Zurück in Basel
Abreise aus Nati-Camp: Eklat um Albaniens FCB-Star Taulant Xhaka

Taulant Xhaka reiste nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen Italien vorzeitig aus dem Nationalmannschaftscamp ab. Was geschah?

Sébastian Lavoyer
Drucken
Taulant Xhaka türmte nach dem 0:2 gegen Italien und trainierte schon am Montag wieder in Basel.

Taulant Xhaka türmte nach dem 0:2 gegen Italien und trainierte schon am Montag wieder in Basel.

Keystone

«Gattuso Albaniens», so nannte ihn Albanien-Trainer Gianni De Biasi einst. Wegen seines Temperaments, des unbändigen Willens, der kompromisslos geführten Zweikämpfe. Taulant Xhaka wird von den Fans genau deshalb geliebt. Der Abräumer im defensiven Mittelfeld ist sich für keinen Spurt zu schade, grätscht einen Gegner auch einmal von den Beinen und würde – so macht es wenigstens den Anschein – für sein Team auch durchs Feuer gehen, wenn er ihm damit drei Punkte sichern kann.

17

Länderspiele machte Taulant Xhaka bis jetzt für die albanische Nationalmannschaft. Nachdem er gegen Italien 90 Minuten auf der Bank sass, kams zum Eklat. Xhaka reiste ab. Zukunft ungewiss.

Die Fans der albanischen Nationalmannschaft lieben ihn dafür genauso wie jene des FC Basel. Der Mann ist pure Emotion, gelebte Leidenschaft. Die Kehrseite: Oft haben die Gefühle ihn im Griff und nicht umgekehrt. Dann kassiert er Rot. Oder er reist aus dem Camp der Nationalmannschaft ab. So geschehen letzten Samstag, am Tag nach dem 0:2 gegen Italien.

Gianni de Biasi, Albanien-Trainer «Ich habe Taulant gesagt, dass es bei mir keine Heiligen, auch keine Maradonas oder Pelés in der Mannschaft gebe.»

Gianni de Biasi, Albanien-Trainer «Ich habe Taulant gesagt, dass es bei mir keine Heiligen, auch keine Maradonas oder Pelés in der Mannschaft gebe.»

Keystone

Taulant Xhaka schmort während dieses wegweisenden Spiels 90 Minuten auf der Bank. Es kocht und brodelt in ihm. Schlimmer als verlieren ist zuschauen zu müssen, wie seine Kollegen eins aufs Dach kriegen. Also fliegt er am Samstag zusammen mit dem verletzten Amir Abrashi zurück in die Schweiz. Der Skandal ist perfekt.

Xhaka schweigt, de Biasi spricht

Was geschah? Warum diese Kurzschlussreaktion? Die albanische Presse schreibt, dass es mit Trainer de Biasi zum Eklat gekommen sei. Xhaka habe von ihm eine Erklärung verlangt, warum er, Stammspieler beim FC Basel, nicht spielt, während andere Spieler auflaufen, die in einer zweiten Liga nicht regelmässig zum Zug kommen.

De Biasi habe ihm keine Antwort gegeben. «Ich habe mit niemandem ein Problem in diesem Team. Ich spiele mit Herz und Seele für Albanien. Aber solange dieser Mann Trainer ist, werde ich das nicht mehr machen», zitiert ihn die albanische Zeitung «Panorama Sport» sinngemäss.

Xhaka selbst bestreitet, dass er je mit einer albanischen Zeitung gesprochen habe. Und er lässt mitteilen, dass er sich zu den Geschehnissen nicht äussern möchte. Er will die Angelegenheit mit Verband und Trainer diskutieren und nicht via Medien.

Wieder in Basel: FCB-Terrier Taulant Xhaka.

Wieder in Basel: FCB-Terrier Taulant Xhaka.

Keystone

De Biasi sagt derweil, er habe Xhaka zuvor in jedem Spiel eingesetzt. Gegen Italien habe er nicht auf ihn gesetzt, weil er andere taktische Pläne hatte. «Ich habe ihm gesagt, dass es bei mir keine Heiligen, auch keine Maradonas oder Pelés in der Mannschaft gebe», sagte de Biasi gegenüber dem «Blick». Trotz des Eklats will de Biasi die Tür nicht zuschlagen. Er ist offen für ein Gespräch. Die Qualitäten Xhakas könnte Albanien auf jeden Fall brauchen. Nach fünf Spielen liegen die Doppeladler sieben Punkte hinter den Spaniern und Italienern zurück. Russland ist in weite Ferne gerückt.

Während sich seine Nationalmannschaftskollegen gestern auf das Freundschaftsspiel gegen Bosnien vorbereiteten, schwitzte Xhaka schon wieder im Training des FC Basel. Sportdirektor Georg Heitz wollte sich zum Eklat nicht äussern. Die FCB-Verantwortlichen wissen, was sie an ihrem «Gattuso» haben. Im Guten wie im Schlechten.

Aktuelle Nachrichten