Challenge League
Shkelzen Gashi und Leon Bergsma: Zwei Glücksfälle im Aufstiegsrennen für den FC Aarau

Der eine krönt seine Rückkehr nach 130-tägiger krankheitsbedingter Absenz mit einem Tor, der andere beendet beim 3:0 gegen Wil eine kleine Schaffenskrise mit seinen ersten zwei Treffern im FCA-Trikot.

Sebastian Wendel
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Hauptdarsteller einer starken Teamleistung: Shkelzen Gashi (links) und Leon Bergsma, die für alle drei Tore beim 3:0 gegen Wil besorgt waren.

Hauptdarsteller einer starken Teamleistung: Shkelzen Gashi (links) und Leon Bergsma, die für alle drei Tore beim 3:0 gegen Wil besorgt waren.

Marc Schumacher / freshfocus

Am Schluss wird’s kitschig: Als wären die zwei ersten Tore im FCA-Dress von Abwehrchef Leon Bergsma nicht schon speziell genug, trifft in der Nachspielzeit auch noch Shkelzen Gashi. 130 Tage lang musste die Mannschaft auf ihren Topstürmer verzichten, eine Krankheit setzte den 32-Jährigen seit November ausser Gefecht. Dann wird er am vergangenen Samstag gegen den FC Wil beim Stand von 2:0 für die Aarauer eingewechselt, nähert sich in zwei Aktionen bereits einem Treffer an und als die letzten Sekunden von der Matchuhr rinnen, übertölpelt Gashi in Schlitzohr-Manier seinen Gegenspieler und schlenzt den freiliegenden Ball ins weite Eck.

«Shkeli, Shkeli, Shkeli», skandieren die Mauerfans (hier gehts zur Story) ennet der Stadiongrenze, das Tor des Rückkehrers ist ihr Lohn für die 90 Minuten Aushalten im Regensturm. Gashis perfektes Coemack nährt die Hoffnungen, dass der Weitgereiste mit seiner Routine und seiner Torgefährlichkeit in der Schlussphase der Saison zur wichtigen Waffe im Rennen um den Barrageplatz wird. Ausrutscher sind je länger, je mehr keine mehr erlaubt, will Aarau bis zuletzt um den Aufstieg mitreden. Da ist ein Stabilitätsfaktor wie Gashi in der bislang labilen Mannschaft natürlich herzlich willkommen.

Bergsma: Torquote aus Holland in einem Spiel egalisiert

Andererseits stiehlt Gashi mit seinem siebten Saisontreffer die Show einem anderen, dem bis in die Nachspielzeit die Rolle des Hauptdarstellers auf sicher scheint: Leon Bergsma. Der Freude des Holländers tut dies indes keinen Abbruch, mit grossem Grinsen stellt er nach dem 3:0 gegen die Ostschweizer fest: «Zu Null gespielt, dem Gegner keine Torchance zugestanden und zwei Tore von mir – was will ich mehr?»

Bergsma ist seit Beginn dieser Saison Spieler des FC Aarau. Davor war er zwei Saisons lang Profi in Holland und erzielte dort in 99 Partien zwei Treffer. In der Schweiz egalisiert er diese Quote nun bereits in seinem 24. Spiel in der Challenge League, besonders gut tun dürfte der Doppelpack, weil er auf schwierige Wochen folgt: Zwar performt Bergsma auch in diesem Jahr auf dem hohen Level, doch anders als in der überragenden ersten Saisonhälfte war er zuletzt direkt an Gegentoren beteiligt, vor Wochenfrist beim 0:2 in Chiasso gleich zwei Mal.

Gegen Wil steht das Glück wieder auf seiner Seite, sowohl beim 1:0 als auch beim 2:0 braucht er den Ball nur noch über die Linie zu schieben. Bergsma bezeichnet den Sieg «als sehr wichtig, wir hatten grossen Druck. Das war ein guter Auftritt, aber ab jetzt müssen wir durchziehen, Aussetzer wie in Chiasso dürfen nicht mehr passieren.»

Ekstase pur bei Leon Bergsma nach dem 1:0 gegen Wil, seinem ersten Treffer für den FC Aarau.

Ekstase pur bei Leon Bergsma nach dem 1:0 gegen Wil, seinem ersten Treffer für den FC Aarau.

Marc Schumacher / freshfocus

Bergsma ist einer der Hauptgründe, warum der FCA elf Spieltage vor Schluss auf den Aufstieg schielen darf. Sein Transfer, die Folge eines geschäftlichen Treffens zwischen einem Bergsma-Bekannten und einem Brügglifeld-Tontechniker, hat die löchrige Abwehr stabilisiert. Seine Eleganz, sein Antizipationsvermögen und seine Spielauslösung sind in der Challenge League einmalig.

Anfang Februar hat er seinen Vertrag vorzeitig bis 2023 verlängert, auf Wunsch von Sportchef Sandro Burki. Damit geht der FCA gut gerüstet in die Ablöseverhandlungen mit Kaufinteressenten, die Ende Saison Schlange stehen dürften. Bergsma selber beruhigt jene, die ihm bereits jetzt nachtrauern: «Kommt ein interessantes Angebot, werde ich Punkt für Punkt zwischen dem FC Aarau und dem anderen Klub abwägen. Aber es braucht schon sehr, sehr überzeugende Argumente, bevor ich mich gegen Aarau entscheiden würde.»


Interview mit Matchwinner Leon Bergsma: «Bin überrascht vom hohen Niveau in der Challenge League»

Leon Bergsma auf dem Alpenzeiger mit Blick auf die Stadt Aarau.

Leon Bergsma auf dem Alpenzeiger mit Blick auf die Stadt Aarau.

Britta Gut

Gratulation zu Ihren ersten beiden Toren für den FC Aarau. Sie sind eigentlich der Abwehrchef, gegen Wil haben Sie in bester Stürmermanier getroffen - gibt es da bis dato verborgene Talente?

Bergsma: Nein, nein, ich bin und bleibe sehr gerne Verteidiger. Man muss auch sehen, dass mir der Ball zwei Mal nach einem Corner vor die Füsse fiel, da war also auch Glück dabei. Lustig: Soweit ich mich erinnere, habe ich alle bisherigen Tore, an die ich mich erinnern kann, mit dem Kopf erzielt - nun meine ersten zwei für Aarau mit dem Fuss.

Nachdem es vor einer Woche beim 0:2 in Chiasso misslungen war, wollte der FCA dieses Mal die Niederlage von Schaffhausen ausnützen und näher an den Barrage-Platz rücken. Wie gross war der Druck?

Den haben wir uns vor allem selber gemacht, denn wir haben grosse Ambitionen und wollen so lange wie möglich vorne mitspielen. Eine Niederlage wie in Chiasso dürfen wir uns nicht mehr erlauben, vor allem, weil wir dort mehr als genug Chancen hatten, das Spiel zu gewinnen und hinten dumme Tore kassiert haben. Das Rennen vorne ist eng, wer hinten die wenigsten Fehler begeht und vorne die Torchancen effizient verwertet, wird sich am Ende gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Sie sind die berühmte Juniorenabteilung bei Ajax Amsterdam durchlaufen und standen zuletzt beim holländischen Spitzenklub AZ Alkmaar unter Vertrag. Fühlen Sie sich in der Challenge League, der zweithöchsten Liga der Schweiz, nicht unterfordert?

Wissen Sie was? Ich bin positiv überrascht vom hohen Niveau in dieser Liga. Hier gibt es viele junge, top ausgebildete Spieler, die sich für höhere Aufgaben empfehlen wollen. Praktisch alle Mannschaften wollen das Spiel gestalten, gegen aktive Gegner anzutreten macht natürlich mehr Spass für uns Spieler. Der Fakt, dass drei Challenge-League-Klubs sich in den Cup-Achtelfinals gegen solche aus der Super League durchgesetzt haben, zeigt, wie nah die zwei Ligen sich sind. Das liegt sicher auch daran, dass nur je 10 Teams in den Ligen spielen. In Holland etwa hat die oberste Liga 18 Mannschaften - dort ist der Unterschied zwischen dem Ersten der Topliga und dem Ersten der zweiten Liga viel grösser als hier in der Schweiz.

Sie haben kürzlich Ihren Vertrag beim FCA verlängert, obwohl Ihr ursprünglicher noch bis 2022 lief. Warum?

Der Klub ist mit diesem Wunsch auf mich zugekommen, wir haben gute Gespräche geführt und dann war es für mich einfach, den Vertrag zu verlängern. Der FC Aarau hat mir die Chance gegeben, meine Karriere ausserhalb von Holland neu zu lancieren. Trainer Stephan Keller lässt einen attraktiven und dominanten Fussball spielen, was mir sehr gefällt und auch meinen Stärken entgegenkommt. In einem Team, das nur lange Bälle nach vorne schlägt, würde ich mich nicht wohl fühlen. Dazu kommen die super Stimmung innerhalb der Mannschaft, wir haben es alle gut miteinander und alle sind ehrgeizig, haben für die Mannschaft und persönlich hohe Ziele.

Wenn im Sommer ein finanziell und sportlich besseres Angebot kommt - werden Sie dann weiterziehen?

Meine Vertragsverlängerung war keine Alibiübung - ich fühle mich hier wirklich wohl und möchte am liebsten mit dem FC Aarau in der Super League spielen. Aber Sie wissen auch: Im Fussball ist die Zukunft schwer vorhersehbar. Sollte ich im Sommer oder zu einem späteren Zeitpunkt ein interessantes Angebot erhalten, werde ich Punkt für Punkt den FC Aarau und den anderen Klub vergleichen. Aber es braucht schon sehr, sehr überzeugende Argumente, bevor ich mich gegen Aarau entscheiden würde.

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