FC Aarau
Sven Christ: ein leiser Abgang durch die Hintertür des Brügglifelds

Ex-Trainer Sven Christ hat sich nach seiner Freistellung beim FC Aarau schnell wieder gefasst. Ein wichtiges Anliegen hat er noch: Er möchte sich persönlich von der Mannschaft verabschieden.

Dean Fuss
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Eine Trainerstation in einer Tasche: Sven Christ verlässt das Brügglifeld.

Eine Trainerstation in einer Tasche: Sven Christ verlässt das Brügglifeld.

Keystone

Montagmorgen. Kurz vor halb zehn. Sven Christ betritt das Stadiongelände des Brügglifelds. Er will am Tag nach seiner Freistellung als Trainer des FC Aarau sein Büro räumen und sich von den anwesenden Mitarbeitern verabschieden. Etwas verwundert nimmt der 41-Jährige die anwesenden Journalisten zur Kenntnis. Dass die nicht in erster Linie seinetwegen, sondern wegen des anstehenden ersten Pressetermins seines Nachfolgers Raimondo Ponte warten, erfährt er wenige Augenblicke später auf der FCA-Geschäftsstelle.

Am selben Ort war Christ durch Klubpräsident Alfred Schmid und Sportchef Urs Bachmann 18 Stunden zuvor über seine Freistellung informiert worden. «Ich kann diesen Entscheid akzeptieren», sagt Christ am Montagnachmittag. «Natürlich ist eine leise Enttäuschung da. Aber es ist so, wie ich es stets betont habe: Es ging nie um meine Person, sondern einzig und allein um den FC Aarau.

300 Tage und eine riesige Erfahrung

In den ersten Stunden nach dem Entscheid fühlte ich eine gewisse Leere, hatte ein paar kleine Selbstzweifel. Doch das dauerte nur einen kurzen Moment. Alles in allem sehe ich es positiv: Ich habe es probiert.» Obwohl Christ am Sonntag zum ersten Mal in seiner Trainerkarriere entlassen wurde, legt er einen sehr professionellen Umgang damit an den Tag. Das bestätigt auch FCA-Sportchef Bachmann: «Sven hat den Entscheid des Verwaltungsrats sehr sportlich aufgenommen.»

Christ verlässt den FCA exakt 300 Tage nach seiner Präsentation als Nachfolger von René Weiler ohne schlechte Gefühle – ganz im Gegenteil zu seinem Abgang als Spieler im Jahr 2008, als er sich über die fehlende Verabschiedung in würdigem Rahmen ärgerte. «Das Engagement in Aarau war für mich eine riesige Erfahrung», sagt Christ. Er ist nach wie vor überzeugt, dass seine Art, eine Mannschaft zu führen, erfolgreich sein kann. «Man konnte während meiner gesamten Amtszeit nie behaupten, dass ich meine Spieler nicht mehr erreichen würde. Leider haben es die Resultate trotzdem nicht zugelassen, weiterzumachen.»

Bleibt Stürmertrainer Regtop?

Am Schluss half ihm auch nicht mehr, dass er bereit war, sich in der Krise helfen zu lassen. Nach zwölf sieglosen Spielen verpflichtete der FCA vor etwas mehr als einer Woche in der Person des ehemaligen Knipsers Erik Regtop einen Stürmertrainer. Er hatte die Aufgabe, die Torflaute der Aarauer Offensive möglichst schnell zu beseitigen, was ihm zumindest bei der Neuverpflichtung Petar Sliskovic (zwei Tore in zwei Spielen) auch gelungen zu sein scheint. Zusätzlich wurde Christ in seiner Arbeit mit dem Team punktuell durch den Bündner Mentaltrainer Cla Mosca unterstützt.

Es ist davon auszugehen, dass sowohl Regtop als auch Mosca unter Christs Nachfolger Ponte nicht mehr zum Einsatz kommen werden. Dass Christ bereit war, zusätzliche Unterstützung zuzulassen, zeugt von Grösse und unterstreicht gleichzeitig – genau wie auch seine sportliche Aufnahme der Entlassung – seine Art: Christ wird auf dem Brügglifeld als arbeitsamer und ehrlicher Trainer in Erinnerung bleiben. Als einer, der nicht zu eitel war, sein eigenes Wohl hinter dasjenige des Klubs zu stellen.

Der Glaube an das Team bleibt

Nachdem Christ sein Büro geräumt hat, verlässt er die Geschäftsräume des Brügglifelds mitsamt seinen persönlichen Utensilien durch einen Nebeneingang, um damit der Medienmeute zu entgehen. Es ist ein leiser Abgang durch die Hintertür, den er so nicht verdient hat. Bleibt zu hoffen, dass sich zumindest sein letztes persönliches Anliegen im Zusammenhang mit dem FCA erfüllt: «Ich wünsche mir, dass ich mich noch persönlich von der Mannschaft verabschieden kann.»

Von den Spielern also, denen er nach wie vor den Ligaerhalt zutraut – und ihn ihnen auch wünscht. Wie es für ihn selber weitergeht, lässt Christ noch offen.

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