Wils neuer Trainer

Als Fussballer begnadet, als «Stinkstiefel» verunglimpft, an Depression erkrankt: fünf Fakten zu Ciriaco Sforza

Dem FC Wil ist mit der Verpflichtung des 79-fachen Nationalspielers Ciriaco Sforza ein Transfercoup gelungen. Seit Beginn seiner Karriere stand der gebürtige Aargauer im Rampenlicht. Was Sie über den neuen Trainer des FC Wil wissen müssen.

1. Sforza gab sein Début in der NLA im Espenmoos

Der hoch talentierte Ciriaco Sforza wurde bereits im zarten Alter von etwas mehr als 16 Jahren zum ersten Mal in der damaligen NLA eingesetzt. Sein Début für die Zürcher Grasshoppers absolvierte Sforza am 16. August 1986 im St.Galler Espenmoos. Vor 10'000 Zuschauern wurde der Sohn italienischer Eltern nach 70 Minuten für Christian Matthey eingewechselt. Für die Hoppers um Punkte kämpften damals übrigens unter anderem auch der heutige St.Gallen-Sportchef Alain Sutter und der spätere FCSG-Meistertrainer Marcel Koller, wie das Telegramm der Partie zeigt:

St.Gallen - Grasshoppers 2:2 (1:1)
Espenmoos, 10'000 Zuschauer, Schiedsrichter: Philippoz
St.Gallen: Huwyler, Peter Germann, Irizik, Jurkemik, Rietmann, Fregno, Hegi, Hörmann, Piserchia (61. Gämperle), Braschler (46. Dario), Metzler.
GC: Brunner, Andracchio, Egli, Gren, In-Albon, De Siebenthal (46. Andermatt), Koller, Larsen, Ponte, Sutter, Matthey (70. Sforza).
Tore: 34. Koller 0:1; 44. Hegi 1:1; 59. Fregno 2:1; 73. Egli 2:2.
Verwarnungen: Ponte, In-Albon.

Der blutjunge Ciriaco Sforza im Trikot der Zürcher Grasshoppers.

Der blutjunge Ciriaco Sforza im Trikot der Zürcher Grasshoppers.

2. Er wollte kein Verteidiger sein und ging zu Aarau

Sforzas erste Zeit beim damaligen Nobelclub GC ging 1988 zu Ende. Der neue Trainer, ein gewisser Ottmar Hitzfeld, wollte Mittelfeldspieler Sforza zum rechten Verteidiger umfunktionieren. Der Italiener wechselte in der Folge für eineinhalb Saisons in die Provinz zum FC Aarau, bevor er in den Hardturm zurückkehrte und dort bis 1993 im Mittelfeld die Fäden zog. Mit den Hoppers holte Sforza 1991 den Meistertitel.

Ein Bild vom Dezember 1990: Ciriaco Sforza (rechts) wird von Lugano-Spieler Mauro Galvao vom Ball getrennt.

Ein Bild vom Dezember 1990: Ciriaco Sforza (rechts) wird von Lugano-Spieler Mauro Galvao vom Ball getrennt.

3. Die Bundesliga-Zeit: Dirigent, Karajan, Stinkstiefel

Nach seinem Transfer 1993 von GC zum 1. FC Kaiserslautern setzte sich die Karriere Ciriaco Sforzas rasant fort. Mit den Pfälzern belegte Sforza die Plätze 2 und 4 in der Bundesliga und machte sich einen Namen als begnadeter Techniker. Prompt wurde der FC Bayern München auf Sforza aufmerksam und holte den mittlerweile 25-Jährigen 1995 an die Säbener Strasse. Sforza konnte dort aber nicht an seine Leistungen in der Pfalz anknüpfen.

Bereits 1996 ging Sforza deshalb für eine Saison zu Inter Mailand, heuerte danach erneut bei Kaiserslautern an, wurde dort Meister – und verliess den Verein abermals zugunsten des FC Bayern. Auch dieses Engagement bei dem deutschen Rekordmeister stand aber unter keinem guten Stern. Sforza erhielt im überkritischen Münchner Umfeld den Übernamen «Karajan», weil er mehr dirigiere als spiele. Und wurde von Klub-Ikone Karl-Heinz Rummenigge gar als «Stinkstiefel» beschimpft – ein Ausdruck, der Sforza verletzte und ihm sehr geschadet habe, wie er später zu Protokoll gab.

Ciriaco Sforza im Dress des FC Bayern München.

Ciriaco Sforza im Dress des FC Bayern München.

Karajan hin, «Stinkstiefel» her: Ciriaco Sforzas Erfolge stehen für sich. In seinem Palmarès stehen je ein Cupsieg und ein Meistertitel in der Schweiz, zwei deutsche Meisterschaften, ein Uefa-Cup-Sieg, der Gewinn der Champions League und 79 Einsätze mit der Schweizer Nati. Damit gehört Ciriaco Sforza zu den erfolgreichsten Schweizer Spielern der Neuzeit.

4. Vom Spieler Sforza zum Trainer Sforza

Schon kurz nach der Beendigung seiner Spielerkarriere heuerte Ciriaco Sforza als Trainer beim FC Luzern an. 2009 kehrte Sforza an die Seitenlinie seines früheren Clubs GC zurück. Er stellte unter Beweis, gut mit jungen Spielern arbeiten zu können, und wurde in seiner ersten Saison Dritter. Aufhorchen liess Sforza in der Folge auch mit Erfolgen in der Challenge League beim FC Wohlen, während ein Engagement beim FC Thun aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen 2015 bereits nach wenigen Monaten wieder Geschichte war.

An der Seitenlinie: Ciriaco Sforza.

An der Seitenlinie: Ciriaco Sforza.

5. Offener Umgang mit Depressionen

Im Jahr 2015 machte Ciriaco Sforza weniger aus sportlichen Gründen Schlagzeilen: Er überraschte mit dem Bekenntnis, dass er nach seinem Abgang als Trainer der Grasshoppers an Depressionen erkrankt sei. Dem «Tages-Anzeiger» gab er folgendes zu Protokoll:

Er habe Enttäuschung und eine totale Leere gespürt. Auch aufgrund privater Turbulenzen hatte Sforza damals mit psychischen Problemen zu kämpfen. Er habe ständig Angst gehabt, dass ihm etwas zustossen könnte und dass sein Herz versagen würde, wenn niemand in seiner Nähe sei, sagte Sforza im Interview weiter. Sicher und geborgen fühlte er sich nur in den eigenen vier Wänden. Er nahm in der Folge psychologische Hilfe in Anspruch.

Im Rückblick sagte Sforza im «Tages-Anzeiger»-Interview auch, dass er früher ein Mensch gewesen sei, der vermutlich viele aufgeregt, der polarisiert habe. «Ich wirkte vielleicht unnahbar, aber das war auch eine Art Schutzmechanismus. Und wenn ich provozierte und kritisiert wurde, dann verstärkte sich das Ganze nur noch.»

Als Mensch in Krisen gereift: Ciriaco Sforza.

Als Mensch in Krisen gereift: Ciriaco Sforza.

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