Super League

Die Erkenntnis aus dem Spiel gegen Zürich: Der FCB spielt für sich, nicht für den Trainer

Ein Bild mit Symbolcharakter? Während Marcel Koller auf ihn einredet, ist Albian Ajeti mit den Gedanken woanders.

Der FC Basel überzeugt im Klassiker gegen den FC Zürich kurzfristig auf dem Platz – ein klares Bekenntnis zu Trainer Marcel Koller bleibt aber aus.

Albian Ajeti dreht zum Torjubel ab. Soeben hat er gegen den FC Zürich eine ansehnliche Direktkombination über vier Stationen zum 1:0 abgeschlossen. Die Erleichterung ist dem Stürmer deutlich anzusehen. Plötzlich wandert sein Zeigefinger vor seine Lippen. Will er damit sagen, dass ihn die Schlagzeilen um die Spielerrevolte und die anschliessende Aussprache genervt haben und mit diesem Tor jetzt endlich wieder Ruhe beim FC Basel einkehren soll? Nein. Als Ajeti seinen Lauf vor dem Gästesektor beendet und sein Blick in Richtung der FCZ-Fans geht, ist klar, dass sein Schweigegebot einzig und allein den mitgereisten Zuschauern aus Zürich gilt.

FCB-Trainer Marcel Koller freut sich abseits der Mannschaft über das Tor. Sein Team spielt gegen den FCZ zwar nicht gegen den Trainer, aber auch nicht für ihn. Ansonsten hätten die Spieler bei den beiden Toren wohl nicht an der Eckfahne, sondern gemeinsam mit dem Trainerteam an der Seitenlinie gejubelt. Auch nach Raoul Petrettas 2:0 gibt es von der Mannschaft kein Jubelbekenntnis. Stattdessen lassen sich die FCB-Spieler lieber vor den eigenen Fans feiern.

Die Probleme sind nicht weg

Nach dem Spiel können die Spieler im Bauch des Stadions nicht kaschieren, dass durch die internen Gespräche nach der Revolte längst nicht alle Probleme wegdiskutiert sind. Einzig Petretta versucht, dem Trainer den Rücken zu stärken: «Was geschrieben wird, stimmt nicht», sagt der Linksverteidiger. Doch der Frage, ob Koller noch das Vertrauen der Mannschaft hat, weicht er mit dieser Notlüge ebenso aus, wie all seine Kollegen, die in der Mixed Zone erscheinen. Keiner bekennt sich deutlich zum Trainer.

Auch Fabian Frei, normalerweise ein Mann der klaren Worte, druckst herum. Auf die Frage, ob die Mannschaft ihrem Trainer noch vertraut, antwortet der Captain: «Für uns ist wichtig, dass wir Fussball spielen. Was zählt, ist auf dem Platz. Für alles andere hat der Verein genug Angestellte, die diese Situation gut regeln werden.» Das klingt fast so, als hoffe er, dass bald etwas geregelt wird. Auch wenn Frei stolz darauf ist, dass die Mannschaft «nicht gegen den Trainer gespielt» hat, bleibt der Eindruck, dass die FCB-Spieler am Ende der Chaos-Woche vor allem für sich, vielleicht auch für den Verein, aber nicht für den Trainer gespielt haben.

«Wir haben gesehen, dass es wichtig ist, dass man miteinander redet. Das haben wir gut gemacht und dieses Gefühl gemeinsam mit Freude und Spass mit ins Spiel genommen», sagt Marcel Koller. Von ihm gab es bereits vor der Partie gegen den FCZ ein klares Statement: «Ich bin absolut überzeugt, dass die Mannschaft mir noch vertraut.» Solche Sätze bleiben nach dem Sieg gegen den FCZ sowohl von den Spielern als auch von der nach wie vor schweigenden Führungsetage aus. So bleibt das Vertrauensbekenntnis zwischen Trainer, Mannschaft und sportlicher Leitung vorerst einseitig.

Macht es Streller wie bei Yakin?

Im Herbst 2013 gab es beim FCB schon mal eine ähnliche Situation. Damals gingen die Spieler gegen den Trainer Murat Yakin vor. Präsident Bernhard Heusler sprach von «atmosphärischen Störungen», doch zu einer Entlassung Yakins kam es erst einmal nicht. Der streitbare Trainer durfte noch die Saison zu Ende coachen. Erst dann war Schluss. FCB-Captain war damals Marco Streller.

Verfolgt der heutige Sportchef mit Marcel Koller einen ähnlichen Plan, wie Heusler in der Saison 2013/14 mit Yakin oder gibt es schon nach Ende der Vorrunde einen neuen Trainer? Antworten auf diese Fragen will Streller erst in der kommenden Woche geben, wenn er sein Schweigegebot an der Hinrunden-Bilanz-Pressekonferenz brechen wird.

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