Abstiegskampf
Zuerst verunfallt Präsident Constantin im Ferrari, dann schlittert sein FC Sion ins nächste Debakel – die Abstiegssorgen werden grösser

Die Walliser unterliegen in der Super League Aufsteiger Vaduz 0:3 und befinden sich in der Tabelle nun sechs Punkte hinter dem Barrageplatz. Sie sind auf dem Weg in die Challenge League. Torhüter Fickentscher sagt: «Wir haben Spieler, die unsere Sprache nicht verstehen, die Kultur nicht kennen und nicht wissen, worum es für ihren Verein geht.»

Markus Brütsch
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Hängende Köpfe: Der FC Sion beim 0:3 in Vaduz. Der Rückstand auf Rang 9 beträgt bereits sechs Punkte.

Hängende Köpfe: Der FC Sion beim 0:3 in Vaduz. Der Rückstand auf Rang 9 beträgt bereits sechs Punkte.

Keystone

Vielleicht hätte die bereits am Vortag in die Region angereiste Mannschaft des FC Sion am Morgen vor dem Spiel noch den kurzen Weg hoch zum Schloss Vaduz unter die Füsse nehmen sollen. Dann hätten die Spieler und der Staff dank des gestochen klaren Blicks auf die wunderbare Ostschweizer Bergwelt mit dem verschneiten Säntis wenigstens ein klein bisschen etwas von ihrer weiten Reise ins Liechtensteinische gehabt.

Was sich nämlich am Nachmittag im Rheinpark zuträgt, muss den Gästen Anlass zu grösster Besorgnis geben. Nach ihrer am Ende brutalen 0:3-Niederlage gegen den FC Vaduz liegen sie acht Runden vor Saisonschluss nun sechs Zähler hinter dem Aufsteiger und dem punktgleichen FC Luzern (3:4 gegen Basel) abgeschlagen am Tabellenende. Es gibt deutliche Indizien dafür, dass die Walliser nach 15 Saisons in der Super League den Gang in die Challenge League antreten müssen.

Wieder einmal schlagen die Standardspezialisten zu

Sie sehen zwar bis eine Viertelstunde vor dem Ende nicht wie der Verlierer aus, haben sogar die besseren Torchancen und in der Startphase bei einem Kopfball von Jan Bamert an die Latte auch Pech. Und obwohl die überraschend verhaltenen Vaduzer nach der Pause mit dem starken Föhn im Rücken spielen können, werden sie nicht gefährlicher.

Dann aber nützen sie, wie schon so oft in dieser Saison, einen ruhenden Ball, um das Spiel in die gewünschte Richtung zu lenken: Nach einem Corner drückt Gabriel Lüchinger den Ball über die Linie. Danach wird Sittens Baltazar mit der gelbroten Karte vom Platz gestellt und sorgt der eingewechselte Dejan Djokic mit zwei Toren für die definitive Entscheidung. «Wir haben einen Lauf», sagt der Vaduzer Trainer Mario Frick nach dem dritten Sieg in Folge. «Wichtig ist, dass wir demütig bleiben.» Er hat gegen Sion nun neun von zwölf Punkten geholt. Ein klares Verdikt, wer das bessere Team ist.

In Reichweite der Liechtensteiner (32 Punkte) sind nach dem gestrigen Spieltag nun auch der FC Zürich (1:2 gegen Servette) mit 34 und St. Gallen (0:2 bei YB) mit 33 Zählern. Beiden droht zumindest die Barrage.

Das Thema an diesem Sonntag im Fürstentum ist aber nicht die vorzügliche Vorstellung der Vaduzer in diesem Kalenderjahr, in dem nur die Young Boys mehr Zähler geholt haben. Im Fokus stehen die Akteure des FC Sion, die hinterher unverblümt die Situation analysieren. Goalie und Vizecaptain Kevin Fickentscher sagt: «Wir haben Spieler, die unsere Sprache nicht verstehen, die Kultur nicht kennen und nicht wissen, worum es für ihren Verein geht.» Flügelstürmer Matteo Tosetti sagt: «Es fehlt an Leidenschaft und Moral. So kann man im Abstiegskampf nicht bestehen.» Trainer Marco Walker moniert die fehlende Mentalität. «Eine Standardsituation zu verteidigen, ist immer eine Frage der Mentalität», sagt der Trainer, der mit nur einem Punkt aus drei Spielen nach der Ablösung von Fabio Grosso nicht für den erhofften Umschwung gesorgt hat.

Und was sagt Christian Constantin, der nach einem Unfall am Freitag nicht nur seinen Ferrari in Trümmern gesehen hat, sondern am Sonntagabend auch seine Mannschaft? Natürlich wird bereits darüber spekuliert, ob Constantin noch einmal die Trainer-Notbremse zieht. Ob er sich allenfalls wie gegen Lausanne (3:1) und Servette (1:2) erneut auf die Bank setzt oder eine andere Lösung aus dem Hut zaubert.

«So kurz nach dem Spiel macht es keinen Sinn, etwas über den Trainer zu sagen», sagt der Präsident, der beim Autounfall mit einer Schulterverletzung davongekommen ist. «Ich nehme mir nun Zeit für eine Analyse und dann sehen wir weiter.» Eine Jobgarantie für Walker tönt anders. Vielleicht bekommt er am Samstag gegen den ebenfalls kriselnden FC Zürich noch eine letzte Chance.