Boxen
Dort, wo schon Muhammad Ali war – Leon Guggenheim gewinnt seinen Kampf im legendären Gleason's Gym

Der Boxclub Basel kämpfte als erster Schweizer Klub in den USA. Mit dabei war der amtierende Junioren-Schweizer-Meister Leon Guggenheim (17). Für den leidenschaftlichen Boxer war es die Belohnung für seinen grossen Einsatz und seine harte Arbeit.

Delia Hottinger
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Das Boxen ist die grosse Leidenschaft von Leon Guggenheim.
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Seit er 12 Jahre alt ist, trainiert Guggenheim beim Boxclub Basel.
Der 17-Jährige holte sich an den diesjährigen Schweizer Meisterschaften der Junioren die Goldmedaille.
Nebst dem vielen Training absolviert Guggenheim das letzte Jahr des Gymnasiums.
Leon Guggenheim
Gemeinsam mit seinen vier Teamkollegen durfte Guggenheim nach Amerika fliegen.
Dort wurde im legendären Gleason's Gym traininert – an dem Ort also, an dem schon Legenden wie Muhammad Ali ihre Kämpfe austrugen.
Die Boxer des Boxclub Basel (v.l.n.r.): Johnny Graham, Leon Guggenheim, Mika Reichen, Gaby Timar, Loris Barberio und Trainer Angelo Gallina.
Die Schweizer starteten als Aussenseiter in ihre Kämpfe.
Umso grösser war die Freude, als Leon Guggenheim seinen Gegner besiegen und den Kampf für sich entscheiden konnte.

Das Boxen ist die grosse Leidenschaft von Leon Guggenheim.

Harte Schläge, blutende Nasen und ein Knockout nach dem Kampf – wer Boxen schon einmal im Fernsehen verfolgt hat, weiss, wie brutal dieser Sport sein kann. Im Kontrast dazu steht der 17-jährige Leon Guggenheim: Der amtierende Schweizer Meister der Junioren spricht davon, wie wichtig für ihn Toleranz, Respekt und Disziplin in diesem Sport seien – und dass es keineswegs nur darum gehe, den Gegner k. o. zu schlagen.

Mit seinem Vater als leidenschaftlichem Judokämpfer kam Guggenheim schon früh mit Kampfsport in Kontakt. Die eigene Karriere startete auch er mit Judo, spielte dann zwischenzeitlich Eishockey, bevor er durch Zufall seine Leidenschaft fürs Boxen entdeckte. Guggenheim war zwölf Jahre alt, als ein Kindheitsfreund im Boxclub Basel anfing: «Ich habe gedacht, das probiere ich auch mal aus. Ich bin ins Training mitgegangen – und es hat mich gepackt», erzählt Guggenheim. Der Basler fühlte sich sofort wohl: «Im Vergleich zum Eishockey war das Teamgefühl ganz anders. Man ist hier Teil einer Familie.»

Mehr als nur Schläge auf den Kopf

Mittlerweile ist Leon Guggenheim im Amateurboxen fester Bestandteil des Wettkampfteams. Nach wie vor ist er fasziniert von diesem Sport: «Beim Boxen schlägt man sich gegenseitig auf den Kopf – das klingt zunächst brutal. Es ist aber viel mehr als das.» Man müsse viel denken, sich überlegen, wie man den Gegner am besten angreifen könnte, ohne selber getroffen zu werden. Auch Schnelligkeit und Technik seien wichtig. «Es geht nicht darum, den Gegner auszuknocken, sondern darum, eine gute Leistung zu bringen und zu gewinnen.» Wer ins Training komme mit dem Ziel, den Gegner kaputtzumachen, der habe sich den falschen Sport ausgesucht. «Klar gibt es immer mal wieder kleinere Verletzungen», räumt Guggenheim ein. «Die gibt es aber auch, wenn man sich sonst irgendwo den Kopf anschlägt», grinst er.

«Das Boxen ist meine Leidenschaft»

Drei bis fünf Mal pro Woche trainiert Guggenheim unter Trainer Angelo Gallina im Boxclub Basel. Nebenbei absolviert er sein letztes Jahr am Gymnasium – kein Sportgymnasium, trotz grossem Trainingsaufwand. Doch bisher gelingt es Guggenheim, Schule und Sport unter einen Hut zu bringen. Trainer Gallina bestätigt: «Er investiert viel in seine Ausbildung und das Boxen.» Für Guggenheim aber stimmen Aufwand und Ertrag: «Das Boxen macht mir Spass, es ist meine Leidenschaft. Da stört es mich nicht, so viel zu trainieren. Man macht es ja nicht umsonst.»

Ausserdem seien ihm auch seine Familie, Trainer Gallina und der Boxclub eine grosse Unterstützung: «Dafür bin ich sehr dankbar.» Dass sich das viele Training und die Disziplin auszahlen, das sieht man an den Erfolgen des 17-Jährigen. In der vergangenen Saison blieb Guggenheim ungeschlagen, an den Schweizer Meisterschaften der Junioren holte er sich die Goldmedaille und durfte schliesslich zusammen mit vier anderen Teamkollegen zum ersten Mal die Schweiz an einem Turnier in den USA vertreten.

Der Boxclub schreibt Geschichte

«Diese Reise in die USA zu organisieren, das war kein leichtes Unterfangen», sagt Gallina. «Aber ich wollte meinen Boxern etwas zurückgeben, um sie für ihren grossartigen Einsatz und ihre Leistungen zu belohnen.» Denn obwohl Guggenheim noch recht jung sei, strahle er durch sein Auftreten und sein Engagement im Boxclub extrem viel Vorbildcharakter aus.

So durften Guggenheim und seine Teamkollegen die Reise nach New York antreten und im legendären Gleason’s Gym gegen die Gastgeber aus den USA kämpfen. An dem Ort also, wo schon Superstars wie Muhammad Ali oder Mike Tyson die Fäuste geschwungen haben.

Der Ring der Legenden

«Wenn man in dieses Gym reinkommt, hängen links und rechts Bilder von Weltmeistern. Es gibt fünf Ringe, in denen trainiert wird. Und neben dir ist ein Profiboxer am Seilspringen», erzählt Guggenheim. «Man denkt sich: Das sind die Ringe, in denen Legenden standen. Das war eine Welt für sich.»

In die Kämpfe starteten die Schweizer als Aussenseiter, als «die «Chäässchwiizer» ohne grosse Chancen». Umso grösser war die Freude, als Guggenheim seinen Kampf für sich entscheiden konnte. Der Sieg, die Atmosphäre im Gleason’s Gym und die Stadt selber, «das alles hat die Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht».

«Boxen wird immer ein Teil von mir sein»

Nach dem Kampf in den USA geht es für Guggenheim in der Schweiz weiter: Bereits heute Samstag trifft er in Zürich auf seinen nächsten Gegner. Für das nächste Jahr ist dann noch einmal die Junioren-SM geplant. Wie es danach weitergehe, das sei schwierig zu planen. «Zunächst steht die Matura an. Danach kommt das Militär und später möchte ich Medizin studieren», sagt Guggenheim.

Was das Boxen angehe, da wisse er noch nicht, wie sich das verändern werde. «Boxen wird aber immer ein Teil von mir sein», ist Guggenheim überzeugt. «Ich werde mich im Ring und im Boxclub Basel stets zu Hause fühlen.»

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