Fechten
Benjamin Steffen: «Schön, wenn man Erfolge teilen kann»

Benjamin Steffen stand bereits siebenmal auf dem Weltcup-Podest. Ein Sieg fehlt dem Basler aber noch.

Pascal Del Negro
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Für Benjamin Steffen (rechts) ist es das grösste, mit der Mannschaft Erfolge zu feiern. Wie 2014 EM-Gold mit Peer Borsky, Max Heinzer und Fabian Kauter (v.l.).

Für Benjamin Steffen (rechts) ist es das grösste, mit der Mannschaft Erfolge zu feiern. Wie 2014 EM-Gold mit Peer Borsky, Max Heinzer und Fabian Kauter (v.l.).

Keystone

Benjamin Steffen, nach sechs Jahren standen Sie in Budapest endlich wieder auf einem Weltcup-Podest. Wie gross war die Genugtuung?

Benjamin Steffen: Die war sehr gross, sechs Jahre sind eine lange Zeit. In dieser habe ich mir viele Gedanken gemacht, mir Fragen gestellt, ob es überhaupt noch einmal klappt. Ich hatte so etwas wie eine Blockade. Auf der anderen Seite konnte ich währenddessen mit der Mannschaft viele Erfolge feiern, wobei ich auch oft gut gefochten habe. Daher wusste ich, dass ich es noch draufhabe. Dass es gerade jetzt klappte, war die eigentlich logische Folge der bisherigen Saison, in der ich mein Niveau konstant hochhalten konnte.

Es war bereits Ihr siebter Podestplatz, zu einem Sieg reichte es aber noch nie. Wie fest stört Sie das?

Momentan stört mich das nicht gross. Klar, als ich in Budapest im Halbfinal stand, wollte ich mehr. Und ich habe immer gesagt, dass ich, zumindest einmal, zuoberst auf dem Weltcup-Podest stehen möchte. Aber ich verschwende jetzt nicht zu viele Gedanken daran, wenn es einmal passt, dann passt es.

Was muss passen?

Im Fechten hängt viel von der Tagesform ab. Die war bei mir zuletzt bereits sehr gut, aber eben noch nicht gut genug. Aber ich bin zuversichtlich, dass es bald einmal klappt.

Mitte April stehen die Schweizer Meisterschaften in Zug an. Nach dem 5. Platz im Vorjahr ist heuer die Medaille das Ziel?

Das Ziel ist der Sieg! Ich glaube, als Fechter, der auf internationalem Niveau kämpft, muss das Ziel die Goldmedaille sein. Aber ich habe mit Fabian Kauter, Max Heinzer starke Konkurrenz. Hinzu kommen noch mehrere Nachwuchstalente, die ihr Können zeigen wollen.

Die SM sind aber nur das Zwischenziel. Im Sommer stehen die Heim-EM in Montreux und die WM in Moskau an. Was dürfen wir von Ihnen erwarten?

Der Fokus liegt ganz klar auf dem Mannschaftswettkampf. Ab Mai startet die Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele 2016 in Rio. An Grossanlässen gibt es dafür die meisten Punkte. An der EM konnten wir zuletzt dreimal in Folge Gold gewinnen, da muss die Titelverteidigung das Ziel sein. An der WM wollen wir mindestens unter die ersten drei.

Und im Einzelwettkampf?

Wenn es mit der Mannschaft gut läuft und wir unsere Ziele erreichen, nehme ich im Einzel auch eine weniger gute Platzierung in Kauf.

Heisst das, Sie kämpfen lieber in der Mannschaft als alleine?

Ich kämpfe sehr gerne im Team. Wir pushen uns gegenseitig, zittern miteinander mit. Und es ist immer schön, wenn man Erfolge teilen kann.

Damit ihr an Olympia fix dabei seid, müsstet ihr in einem Jahr in der Weltrangliste in den Top 4 stehen. Eine leichte Aufgabe, oder?

Seit 2009 holten wir im Team vier EM- und zwei WM-Medaillen – davon drei goldene. Logisch also, dass wir zu den Favoriten gehören. Und neben den besten vier der Welt kommt noch die je nächstbeste Nation jedes Kontinents dazu. Da wir momentan auf Rang drei der Weltrangliste stehen, scheint die Aufgabe also leicht. Aber aufgepasst, die anderen Nationen holen auf! Und in einem Jahr kann noch viel passieren.

Und wie sieht es mit einem Einzelstart aus?

Im vorherigen Szenario hätten wir drei Startplätze. Momentan hätte ich einen dieser dreien auf sicher. Doch darüber mache ich mir noch keine Gedanken.

An den Olympischen Spielen in Rio werden Sie 34 sein. Wie sieht die Zeit danach aus?

Nach Rio werde ich die Mannschaft verlassen und einem Jungen Platz machen. Ich habe vor allem in letzter Zeit gemerkt, dass das Fechten mit der Arbeit zusammen zur Belastung wird (Steffen arbeitet nebenbei als Gymnasiallehrer in Basel, d. Red.). Im Einzel könnte ich mir vorstellen, eine Saison anzuhängen und noch eine letzte WM und EM mitzunehmen. Das entscheide ich aber erst, wenn es so weit ist.