Cup-Halbfinal

Der FC Basel steht nach dem 3:1-Sieg gegen Winterthur im Final – auch dank einem geschenkten Penalty

Der FC Basel traf im Halbfinal auf den Challenge-Ligisten Winterthur. Diese hatten im Viertelfinal schon die Young Boys eliminieren können. Die Partie auf der Schützenwiese versprach Spannung. Und dieses Versprechen wurde nicht gebrochen. Der FCB gewann, auch dank einem geschenkten Penalty, mit 3:1.

Die Schützenwiese kocht vor Wut. «Verdammte Mafia», brüllt ein Zuschauer in Richtung des Schiedsrichter-Trios um Sascha Amhof. Ein anderer schmeisst sein Bier nach ihm. Die Winterthur-Fans fühlen sich betrogen. Wieder gegen Basel, wie vor fünf Jahren schon, als man ebenfalls im Cup-Halbfinal am FCB scheiterte. 1:2 damals, 1:3 gestern. Und beide Male stand, respektive steht der Schiedsrichter im Mittelpunkt. Damals Alain Bieri, heute Sascha Amhof. Beide Male geht es um einen Penalty, 2012 um einen der nicht gegeben wird, 2017 um einen, der die Führung des FC Basel mit sich bringt.

Der umstrittene Penalty-Entscheid im Video:

FC Basel penalty entscheid

Dario Zuffi war schon vor fünf Jahren Asisstenztrainer beim Underdog aus Winterthur. Zu stark fühlt er sich an das letzte Rencontre im Cup-Halbfinal erinnert, sagt: «Alle haben es gesehen, das war kein Penalty. Wer weiss, ob es Basel sonst gelungen wäre, ein Tor zu schiessen.»
Romantik ja, ein Wunder nein

Klar ist, bis zur 51. Minute und dem Aufeinandertreffen von Marc Janko und Winterthur-Captain Patrik Schuler, bis zum Penalty, den Matias Delgado zum 1:0 für den Favoriten verwertet, bis dahin hat der FCB Mühe. Grosse Mühe sogar. Denn ohne die glänzenden Reflexe von Torhüter Tomas Vaclik (13. und 48. Minute) lägen die Basler hinten. Winterthur ist auf Augenhöhe. Winterthur spielt mutig, aufmüpfig, frech. Winterthur scheint an die Sensation zu glauben.

Matias Delgado versenkt den Penalty gegen Winterthur souverän:

Matias Delgado versenkt den Penalty gegen Winterthur souverän

Und dann pfeift Sascha Amhof nach der Intervention von Schuler, zeigt auf den Punkt. Janko liegt am Boden, die Emotionen auf den Rängen kochen hoch. Amhof geht zum Gefoulten, fragt ihn zwei-, dreimal, ob es zu einer Berührung kam. Urs Fischer: «Ich verstehe, dass der Schiedsrichter in so einem wichtigen Match nachfragt, aber letztlich muss er entscheiden, dazu ist er da.» Leise Kritik schwingt mit.

Mehrere Minuten ist das Spiel unterbrochen, FCB-Captain Matias Delgado lässt sich nicht irritieren, versenkt eiskalt zum 1:0. Doch Winterthur steckt nicht auf, Basel ackert weiter. «Winterthur hat nicht aufgegeben, wir mussten bis zum Schluss kämpfen», konstatierte FCB-Trainer Urs Fischer. Und das obschon Manuel Akanji in der 85. Minute gegen seinen Jugendverein per Abstauber zum 2:0 erhöht.

Doch kaum zwei Minuten später spielt Vaclik einen Ball direkt in die Füsse von Luca Radice, der sofort reagiert und wieder verkürzt auf 1:2. Jetzt tobt die Menge, die ausverkaufte Schützenwiese steht Kopf. Die Industriestadt mit Minderwertigkeitskomplex riecht die Sensation gegen den gutbetuchten Serienmeister. Die Sirupkurve kreischt, die Bierkurve brüllt. Und auf der Terrasse im fünfstöckigen Mehrfamilienhaus neben dem Stadion liegt die Sensation genauso in der Luft wie auf dem Dach des fast hundert Meter hohen Sulzer-Gebäudes.

Winterthur glaubt wieder an sich, da wird nicht nur Romantik grossgeschrieben, sondern auch Sport. Dafür sind sie alle gekommen und es hätten noch viel mehr kommen wollen. «Wir hätten das Stadion drei oder vier Mal füllen, sicher 30 000 Tickets verkaufen können», sagte Dario Zuffi schon vor dem Spiel.

In Winterthur lieben sie ihren Verein, den Charme des Überholten, das Underdog-Gefühl, die Holzstände vor dem Stadion, den Gin Tonic für acht Franken, die analoge Matchuhr in den Klubfarben. Romantik allenthalben, aber ein Wunder dann doch nicht. Alexander Fransson killt die letzten Hoffnung mit dem Schlusspfiff. 3:1 für Basel. Alles wie immer. Es bleibt die Wut.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Julian Förnbacher:

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