Kommentar

Warum es beim FC Aarau seit Jahren bergab geht

Auch mit Trainer Marinko Jurendic geht es beim FC Aarau nicht wieder steil bergauf.

Auch mit Trainer Marinko Jurendic geht es beim FC Aarau nicht wieder steil bergauf.

Wenn es zwischen den Schlüsselfiguren nicht harmoniert, ist Erfolg bei einem Verein wie dem FC Aarau unmöglich. Statt aus der Vergangenheit zu lernen, wurde ein wegweisender Entscheid nun wieder aus der Ferne gefällt.

Mannschaft, Sportchef, Trainerstaff, eine Handvoll Angestellte auf der Geschäftsstelle und viel Ehrenamt: Die Profiabteilung des FC Aarau erinnert an einen kleinen Familienbetrieb. Was entscheidet bei einem solchen über Erfolg oder Misserfolg? Die interne Stimmung. Ist sie gut, greifen die einzelnen Zahnräder ineinander, sind die Kompetenzen verteilt und passt kein Blatt Papier zwischen Trainer und Sportchef, kann Aarau die Grossen ärgern.

Warum aber geht es seit Jahren bergab? Ob zwischen Trainer und Sportchef, Trainer und Mannschaft oder Sportchef und Mannschaft – immer waren zentrale Positionen mit Personen besetzt, die nicht harmonieren. Diese ständigen Brandherde sind eine Folge der Struktur: Der FCA-Verwaltungsrat besteht aus sechs Unternehmern, die beruflich voll ausgelastet sind und den Alltag im Brügglifeld nur am Rande mitbekommen.

Zudem hat keiner der Bosse den Profifussball von der Pike auf erlernt – sprich: Geballte Fussballkompetenz sucht man in der Teppichetage vergeblich. Doch dieses Gremium, in sportlichen Fragen geführt von Vizepräsident Geissberger, entscheidet über die Schlüsselposition «Cheftrainer». Und nicht der Sportchef, der am Puls von Team und Trainer ist.

Warum sitzt Burki nicht im Verwaltungsrat?

Warum hat man Sandro Burki, als er im August Sportchef wurde, nicht gleich auch in den Verwaltungsrat gehievt? Als Figur mit finaler Entscheidungsgewalt in sportlichen Fragen, die auch im Alltag führt und jedes Problemchen schon im Ansatz angehen kann. 

Ob die Entscheidung, dass Marinko Jurendic Cheftrainer bleibt, richtig oder die falsch ist, werden die Resultate und Auftritte in der Rückrunde zeigen. Möglich, dass sich die im Sommer eingeleiteten Veränderungsprozesse des 40-Jährigen positiv auf die Resultate auswirken.

Bedenklich ist aber die Art und Weise, wie vom Verwaltungsrat entschieden wurde: Wie vor acht Monaten bei der Vertragsverlängerung mit Marco Schällibaum über den anfänglichen Willen des Sportchefs hinweg. 

Bernd Kilian sagte kürzlich im "Blick": "Beim FCA ist die Frage entscheidend: Wie viel Einfluss hat ein Sportchef effektiv? Mit Schmid und Geissberger denke ich: wenig." Die Worte des Meistercaptains von 1993 sind aktueller denn je. Statt Burki zu stärken, wurde sein Einfluss vier Monate nach dem Amtsantritt bereits wieder massiv relativiert. Wo das hinführt? 

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