Krawalle
Deutscher Fussballverband verbietet FCB-Testspiel – wegen Fans

Am 7. Juli hätte der FCB in Rostock gegen die Hansa spielen sollen. Wegen Sicherheitsbedenken findet das Spiel nicht statt.

Sébastian Lavoyer
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So fantastisch die Unterstützung für den FC Basel, so schlecht ist offenbar der Ruf der FCB-Fans. Der DFB untersagt ein Testspiel gegen Hansa Rostock, weil er offenbar Ausschreitungen fürchtete. Daniela Frutiger/freshfocus

So fantastisch die Unterstützung für den FC Basel, so schlecht ist offenbar der Ruf der FCB-Fans. Der DFB untersagt ein Testspiel gegen Hansa Rostock, weil er offenbar Ausschreitungen fürchtete. Daniela Frutiger/freshfocus

Daniela Frutiger/freshfocus

Es hätte so etwas wie der krönende Abschluss des ersten Teils der Vorbereitung werden sollen. Nach dem Trainingslager am Tegernsee in Südbayern wäre man für ein Testspiel nach Rostock in den Norden gereist. Zur Hansa, dem ehemaligen Bundesligisten, der unterdessen in der dritten Liga spielt. So hatte man es Anfang Jahr angedacht, als eine Delegation aus Rostock in Basel zu Besuch war. Doch soweit kommt es nicht. Der Deutsche Fussballbund (DFB) untersagt die Partie. Aufgrund von Sicherheitsbedenken.

Auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende» teilt der DFB mit, dass man in Absprache mit der Abteilung «Services und Sicherheit» festgelegt habe, «Spiele mit Mannschaften, bei denen es in der Vergangenheit zu Störungen (Pyrotechnik, Sachbeschädigungen etc.) gekommen ist», nicht zu genehmigen. Es gehe darum, Gefährdungslagen auszuschliessen und zusätzliche Belastungen für die Polizei zu vermeiden.

Beide Fanlager sind gewalttätig

Beide Fan-Lager waren in der jüngeren Geschichte in gewalttätige Auseinandersetzungen involviert. Der jüngste Zwischenfall grösseren Ausmasses ereignete sich im Norden Deutschlands in der ersten Runde des DFB-Pokals, als Hansa auf den Hauptstadtklub Hertha BSC traf. Das Spiel musste mehrfach unterbrochen werden, weil zuerst Hertha-Fans Leuchtpetarden in den Hansa-Fanblock warfen. Sitzschalen wurden angezündet, eine vor Jahren gestohlene Hertha-Fahne verbrannt. Kurzfristig schickte der Schiedsrichter die Spieler der beiden Kontrahenten gar in der Kabine. Letztlich verlor Rostock mit 0:2 und beide Klubs wurden mit saftigen Strafen belegt: Hertha musste 100 000 Euro berappen, Hansa 35 000 Euro.

Auch die Basler Anhänger waren vergangene Saison in mehrere gewalttätige Scharmützel involviert. Zuletzt am vergangenen Wochenende, als es in der Lehenmatt zur Eskalation kam. Was genau geschehen ist, wird derzeit abgeklärt. Als gesichert gilt, dass Schläger aus Zürich und Deutschland anreisten und FCB-Fans angriffen. Die Gegenreaktion fiel heftig aus: Die Zürcher wurden mit Tritten und Schlägen durchs Quartier geprügelt, ihre Autos teils massivst beschädigt. Waren es diese Bilder, die den DFB dazu veranlassten das Testspiel zu verbieten? «Nein», sagt FCB-Mediensprecher Simon Walter, «es gibt keinen Zusammenhang. Das Testspiel gegen Rostock wurde schon vor dem Spiel gegen den FC Luzern abgesagt.»

Auch West-Brom-Test gestrichen

Robert Marien, der Vorstandsvorsitzende von Hansa, schreibt auf Anfrage via Whatsapp: «Wir finden es unheimlich schade, dass es so weit kommen musste. Der FC Basel ist ein international erfolgreicher Verein und wir hätten ihn gerne begrüsst. Der Klub hätte ohne grosse Hürden ein Testspiel bei uns gemacht. Durch für uns schwammige Aussagen kommt es leider nicht dazu.» Er war es, der das Spiel in engem Kontakt mit FCB-COO Roland Heri geplant hatte.

So schade Marien die Absage durch den DFB findet, allzu sehr dürfte sie ihn nicht überrascht haben. So hatte Hansa zum 50-Jahr-Vereinsjubiläum 2016 ein Freundschaftsspiel gegen Rapid Wien geplant, das aus denselben Gründen gestrichen werden musste. Als Ersatz kam dann Union Berlin. Und auch ein Testspiel gegen West Bromwich stand diese Saison im Raum. Es wurde ebenfalls nicht bewilligt.

Nicht genug Personal

Hätte nicht der DFB die Reissleine gezogen, so hätte es wohl spätestens die Rostocker Polizei gemacht. Man wäre kaum in der Lage gewesen, ein solches Testspiel personell so abzudecken, dass keine Gefahr bestanden hätte, dass es zu Randalen in der Stadt gekommen wäre. Das kann sich Rostock während der Badesaison kaum leisten.

Sportlich geht dem FC Basel nichts verloren: Am 10. Juli trifft man am Uhrencup auf die Wolverhampton Wanderers, am 13. Juli auf Feyenoord Rotterdam. Zu denken muss ihm die Absage trotzdem geben. Das Image hat in den letzten Jahren offenbar gelitten.

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