Kitesurfen
Wie der kalifornische Sommer das Leben von Astrid Berz verändert hat

Im Jahr 2001 sah Astrid Berz erstmals einen Kitesurfer. 2009 hat die Wettingerin ihren gut bezahlten Job aufgegeben, um ihren Traum zu verwirklichen. Heute lebt die Weltnummer 4 vom Minimum und hat ihr Glück in Italien gefunden.

Andreas Fretz
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«Ich lebe vom und fürs Kitesurfen», sagt Astrid Berz.

«Ich lebe vom und fürs Kitesurfen», sagt Astrid Berz.

ZVG

Der kalifornische Sommer 2001 veränderte das Leben von Astrid Berz komplett. Die damals 28-Jährige aus Wettingen befand sich auf einem Road-Trip von San Francisco nach San Diego. Da sah sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Kitesurfer. Einen Vertreter jener jungen, trendigen Sportart, bei der man sich von einem Lenkdrachen übers Wasser ziehen lässt. «Ich wusste sofort, dass das meine Zukunft sein wird», sagt Astrid Berz. Wieder zurück in der Heimat, suchte sie wie verrückt nach Kitesurf-Angeboten. Fündig wurde sie in Südfrankreich, wo sie in den folgenden Herbstferien ihren ersten Kurs besuchte.

Befreiendes Gefühl

Heute, 13 Jahre später, ist Astrid Berz die Nummer 4 der Weltrangliste. Ihre Spezialität ist das Formula Race, eine Disziplin, bei der man einen Dreieckskurs gegen mehrere Konkurrentinnen absolviert. Auch WM-Läufe konnte sie schon für sich entscheiden. «Das Gefühl und das Adrenalin, welches beim Kitesurfen durch meinen Körper schiesst, ist so einzigartig und befreiend, dass ich immer wieder auf dem Wasser sein will», schwärmt Berz. «Ich verbringe jede freie Minute auf dem Wasser.»

Den Job an den Nagel gehängt

Um ihren Traum zu verwirklichen, verzichtet sie auf vieles. Nach zehn Jahren Lehrertätigkeit gab sie ihren gut bezahlten Job an der Oberstufe Wohlen auf. Seitdem führt sie mit ihrer Partnerin im italienischen Windsportmekka Vieste das Kite- und Windsurfcenter «Garganosurf». Von April bis Ende September weilen die beiden in Italien. Und das seit mittlerweile sechs Saisons. Wenn sie in der Schweiz sind, leben sie bei der Mutter von Astrid Berz’ Partnerin.

Verzicht auf materiellen Luxus

«Ich lebe vom und fürs Kitesurfen», sagt Astrid Berz. Es ist kein Leben im materiellen Luxus. Ganz im Gegenteil. «Wir leben vom Minimum. Aber wir wollen nicht mehr. Je mehr man hat, desto mehr gibt man aus», gibt sie zu bedenken. Die Reaktionen aus dem Umfeld reichen von «super» bis hin zu «ihr seid verrückt», sagt Berz. Und natürlich macht auch sie sich ihre Gedanken. Zum Beispiel über die Altersvorsorge. Aber dann sagt sie sich: «Wir leben unser Leben jetzt. Und wir machen das, was wir gerne machen.»

Astrid Berz und «I believe in you»

Die Sponsorensuche in Randsportarten gestaltet sich schwierig. Als Astrid Berz sich beim Kanton nach finanzieller Unterstützung erkundigte, verwies man sie auf die Crowdfunding-Plattform «I believe in you», welche sich auf die Finanzierung von Schweizer Sportprojekten spezialisiert hat. Lanciert wurde die Plattform von den Olympia-Teilnehmern Mike Kurt (Kanu) und Fabian Kauter (Fechten).

Um ihr nächstes Projekt, die WM-Teilnahme im August in Istanbul, zu finanzieren, hat sich Berz bei «I believe in you» angemeldet. 25 Unterstützer hat sie bisher gefunden, 3040 von den angestrebten 5000 Franken sind zusammengekommen. Um an der Weltspitze mithalten zu können, sei sie auf neues, schnelleres Material angewiesen, erklärt Berz. Das Ziel der aktuellen Nummer 4: die Top 3 der Welt.