Analyse
Die Young Boys nehmen in der Champions League 25 Millionen ein. Warum das auch für alle Super-League-Klubs gut ist

Am Dienstag steigt YB zu Hause gegen Manchester United in das Abenteuer Champions League. Natürlich besteht die Gefahr, dass die Berner dank der Teilnahme an der Königsklasse der Konkurrenz weiter entrückt. Aber die positiven Aspekte überwiegen.

François Schmid-Bechtel
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19. September 2018, der erste YB-Auftritt in der Champions League überhaupt. Und wie am Dienstag ging es auch damals gegen Manchester United. Im Bild: Kevin Mbabu (links) gegen United-Star Paul Pogba.

19. September 2018, der erste YB-Auftritt in der Champions League überhaupt. Und wie am Dienstag ging es auch damals gegen Manchester United. Im Bild: Kevin Mbabu (links) gegen United-Star Paul Pogba.

Anthony Anex / KEYSTONE

Es beginnt für die Young Boys wie bei ihrer letzten Champions-League-Teilnahme vor drei Jahren: Mit einem Heimspiel gegen Manchester United. Damals, es war der erste Auftritt der Berner in der Königsklasse, wurden sie für ihren euphorischen Auftritt mit 0:3 bestraft. Das kann ihnen wieder passieren. Sowohl was die Attitüde als auch das Resultat betrifft. Denn ManUtd gehört nicht erst seit dem Zuzug von Cristiano Ronaldo wieder zur absoluten Spitze im europäischen Klubfussball.

YB hingegen ist mindestens zwei Stufen darunter anzusiedeln. Irgendwo dazwischen leben die beiden anderen Gruppengegner Villarreal und Atalanta Bergamo. Kurz: YB ist klarer Aussenseiter. Selbst Platz 3 und damit das Überwintern im europäischen Wettbewerb wäre eine grosse Überraschung. YB-Sportchef Christoph Spycher sagt im Vorfeld, man befasse sich nicht gross mit der Rolle, sondern spiele sechs Finals.

Der Weg in die Champions League war nicht so schwierig wie befürchtet

Überhaupt ist es erstaunlich, dass ein Super-League-Vertreter in der Champions League dabei ist. Hiess es noch vor einigen Monaten, dass der Durchgang in den Salon der Elite für Schweizer Klubs immer schmaler wird, muss man konstatieren, dass es die Young Boys nicht mit allzu furchteinflössenden Türstehern zu tun bekamen. Erst der slowakische Meister Slovan Bratislava, dann der rumänische Meister Cluj, danach Ungarns Nummer 1 Ferencvaros Budapest – das ist nicht das, was für einen Schweizer Klub eine unüberwindbare Kraft darstellt.

Bei aller Begeisterung und Vorfreude stellt sich die Frage: Ist es überhaupt gut für den Schweizer Fussball, dass YB den Sprung in die Champions League geschafft hat? Schliesslich geht es ja auch um Punkte für das Uefa-Ranking und damit um eine bessere Ausgangslage für die Wettbewerbe der kommenden Jahre. Und weil es für YB in der Champions League schwieriger ist, Punkte zu gewinnen als in der Europa League, könnte man schliessen, dass die Königsklasse nicht das adäquate Tummelfeld ist für einen Schweizer Klub. Aber diese Denkweise ist die falsche.

Warum?

Die Champions League hat einerseits eine ungeheure Ausstrahlung und Anziehungskraft. Andererseits ist sie der Referenzwert schlechthin. Wer auf dieser Bühne reüssiert, hat eine grosse Zukunft, wenn nicht schon seine Gegenwart gross ist. Nehmen wir das Beispiel Mohamed Salah. Seine zwei Tore mit dem FC Basel gegen Chelsea befeuerten seinen späteren Transfer nach London. Und wenn ein Spieler wie Salah brilliert, steigt auch das Interesse an jenem Verteidiger aus St. Gallen oder Luzern, der den Ägypter im Super-League-Spiel unter Kontrolle hat.

Auch nach St. Gallen und Luzern fliesst Champions-League-Geld

Ausserdem ist die Champions League eine Gelddruckmaschine. Klar, das meiste davon fliesst in die YB-Kasse. Man rechnet in Bern mit 25 Millionen Franken. Aber etwa sechs Millionen Euro aus dem Uefa-Solidaritäts-Topf teilen sich die acht Super-League-Klubs auf, die nicht in einer Europacup-Gruppenphase engagiert sind. Also alle ausser dem FC Basel, der sich für die Conference League qualifiziert hat.

Und vielleicht befürchtet man eben in Basel, dass YB dank den Champions-League-Millionen weiter entrückt. Das ist gut möglich. Denn während in Basel der Geschäftsführer Dani Büchi sagt, man sei in dieser Saison auf einen Millionen-Transfer angewiesen, was einen Substanzverlust zur Folge hat, kann es sich YB leisten, alle Angebote auszuschlagen.

YB nimmt allein mit der Champions League mehr Geld ein als ein mittelständischer Super-League-Klub im ganzen Jahr erwirtschaftet. Aber YB macht nicht nur sich, sondern die ganze Liga reicher. Denn welcher Schweizer Klub kann es sich leisten, für einen wie Silvan Hefti etwas mehr als eine Million Franken nach St. Gallen zu überweisen? Einiges, was YB in der Königsklasse verdient, fliesst in den Super-League-Kreislauf.

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