Swiss League

Analyse zur Zukunft der Swiss League: Die Basis bröckelt gefährlich

Der Farmteam-Alltag in der Swiss League: Die Oltner blicken in der Raiffeisen-Arena auf leere Zuschauerränge.

Der Farmteam-Alltag in der Swiss League: Die Oltner blicken in der Raiffeisen-Arena auf leere Zuschauerränge.

Die Modusänderung in der Swiss League wird wohl nicht zustande kommen, die Wurzel des Übels ist damit aber nicht eliminiert. Das Gesamtprodukt leidet weiterhin. Um die Situation zu verbessern gibt es zwei Ansätze. Einen guten, der nicht realisierbar ist. Und einen politisch korrekten, der aber nur bedingt zur Besserung führt.

Die grösste Peinlichkeit dürfte dem Schweizer Eishockey erspart bleiben: ein Moduswechsel während der laufenden Saison. Der Verlierer der Playouts in der Swiss League wird gegen den Meister der MySports-League um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Die gerüchtweise angedachte Verlängerung des Moratoriums, welches die neuen Farmteams Ticino Rockets und die EVZ Academy drei Jahre per Dekret gegen den Abstieg schützte, dürfte mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht zustandekommen.

Nur 4 Siege in 27 Partien: Müssen die Ticino Rockets in dieser Saison um den Ligaerhalt kämpfen?

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Die Verhinderung dieser fliegenden Modus-Änderung ist letztlich aber nicht viel mehr als Symptombekämpfung. Die Wurzel des Übels ist damit längst nicht eliminiert: Die Heterogenität der Swiss League mit den verschiedenen Interessen. Auf der einen Seite Teams wie Kloten, Olten, Ajoie oder Visp, welche sich – zum Teil mit moderner Infrastruktur ausgestattet – eher nach oben orientieren und sportlich ambitioniert unterwegs sind. Auf der anderen Seite die Farmteams, welche schlicht und einfach in der Liga sind, um für ihre Stammklubs in der National League Spieler auszubilden.


Über den Wert dieser Ausbildungsarbeit für das Schweizer Eishockey im Allgemeinen gibt es eigentlich keine zwei Meinungen: die Plattform Swiss League ist für die Nachwuchsspieler ideal. Nicht nur können Teams wie der EV Zug, Ambri oder die ZSC Lions auf gut ausgebildete, eigene Kräfte zurückgreifen. Auch die anderen Mannschaften der höchsten beiden Ligen profitieren von der in den Farmteams geleisteten Arbeit. Allein der EHC Olten verpflichtete im Hinblick auf die laufende Saison vier Spieler von der EVZ Academy.


Das Gesamtprodukt Swiss League leidet


Aber sonst? Die Heimspiele in Zug (Academy), in Biasca (Rockets) oder Küsnacht (GCK Lions) sind angesichts der leeren Zuschauertribünen an Tristesse kaum zu überbieten. Mit den entsprechenden Auswirkungen bei den Auswärtspartien. Diese Mannschaften bringen oft nur eine Handvoll Fans mit in fremde Stadien.

Für die ambitionierten Klubs sind diese Spiele eher ein Verlustgeschäft. Attraktivität ist anders. Der Zuschauerschnitt ist bei vielen Teams teils massiv schlechter als noch im Vorjahr. Das Gesamtprodukt leidet – und letztlich auch die Finanzen der Klubs, welche den Gürtel enger schnallen müssen. Mit der Folge, dass auch die monetäre Kluft nach oben immer grösser wird. Der Sprung in die National League wird je länger, umso schwieriger – selbst wenn sich das sportliche Niveau der Swiss League verbessert hat.

Spiele gegen Farmteams sind für ambitionierte Vereine ein Verlustgeschäft.

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Die Lösung des Dilemmas ist nicht einfach. Es gibt zwei Ansätze. Einen guten, der nicht realisierbar ist. Und einen politisch korrekten, der aber die Gesamtsituation nur bedingt verbessert. Die beste Lösung wären zwei jeweils zehn Mannschaften umfassende National- und Swiss Leagues mit einer grossen Durchlässigkeit (direkter Auf- und Abstieg). Die Farmteams würden in der drittklassigen MySports-League mitspielen. Diese Variante scheitert daran, dass sich zwei bestehende A-Ligisten aus der höchsten Klasse verabschieden müssten. Das wird nie passieren.

Aufstockung und mehr Ausländer als Lösung?


Die weniger gute, aber politisch korrekte Variante wäre eine Aufstockung der Swiss League. In der MySports-League gibt es mit Basel, Arosa, Chur und Martigny vier Teams, die gerne in der zweithöchsten Klasse mitspielen würden. Gerade ein Traditionsteam wie Arosa könnte für die Liga eine Bereicherung sein.

Spielt der EHC Arosa bald in der Swiss League? Eine Bereicherung wäre das Traditionsteam auf jeden Fall.

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Natürlich bleibt die Frage, ob das Spielerreservoir in der Schweiz gross genug ist, um 12 National- und 14 Swiss-Ligisten zu bedienen. Hier liesse sich eine Lösung finden mit der Erhöhung des Ausländer-Kontingents, welche ausserdem zu einer Entspannung auf dem permanent überhitzten Spielermarkt führen würde. Veränderung tut Not – sonst bröckelt die Basis der zweithöchsten Liga gefährlich.

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