir grundsätzliche Überlegungen. Unter dem Strich habe ich folgende Erkenntnis: Fussball macht Spass, weckt Emotionen und ist beste Unterhaltung. Aber die Coronakrise hat mir eines klar und deutlich vor Augen geführt: Fussball ist nicht mehr als die schönste und wichtigste Nebensache der Welt.

Verwandtes Thema:

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

Meistgesehen

Artboard 1