Serie A

Auch mit 35 Jahren ist er nimmersatt und schiesst Tore am laufenden Bande: Die Obsession des Cristiano Ronaldo

30 Meisterschaftstore erzielte Cristiano Ronaldo bisher.

30 Meisterschaftstore erzielte Cristiano Ronaldo bisher.

Der Doppelpack des 35-Jährigen sorgt für eine Vorentscheidung im Kampf um den Scudetto. Nun strebt Ronaldo nach weiteren Rekorden. Beim Toreschiessen gibt es aber noch Konkurrenz.

Paulo Dybala flankte, Cristiano Ronaldo sprang hoch und berührte den Ball mit dem Kopf. Der Ball klatschte an die Latte und Ronaldo faltete seine Hände in aufrichtiger Verzweiflung über den nicht mehr ganz so langen Haaren zusammen. Zu jenem Zeitpunkt führte Juventus bereits mit 2:0 gegen Lazio. Ronaldo hatte beide Tore erzielt, womit er im englischen, spanischen und italienischen Championat mindestens 50-mal getroffen hatte. Als erster Spieler überhaupt. Und doch: Verzweiflung.

Die Mannschaft, sagte der 35-Jährige nach dem 2:1-Sieg mit der in der Branche üblichen inhaltsleeren Diplomatie, sei wichtiger als Rekorde. Natürlich.

In dieser 66. Minute ging es nicht mehr um die Mannschaft, die den Scudetto aller Voraussicht nach zum neunten Mal in Folge gewinnen wird. Es ging eher darum, wer capocannoniere wird, wer die meisten Tore in Italien, diesem Land der grossen Taktiker, schiessen würde.

175 Schüsse abgefeuert, 30-mal getroffen

Letzte Saison traf Fabio Quagliarella am häufigsten. Die Fussballwelt diskutierte, ob Ronaldo den Kampf gegen die Vergänglichkeit des Körpers verloren habe. Hatte er nicht. Und hat er noch nicht. 30-mal traf Ronaldo in dieser Saison. 175 Schüsse brauchte er dafür. Das sind die meisten im Calcio. Auf Rang zwei folgt Edin Dzeko, der 115-mal abzog. Ciro Immobile, der ebenfalls 30 Tore erzielte, schoss sogar nur 111-mal.

Ronaldo schiesst gegen seine eigene Unzufriedenheit an. Und für weitere Rekorde. Viermal hat er den Goldenen Schuh, den Titel für Europas besten Torschützen, gewonnen. Robert Lewandowski führt die diesjährige Wertung an. Tore in Topligen zählen zweifach, sodass Lewandowski mit 34 Bundesligatoren auf 68 Punkte kommt. Treffer in der Super League dagegen werden nur eineinhalbfach gewertet. Jean-Pierre Nsame müsste demnach 46 Tore schiessen, um Lewandowski zu überholen. Ronaldo reichen fünf in den verbleibenden vier Spielen, um den Goldenen Schuh zu gewinnen. Sofern denn sein neuer Antipode Immobile nicht häufiger trifft.

Ronaldos eigentlicher Widersacher, Lionel Messi, traf in Spanien, nun ja, nur 25-mal. Doch er bereitete 22 Treffer vor. Messi ist oft das Zweitletzte, was ein Torhüter sieht, ehe er sich umdreht, um den Ball aus dem Netz zu holen. Ronaldo ist meist das Letzte, was er sieht.

Strauchelnde Juve

Die Juve hat seine Tore jedenfalls nötig. Die Vecchia Signora strauchelte zuletzt. Neun Gegentore musste die alte, nimmersatte Dame in den drei Spielen vor dem Sieg gegen Lazio hinnehmen. Juve schlug die Römer dann mit dem bewährten Pragmatismus. Mit dem pragmatismo, wenn man so will. Ob Maurizio Sarris Lehre vom schönen Offensivspiel, liebevoll und spöttisch zugleich sarrismo genannt, weiterhin in Turin unterrichtet wird, ist fraglich. Es dürfte auch davon abhängen, ob Juve sich in der Champions League gegen Lyon durchsetzen kann. Ronaldo, dieser alte, nimmersatte Fussballer, dürfte dabei helfen. Auch sich selbst.

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