Fussball
Barcelona ist geschockt: Abschied von Lionel Messi löst Erdbeben in der Fussballwelt aus

Die grosse Frage ist nun, wo der 34-Jährige künftig spielen wird. Als Favorit gilt Paris Saint-Germain mit Neymar.

Thomas Niklaus
Drucken
Teilen
Lionel Messi präsentiert den Goldenen Schuh für den besten Torschützen aller grossen europäischen Ligen 2016/17.

Lionel Messi präsentiert den Goldenen Schuh für den besten Torschützen aller grossen europäischen Ligen 2016/17.

Bild: Keystone

Lionel Messi strahlt in die Kamera – an seiner Seite Neymar, Angel Di Maria, Leandro Paredes und Marco Verratti. Ein Urlaubsfoto vom Mittwoch bekommt nach einem der «grössten Schockmomente in der Fussballhistorie», wie die englische Boulevardzeitung «The Sun» den Abschied von Messi vom FC Barcelona dramatisch nannte, plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Der Superstar gut gelaunt zusammen mit den Grössen von París Saint-Germain, vereint mit seinem Kumpel Neymar – da lag bei vielen Experten schnell die Schlussfolgerung nahe, dass der 34-Jährige nach dem Ende einer 21-jährigen Ära bei Barcelona künftig das Trikot von PSG tragen wird.

Schon länger gilt der aus Katar finanzierte Klub, der mit aller Macht auf Europas Fussballthron strebt, als Favorit auf einen spektakulären Wechsel des ablösefreien Argentiniers. «The Athletic» berichtete, dass der sechsmalige Weltfussballer am Donnerstagabend schon Kontakt zu PSG-Coach und Landsmann Mauricio Pochettino aufgenommen habe. Auch der ­Topklub aus der Ligue 1 hat ­angeblich schon mit Messi und dessen Vater und Manager Jorge gesprochen. Neymar, der einst schon an der Seite von Messi in Barcelona stürmte, macht sich ohnehin schon länger für einen Transfer des Zauberflohs stark.

Kürzlich holte Messi mit Argentinien die Copa América, seinen ersten Titel mit dem Nationalteam.

Kürzlich holte Messi mit Argentinien die Copa América, seinen ersten Titel mit dem Nationalteam.

Bild: Keystone

Ein Jahresgehalt von 140 Millionen Euro

Immer wieder wird aber auch das milliardenschwere Manchester City als aussichtsreicher Kandidat genannt. Zusammen mit City-Coach Pep Guardiola hatte Messi die wohl erfolgreichste Barca-Ära geprägt. Allerdings: Der englische Meister verpflichtete am Donnerstag Jungstar Jack Grealish für 118 Millionen Euro. Guardiola sagte am Freitag: «Wir waren von Grealish überzeugt und auch davon, dass Leo bei Barca bleibt. Gerade machen wir uns über ihn keine Gedanken.»

Gerüchte gab es in den letzten Monaten auch über einen Wechsel von Messi zu Inter Miami in die USA, dem Verein von Legende David Beckham. Allerdings ist ein Wechsel in die MLS wohl eher zum Ausklang der Karriere in zwei, drei Jahren geplant. Und sonst? Finanziell gibt es wenige Klubs, die sich den kleinen Argentinier leisten könnten. Der FC Chelsea vielleicht noch oder Manchester United, sicher aber nicht der deutsche Branchenkrösus Bayern München. Messi hatte zuletzt angeblich ein Jahresbruttogehalt von knapp 140 (!) Millionen Euro bezogen.

Sicher ist aktuell nur, dass der plötzliche Abschied von Ikone Messi nach 778 Pflichtspielen, 672 Toren, 305 Vorlagen und phänomenalen 35 Titeln für den FC Barcelona eine «Bombe» («El Mundo Deportivo») oder ein «Drama» («Sport») ist. «Das tut richtig weh», titelte das Blatt. Auch Messi selbst soll unter Schock stehen, schrieben einige Medien unter Berufung auf Vertraute des Argentiniers. Mit diesem überraschenden Ausgang habe er nicht gerechnet. Er soll sogar angekündigt haben, am Freitag zum Training zu erscheinen. Die Zusammenarbeit könne aufgrund «wirtschaftlicher und struktureller Hindernisse» nicht fortgesetzt werden, hatte das hoch verschuldete Barca am Donnerstagabend lapidar mitgeteilt und damit ein fussballerisches Erdbeben ausgelöst. Das Risiko sei «zu hoch» gewesen, betonte Klubpräsident Joan Laporta gestern und ergänzte: Messi habe «andere Angebote».

Dabei hatten zuletzt alle Anzeichen für eine Vertragsverlängerung des 34-Jährigen gesprochen. Barcelona hatte bestätigt, dass man grundsätzlich eine Einigung erzielt habe.

Messi als 16-Jähriger.

Messi als 16-Jähriger.

Bild: Getty

La Liga verliert immer mehr Stars

Messi soll seinem Herzensklub sogar entgegengekommen und zu einem Gehaltsverzicht von 50 Prozent bereit gewesen sein. Doch selbst das genügte am Ende nicht. «Eine der schönsten Geschichten im Weltfussball geht zu Ende. Der Tag, den wir uns nie vorgestellt haben, ist da», schrieb die argentinische Sportzeitung «Olé».

Ein Tag, der auch für die spanische Liga ein Albtraum sein dürfte. La Liga verliert in Bezug auf die (Auslands-)Vermarktung ihr Aushängeschild. Zuletzt hatte bereits Sergio Ramos, Kapitän von Real Madrid, der Primera División den Rücken gekehrt und war zu PSG gewechselt. Cristiano Ronaldo und Neymar sind in Spanien ohnehin schon längst Vergangenheit. Und jetzt geht auch noch Messi. Vielleicht ist es tatsächlich ein Drama.

Aktuelle Nachrichten