Fussball

Dimitri Oberlins brisantes Wiedersehen mit Ex-Trainer Urs Meier

Dimitri Oberlin unterzeichnet 2014 seinen ersten Profi-Vertrag – unter der schützenden Hand von Trainer Urs Meier

Dimitri Oberlin unterzeichnet 2014 seinen ersten Profi-Vertrag – unter der schützenden Hand von Trainer Urs Meier

Dimitri Oberlin verliess den FCZ, weil er nicht mit Urs Meier klar kam. Wie so oft, scheiden sich aber die Meinungen bezüglich Oberlins Einsätzen beim FC Zürich. Was Meier denkt und dazu sagt

Was will diese Mannschaft in der Challenge League? Das fragten sich viele, als der FC Rapperswil-Jona in der ersten Runde gegen Schaffhausen mit 0:6 unterging. Doch der Aufsteiger fing sich, hat sich in den folgenden elf Runden langsam aber kontinuierlich nach vorne gearbeitet und liegt heute auf Platz 4.

Zudem ist Rapperswil die letzte Mannschaft aus der Challenge League, die noch im Cup vertreten ist. Trainer Urs Meier sagt: «Testspiele haben eben leider nie die Intensität wie ein Meisterschaftsspiel. Wir brauchten Zeit, um uns an den Rhythmus zu gewöhnen. Aber die Mannschaft gibt Vollgas und ist deutlich stabiler geworden.»

Das zeigt sich insbesondere auch an der Heimbilanz. Seit der 0:1-Niederlage gegen Servette am 4.August hat Meiers Truppe zu Hause nicht mehr verloren. Die Serie droht zu reissen, heute trifft Rapperswil im Cup-Achtelfinal auf den FC Basel.

«Wir müssen realistisch bleiben. Basel hat in der Champions League gerade ZSKA Moskau und Benfica geschlagen. Keiner kann erwarten, dass wir besser sind als diese zwei Mannschaften. Alles andere als ein Weiterkommen von Basel wäre eine riesige Sensation.»

Mit Veränderungen zur Besserung

Noch vor einem Monat hätte es vielleicht anders getönt. Der FCB startete äusserst durchzogen in die Meisterschaft. Und in der zweiten Cuprunde kämpfte man sich zu einem mühsamen 1:0 in Chiasso.

Doch die Basler haben sich gefangen, ja mehr als das, sie haben sich wie der Phoenix aus der Asche erhoben. Haftete dem Serienmeister nach den schwachen Darbietungen gegen Lausanne und St. Gallen ein Verlierer-Image an, präsentiert er sich nun mit stolz geschwelter Brust. Eine wundersame Metamorphose.

Für Meier kommt sie nicht überraschend: «In Basel hat sich im Sommer vieles verändert. Eine neue Führung, ein neuer Staff, viele neue Spieler, eine andere Philosophie als unter Urs Fischer – das alles braucht Zeit, bis es greift. Zeit, die man heute kaum noch hat im Fussball. Aber letztlich setzt sich Qualität immer durch. Und die hat Basel zuhauf.»

Dimitri Oberlin - noch im FC Zürich-Dress - gegen seine aktuelle Mannschaft FC Basel

Dimitri Oberlin - noch im FC Zürich-Dress - gegen seine aktuelle Mannschaft FC Basel

Vor allem auch dank der sehr überzeugenden Auftritte in der Champions League strotzt der FCB wieder vor Selbstvertrauen. «Das Team wurde stark verjüngt. Und junge Spieler sind in einer solchen Negativspirale nun mal labiler als Routiniers. Aber Trainer Raphael Wicky ging in dieser Phase voran, zusammen mit den älteren Spielern und sie haben die Wende geschafft», weiss Meier.

«Urs Meier mag mich nicht»

Einen der überragenden Jungstars in Basler Diensten kennt Meier bestens: Dimitri Oberlin (20). In der Saison 2014/15, als Meier Trainer beim FC Zürich war, kam Oberlin in die erste Mannschaft. Das Oberlin ein riesiges Talent hat, war damals schon Allen klar. Ein Jahr später verliess der in Kamerun geborene Super-Sprinter den FCZ.

Nur zwei Minuten hatte er in der Super League gespielt. «Alle haben mir Chancen versprochen, doch ich habe sie nicht bekommen», sagte er kurz nach seinem Wechsel zu Red Bull Salzburg der NZZ. Und ein Jahr später präzisierte er im «Blick»: «Ich hatte das Gefühl, Urs Meier mag mich nicht.»

Mit diesen Aussagen konfrontiert, meint Meier: «Schauen Sie, Dimitri war sehr talentiert, das war uns allen klar. Aber er war auch ein Spieler, der noch etliche Defizite hatte, vor allem im physischen Bereich. Das wollte er vielleicht nicht so wahrhaben, aber ich bin froh, dass ich ihn nicht mehr in der ersten Mannschaft habe spielen lassen. Ich musste ihn aus gutem Grund schonen. Schliesslich hat er sich kurz nach seinem Super-League-Debüt am Knie verletzt und fiel mehrere Monate aus. Wenn wir ihn noch mehr forciert hätten, wäre es nur noch schlimmer gekommen.»

Gleiches Thema, andere Ansichten

Zudem findet Meier, dass der Wechsel zu Salzburg für Oberlin gut war. Er habe dort profitiert von einer der besten Nachwuchsabteilungen Europas. «Dort sind Mittel vorhanden, die in der Schweiz keine Mannschaft hat – nicht einmal Basel», sagt der Rapperswil-Trainer.

Die Entwicklung von Oberlin freue ihn. Dass dieser eine andere Sicht auf die Tage damals hat, stört ihn nicht weiter. Meier: «Manchmal muss man junge Spieler auch ein bisschen vor sich selbst schützen.»

Meistgesehen

Artboard 1