Leichtathletik
Weder Licht noch Schatten bei Hochstrasser

Jan Hochstrasser blickt auf eine durchzogene Freiluft-Saison zurück.

pascal kamber
Merken
Drucken
Teilen
Für Jan Hochstrasser ist das Ziel «Olympia 2016» noch nicht näher gekommen.key

Für Jan Hochstrasser ist das Ziel «Olympia 2016» noch nicht näher gekommen.key

STEFFEN SCHMIDT

Das Auf und Ab hat für Jan Hochstrasser doch noch ein versöhnliches Ende genommen. Am vergangenen Wochenende feierte der 26-jährige Safenwiler gemeinsam mit seinen Staffel-Kollegen des BTV Aarau bei den Schweizer Meisterschaften in Lausanne den vierten Titelgewinn in der Kategorie «Américaine» in Serie. Der Erfolg setzt den Schlusspunkt unter eine Freiluft-Saison, die bei Jan Hochstrasser gemischte Gefühle hinterlässt. «Obwohl ich wichtige Erfahrungen habe sammeln können, bin ich meinem grossen Traum, den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio, statistisch betrachtet keinen Schritt näher gekommen», blickt Hochstrasser kritisch auf seine Leistungen im Jahr 2015 zurück. Es überrascht deshalb nicht, dass bei ihm die Unzufriedenheit überwiegt. «Ich erhoffte mir, mich über 1500 m weiterzuentwickeln oder an die WM-Limite herantasten zu können», sagt Hochstrasser. Mit seiner Saisonbestleistung von 3:42.82 Minuten, aufgestellt beim Meeting Memorial Rasschaert in Ninove (Be), blieb das frühere Mitglied des TV Zofingen Leichtathletik aber deutlich unter der angestrebten Zeit von 3:39 Minuten. «Deshalb muss ich sagen, dass ich meine Ziele verpasst habe», erklärt er. Selbst die Triumphe bei den nationalen Titelkämpfen in Zug, wo Jan Hochstrasser als erster Schweizer über 1500 und 5000 m triumphierte, vermögen diesen Eindruck nicht zu beschönigen. «Ein gutes Wochenende wie die Schweizer Meisterschaft reicht nicht, um die Saison zu retten», sagt er.

Ausnahmslos Schwarzmalen will Jan Hochstrasser allerdings nicht. Gerade die SM in Zug habe ihm gezeigt, «dass ich den anderen Schweizern über 1500 m ein Stück voraus bin». Zudem sei dem Betriebsökonomie-Studenten stets bewusst gewesen, dass sich ein derart grosser Schritt wie in der Saison 2014 nach der Umstellung von 800 auf 1500 m wohl nicht wiederholen werde. Und dass Hochstrasser – wie schon im Jahr zuvor – mit einer Verletzung aus dem Trainingslager im Januar zurückkehrte und fünf Wochen pausieren musste, wirkte sich ebenfalls nicht förderlich auf seine Entwicklung aus. «Verletzungen gehören dazu, aber ich muss sie minimieren, um gesund aus dem Winter in die Saison zu starten», erklärt Hochstrasser. Schliesslich seien Fortschritte nur dann möglich, wenn er über mehrere Monate fit bleibe. «Im nächsten Jahr kann ich mir einen ständigen Wiederaufbau nicht leisten», sagt der EM-Teilnehmer von 2014 in Zürich, «sollte ich nochmals einen Trainingsblock verletzungsbedingt verpassen, wird es eng mit Olympia 2016.»

Optimale Basis erarbeiten

Umso wichtiger sei deshalb eine richtige Saisonplanung. In den nächsten Tagen setzt sich Jan Hochstrasser mit seinem Trainer Louis Heyer zusammen und berät sich über den Weg, den das Duo einschlagen soll. Wegen den positiven Erfahrungen nach dem Höhentrainingslager in Flagstaff im April will Hochstrasser diesen November erneut für drei bis vier Wochen in die USA reisen und mit einer Gruppe unter der Leitung von Norwegens Nationaltrainer Honoré Hoedt arbeiten. «Meine Blutwerte waren noch nie so gut wie nach der Rückkehr», sagt er. Mit dieser optimalen Basis soll dann der Angriff auf die Olympia-Limite von 3:36 Minuten erfolgen. Weil für Rio 45 Startplätze zu vergeben sind, reicht unter Umständen aber bereits eine Zeit um 3:37 Minuten, um sich via Weltrangliste für die Spiele zu qualifizieren. «Dazu fehlen mir rund zwei Sekunden, das ist ein realistisches Ziel», meint Jan Hochstrasser.