2. Liga inter

«Würde Zofingen den Meistertitel geben»: Das sagen die Aargauer Teams zur Corona-Zwangspause

Zofingen, Muri oder keiner: Wer darf bei einem Abbruch aufsteigen?

Zofingen, Muri oder keiner: Wer darf bei einem Abbruch aufsteigen?

Viele Fragezeichen stehen derzeit über dem Schweizer Fussball. Wie geht es weiter? Bis Ende April rollt kein Ball mehr. Ob und wie es danach weitergeht ist ungewiss. Auch die 6 Aargauer Teams aus der 2. Liga inter tappen im Dunkeln. Zur schwierigen Situation haben sie unterschiedliche Ansichten. 

Tabellenleader zum Rückrundenstart: Die Ausgangslage für Miga Dedic hätte in seiner Abschiedssaison nicht besser sein können: «Natürlich würde ich den Verein gerne mit einem Aufstieg verlassen, aber ich rechne eher mit einem bitteren Ende», erklärt der Trainer des FC Muri. 

Zwar will sich Dedic noch nicht zu fest mit einem Saisonabbruch befassen, dennoch muss er gestehen: «Dieses Szenario wäre brutal hart, nicht nur für mich, auch die Mannschaft hat sich viel erhofft.»

Falls die Spielzeit tatsächlich nicht mehr fortgeführt wird, dann wäre der Coach allerdings dafür, dass die Hinrunde gewertet wird und die Resultate der Aarau Eagles für gültig erklärt werden. Dies hätte zur Folge, dass der FC Muri auf den 2. Rang zurückfallen würde: «Das hört jetzt mein Verein bestimmt nicht gerne, aber als Sportsmann würde ich Zofingen den Titel geben, sie waren verdient Wintermeister.

Der FC Muri führt derzeit die Tabelle dank dem Rückzug der Eagles Aarau an.

Der FC Muri führt derzeit die Tabelle dank dem Rückzug der Eagles Aarau an.

«Dürfen uns nicht zu wichtig nehmen»

Kein Zweifel, der FC Wettingen gehört zu den Überraschungsteams in dieser Saison. Dennoch würde Trainer Marc Hodel der Spielzeit nicht nachtrauern, sofern diese abgebrochen wird. «Wir dürfen uns nicht zu wichtig nehmen, es ist nur Fussball. Wir können viel Positives aus der bisherigen Spielzeit mitnehmen, das reicht für mich in dieser Situation vollkommen aus.»

Der Trainer hält es für möglich, dass die Saison zu einem späteren Zeitpunkt zu Ende gespielt werden könnte, doch er ist sich bewusst, dass ein Saisonabbruch wahrscheinlicher ist.

Dennoch hat er seinen Jungs für die Zwischenzeit Anweisungen gegeben, um sich fit zu halten: «Ich der Mannschaft gesagt, sie sollen dreimal die Woche Joggen oder Radfahren. Später werde ich Fitness-Programme zusammenstellen.»

Marc Hodel hätte Verständnis für einen Saisonabbruch.

Marc Hodel hätte Verständnis für einen Saisonabbruch.

«Hätten unseren Soll erfüllt»

Trainer Dejan Rakitic angesichts der Entwicklung etwas ratlos: «Die Spieler vermissen den Ball und müssen sich trotzdem irgendwie fit halten, aber es gibt keinen Termin, wann es wieder losgehen soll, sie haben kein Ziel vor Augen, das ist eine schwierige Situation», betont Rakitic. 

Der Trainer hofft zwar, dass so schnell wie möglich wieder Fussball gespielt werden kann, doch er ist sich auch bewusst, dass die Chancen dafür nicht gut aussehen: «Ich rechne mit einem Abbruch. Ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht, wie das funktionieren soll. Ende April nehmen wir nach langer Pause wieder den Trainingsbetrieb auf und eine Woche später beginnt die Rückrunde? Das halte ich nicht für realistisch. 

Für Rakitic wäre ein Abbruch der Saison zwar schmerzhaft, aber verkraftbar: «Wir stehen aktuell auf dem 4. Platz, unser Saisonziel war ein Platz in den Top 5. Wir hätten damit immerhin unser Soll erfüllt», so der Trainer von NK Pajde. 

NK Pajde steht derzeit auf dem 4. Platz der Tabelle und hätte damit bei einem Abbruch das Saisonziel erfüllt.

NK Pajde steht derzeit auf dem 4. Platz der Tabelle und hätte damit bei einem Abbruch das Saisonziel erfüllt.

«Aufstieg wäre nichts, worauf ich stolz sein könnte»

Beim Wintermeister hat man schnell auf den Saison-Unterbruch reagiert. Trainer Flavio Catricalà hat bereits ein Programm zusammengestellt: Jogging sowie Kraft- und Stabilitätsübungen stehen auf dem Tagesprogramm. 

Dennoch hat Catricalà eine klare Meinung zur weiteren Verlauf der Corona-Krise: «Diese Saison ist vorbei. Ich vermute derzeit sogar, dass 2020 kein Ball mehr Rollen wird.»

Weiter Trainer geht davon aus, dass es in diesem Jahr keinen Aufsteiger geben wird: «Für mich macht das keinen Sinn. Ein Aufstieg zu diesem Zeitpunkt wäre wohl nichts, worauf ich stolz sein könnte.»

Nachtrauern würde Catricalà dieser Saison im Falle eines Abbruchs nicht: «Wir haben alle unsere Ziele erreicht: Wintermeister, 2. Quali-Runde im Cup, die gefährlichste Offensive und nebenbei auch noch zwei Junioren eingebaut. Damit bin ich mehr als zufrieden.» 

Der SC Zofingen war nach der Hinrunde zwar Wintermeister, wurde jedoch in der Pause – wegen dem Eagles-Rückzug – vom FC Muri überholt.

Der SC Zofingen war nach der Hinrunde zwar Wintermeister, wurde jedoch in der Pause – wegen dem Eagles-Rückzug – vom FC Muri überholt.

#StayAtHomeChallenge für den Teamzusammenhalt 

Mit viel Ambitionen wollte Trainer Sven Osterwalder mit dem SC Schöftland in die Rückrunde starten. Nun ist nichts daraus geworden. Zumindest vorübergehend. Aber auch er ist wenig optimistisch, was die Weiterführung der Saison anbelangt. 

Die #StayAtHomeChallenge des SC Schöftland.

Osterwalder betont: «Kein Fussball, das ist für alle frustrierend. Die Spieler haben sich inzwischen andere Wege gesucht, um gemeinsam zu kicken. Wir haben gemeinsam die #StayAtHomeChallenge gemacht. Das hat uns in dieser Situation zusammengeschweisst.»

Der Coach will sich nun mit der Mannschaft weitere Überlegungen machen, um mit ähnlichen Aktionen den Teamzusammenhalt zu fördern. Nebenbei appelliert er an den Ehrgeiz seiner Truppe, um zuhause die Fitness aufrecht zu erhalten. 

«Manchmal muss man solche Geschenke annehmen» 

Besonders aussergewöhnlich ist die Corona-Krise für Domagoj Karadza. Der Trainer hat in der Winterpause beim FC Klingnau übernommen und das Team umstrukturiert. Nun wollte der Trainer den Ligaerhalt in Angriff nehmen. «Für uns ist das frustrierend. Die neuen Spieler haben sich gut integriert, wir haben viel trainiert in der Winterpause und wären bereit für diese Aufgabe gewesen.»

Alessandro Renna (links) wollte mit dem FC Klingnau in der Rückrunde den Ligaerhalt anstreben.

Alessandro Renna (links) wollte mit dem FC Klingnau in der Rückrunde den Ligaerhalt anstreben.

Dennoch ist sich Karadza durchaus auch bewusst, dass er und seine Mannschaft zu den grossen Profiteuren dieser abnormalen Saison zählen könnte: Wird die Spielzeit definitiv abgebrochen und nicht gewertet, so winkt dem FC Klingnau – der sich derzeit auf einem Abstiegsplatz befindet – ein kampfloser Klassenerhalt. «Natürlich können wir uns in diesem Fall nicht beklagen. Manchmal muss man solche Geschenke eben annehmen», betont Karadza. 

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