Rudern
Immer füreinander da, aber «auf dem Wasser schenken wir uns nichts»

Gian Luca Egli und Alexander Bannwart sind für die U19-WM selektioniert. Zuvor streben die Stansstader nach Schweizer-Meister-Titeln.

Stephan Santschi
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Alexander Bannwart (links) und Gian Luca Egli beim Ruderclub Stansstad.

Alexander Bannwart (links) und Gian Luca Egli beim Ruderclub Stansstad.

Bild: Manuela Jans-Koch (Stansstad, 23. Juni 2022)

Es ist das Highlight der Saison, vielleicht sogar der grosse Moment ihrer Juniorenkarrieren. Ende Juli treten die Schweizer im Doppelvierer an der U19-WM in Varese an. «Dann möchten wir unsere Zeit bei den Junioren mit einem internationalen Erfolg abrunden», sagt Gian Luca Egli. Und Alexander Bannwart betont:

«Wir wollen in den A-Final und dann um einen Podestplatz kämpfen.»

Nach einigen Top-5-Plätzen an Welt- und Europameisterschaften wäre dies das i-Tüpfelchen für den Doppelvierer, der bei Swiss Rowing auf Stufe der U19-Junioren aktuell wohl als Prioritätsboot gilt.

Egli und Bannwart werden heuer beide 18-jährig, starten unter der Flagge des Seeclubs Stansstad und zählen zu den vielversprechenden Talenten im Schweizer Rudersport. Und so überrascht es nicht, wenn die beiden auch am kommenden Wochenende an den Schweizer Meisterschaften auf dem Rotsee in ihren jeweiligen Kategorien zu den Topfavoriten zählen.

Nachwuchs-Award überrascht ihn

Egli will im Skiff und im Doppelvierer seine U19-Titel verteidigen, Bannwart strebt nach 2020 und 2021 zum dritten Mal im Doppelvierer und erstmals im Doppelzweier nach Goldmedaillen. Gian Luca Egli stammt aus Beckenried, die ersten Ambitionen entwickelte er nicht auf See, sondern im Schnee, beim Ski alpin. Als er es nicht ins Regionalkader schaffte, fand er zum Rudern und feierte bald erste Erfolge. Mittlerweile ist Egli im Nachwuchs mehrfacher Schweizer Meister, im Skiff gewann er von der U15 über die U17 bis zur U19 sogar auf allen Altersstufen nationale Goldmedaillen.

«Grundsätzlich machen wir im Boot immer dieselben Bewegungen. Dabei faszinieren mich die Suche nach der Perfektion und das Ausreizen der eigenen Grenzen»,

erklärt der Nidwaldner.

Dass man von seiner Entwicklung früh besonders Notiz nahm, erfuhr Egli 2019, als ihm der Lagoa Inspiration Award verliehen wurde. Dabei handelt es sich um eine Auszeichnung, die nicht nur die sportlichen Resultate, sondern auch das Auftreten an Land bewertet. Anders formuliert: Die Auszeichnung geht an junge Vorbilder, die noch nichts davon wissen, dass sie Vorbilder sind. «Ich habe die Auszeichnung nicht gekannt», gesteht Egli. Respekt für den Kontrahenten sei ihm wichtig: «Auf dem Wasser schenken wir uns nichts, daneben soll es aber kein ständiges Gegeneinander sein.»

Begegnung mit einem Olympiasieger

Alexander Bannwart entdeckte das Rudern während der Primarschulzeit in seinem Wohnort Wilen (Sarnen), als die Schüler anlässlich eines J+S-Events reinschnuppern durften. «Es fühlt sich toll an, über das Wasser zu schweben», erzählt der 17-jährige Obwaldner, der sich in Wassersportarten schon immer wohlfühlte. Daraufhin meldete er sich für einen Ruderkurs an und sass prompt mit einem Olympiasieger im Boot. Lucas Tramèr, der 2016 in Rio im Leichtgewichtsvierer gewann, erzählte von seinen Erfahrungen, «beeindruckt hat mich vor allem seine Goldmedaille», merkt Bannwart schmunzelnd an.

Selbstredend steht auch für ihn und Gian Luca Egli der Grossevent mit den fünf Ringen langfristig über allem. Vorderhand richtet sich ihr Fokus aber auf die Schweizer Meisterschaften, um sich mit nationalen Titeln in WM-Stimmung zu bringen. Ende Juli streben die beiden dann im neuformierten Schweizer U19-Doppelvierer an der Seite von Nicolas Berger (RC Bern) und Leonardo Salerno (CC Lugano) nach internationalen Meriten, ehe nächste Saison der Wechsel in die U23-Kategorie ansteht.