Schwingen

Vorbereitung XXL – wie die Aargauer Schwinger ins Sägemehl zurückkehren

Nick Alpiger (rechts), hier am Eidgenössischen Schwingfest beim gewonnen Gang gegen Samuel Giger.

Nick Alpiger (rechts), hier am Eidgenössischen Schwingfest beim gewonnen Gang gegen Samuel Giger.

Die Schwinger trainieren wieder im Sägemehl – doch wofür eigentlich? Das Jahr ohne Wettkämpfe könnte einen Technikschub auslösen.

Auf die Plätze, fertig, los? Die Schwinger dürfen seit Samstag wieder mit Gegnern trainieren. Und viele konnten den Schritt ins Sägemehl kaum erwarten. Nick Alpiger schwärmt: «Zu spüren, dass ich endlich wieder das machen kann, was ich am liebsten tue, ist überwältigend.» Etwas weniger pressant hat es Patrick Räbmatter. «Ich beginne erst nächste Woche mit dem Training.» Warum auch hetzen, wenn es eh nicht eilt? Das passt zum zweifachen Eidgenossen Räbmatter. Genau wie es zu Alpiger passt, sofort Vollgas zu geben.

Die beiden stehen damit sinnbildlich für die Situation, in der sich die Schwinger befinden. In der Nordwestschweiz sind mit Ausnahme des Hombergschwingets, der im Herbst stattfinden soll, alle Schwingfeste abgesagt. Was also tun? Bereits jetzt voll auf 2021 fokussieren? Oder einen normalen Aufbau starten, als wäre nichts gewesen? Das unfreiwillige Zwischenjahr konfrontiert die Schwinger mit ungewohnten Fragen. Andreas Döbeli, auch er wie Alpiger und Räbmatter bereits Eidgenosse, sagt: «Ich bin froh, dass ich mich bei Fragen nach dem richtigen Fahrplan für diese sehr spezielle Situation auf meinen Trainer verlassen kann.» Wie Alpiger hat er bereits mit dem Training begonnen.

Die Leichtigkeit im Sägemehl

Alpiger treibt die Sehnsucht an. Seine Pause war länger als die vieler Schwinger. Er verpasste nach einer Sehnenoperation an der Hüfte einen grossen Teil des Trainings im Winter – und dann kam die Coronaviruskrise. Er sagt: «Das Schwingen hat mir extrem gefehlt. Nicht schwingen zu können, weil man verletzt ist, war schwierig. Gesund nicht schwingen zu dürfen, weil es nicht erlaubt ist, war brutal.» Für Alpiger ist klar: Er trainiert so konsequent und hart, wie er es sich gewohnt ist. Dosieren passt nicht zum Schwerarbeiter unter den Aargauer Schwingern. Und warum auch? «Nichts fällt mir im Leben so leicht, wie im Sägemehl zu stehen und einfach zu schwingen.»

Räbmatter startet zwar gemächlicher, aber auch er hält nichts von der Idee, nun einfach zu pausieren und erst im Herbst mit dem Aufbau zu beginnen. «Beim Schwingen kann man sich immer weiterentwickeln.» Wer freiwillig pausiert, riskiert schnell, den Anschluss zu ver­lieren. «Darum nutze ich die Gelegenheit, mich zu verbessern.»

Die Technik wird sich durch die Pause verbessern

Das sieht auch Andreas Döbeli so. Und er sieht in der Wettkampfzwangspause sogar eine Chance. «Jetzt hat man sehr viel Zeit, an der Technik zu arbeiten. Während der Wettkampfsaison ist das sonst unmöglich.» Weil ganze Abläufe, das sogenannte freie Schwingen, für die Wettkampfbereitschaft unabdingbar sind. «Jetzt kann ich ein ganzes Training lang nur einen Schwung üben.» Weil es auf Grund der Absagen keine Wettkampfform braucht.

Gut möglich, dass sich das Schwingen dank oder wegen Corona technisch nochmals auf eine neue Stufe hievt, nachdem das Niveau bereits in den vergangenen Jahren enorm gestiegen ist. Döbeli sagt: «Normalerweise haben wir nur im Winter die Möglichkeit, an der Technik zu arbeiten.» Und das somit genau in einer Phase des Saisonaufbaus, in der andere Dinge wie die Kraft- und Ausdauerarbeit wichtiger sind. Jetzt können die Schwinger den Fokus bis in den Herbst einmal völlig anders legen. Auf die Plätze, fertig, los!

Meistgesehen

Artboard 1