FC Wohlen
Wohlens Flop-Goalie Proietti: «Ich bin ein Spieler und liebe das Risiko»

Nach dem Flop des Jahres geht Wohlens Torhüter Giovanni Proietti unbeirrt seinen Weg. Zurzeit befindet er sich in der Rehabilitation nach seiner Verletzung, die ihn als «dümmsten Torhüter der Liga» in der ganzen Schweiz bekannt machte.

Ruedi Kuhn
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Wohlens Goalie Giovanni Proietti schaut sich die famose Szene mit seinem missglückten Absatztrick auf dem Handy an.

Wohlens Goalie Giovanni Proietti schaut sich die famose Szene mit seinem missglückten Absatztrick auf dem Handy an.

Karl Mathis

Eine Therapie mit Giovanni Proietti als Patient und Pflegefall macht Spass, ja sie bietet beste Unterhaltung. Der 34-jährige Italiener sitzt in einem Raum des Fitnesscenters «Atlantide» in Lugano und lässt sich massieren. Auf Wunsch kramt er sein Handy aus der Tasche, schaut sich die Szene an, die ihn in der ganzen Schweiz bekannt machte, und lässt sich sogar fotografieren. Der Torhüter des FC Wohlen riskierte im Heimspiel gegen Stade Nyonnais (4:2) einen Absatztrick und schoss sich den Ball ans Schienbein. Während der Aktion zog er sich Muskelfaserrisse in beiden Kniehöhlen zu. Einen Tag später machte sich die Boulevardpresse lustig über den Pechvogel und bezeichnete ihn als «dümmsten Torhüter der Liga».

Proietti ist das egal. Völlig egal. Knapp drei Wochen nach der Lachnummer zeigt sich der Goalie unbeeindruckt und sagt: «Fussball ist unberechenbar. Manchmal ist man oben und manchmal unten. Ich werde meinen Stil wegen dieses Flops bestimmt nicht ändern. Ich bin ein spielerischer Typ. Ich habe keine Angst und liebe das Risiko.» Grosse Worte. Ist Proietti wirklich so selbstbewusst, so abgeklärt und so cool, wie es den Anschein macht?

Schwierig zu sagen. Ein ehemaliger Teamkollege bezeichnet ihn als ehrgeizigen, impulsiven Profi, der konsequent, ja stur seinen Weg geht. Als Egozentriker und Showman, der sich gerne über die andern stellt und feiern lässt. Auf dem Spielfeld sei er ein Verrückter, neben dem grünen Rasen ein netter Kerl, der für jeden Jux zu haben ist und mit dem man Pferde stehlen kann. Proietti ist am 27. Juni 1977 in Rom geboren.

Der Sohn eines Bankangestellten mit Namen Massimiliano blieb bis zu seinem 18. Lebensjahr in der Hauptstadt Italiens. Fussball war für ihn nach eigener Aussage viel wichtiger als die Schule. Die Profikarriere lancierte Proietti bei Lucchese. Auf die Saison 2006/07 holte ihn Trainer und Kollege Rudy Vanoli zu Lugano. Nach vier Saisons wechselte er Anfang 2011 zum FC Wohlen. Proietti wohnt in Sonvico in der Nähe von Lugano, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die 16-jährige Giorgia ist eine talentierte Tennisspielerin. Der dreijährige Sohn Luca ist der grosse Stolz des Vaters.

Vom Liebling zum Buhmann

Bleibt zu schlechter Letzt die Feststellung, dass Proiettis Trick zur Unzeit der Beweis dafür ist, wie schnell ein Berufsfussballer vom Star zum Buhmann wird. Beim FC Wohlen hat er jedenfalls innert kürzester Zeit den ganzen Bonus verspielt. In der Vorrunde war der Torhüter dank seiner Einlagen und Faxen der Publikumsliebling schlechthin, in der Rückrunde wurde er zum Buhmann und landete auf dem Abstellgleis. Für immer?

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