Schweizer Cup
Dreierpack und Dummheit: Wie Kevin Bua den FC Basel vor einer Blamage bewahrte und wer in Runde 2 zugelost wurde

Ohne den verunfallten Trainer Marcel Koller gewinnt der FC Basel mit einigen Mühen das Cupspiel gegen die Amateure aus Pully mit 4:1. Die Auslosung beschert dem FCB erneut eine Reise in die Romandie.

Jakob Weber
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FC Pully - FC Basel (17.08.2019)
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Valentin Stocker und die kleine Muttenzerkurve: Mit den mitgereisten Fans feiert der Kapitän den 4:1 Sieg gegen den Underdog FC Pully.
Kurz vor Schluss kann der FC Basel per Penalty den Sack zumachen: Samuele Campo erzielt den vierten Treffer, Kevin Bua (r.) feiert mit Valentin Stocker.
Taulant Xhaka (l.) und Luca Pucci bleiben standhaft.
In der 80. Minute will der FC Basel es so richtig wissen: Kevin Bua (M.) erzielt den Treffer zum 3:1 und feiert diesen mit Valentin Stocker (l.) und Noah Okafor (r.). Pully-Spieler liegt traurig am Boden.
Trotz aussichtsloser Lage wird das Heimteam frenetisch gefeiert und unterstützt.
Aleksandar Petrovic (l.) kämpft mit Afimico Pululu um den Ball.
Pully Mittelfelspieler Baptiste Jaccard (r.) will den Ball vor Valentin Stocker erobern.
Schnell nimmt die Partie in der zweiten Halbzeit Fahrt auf: Kevin Bua (l.) lässt Aleksandar Petrovic liegen und erzielt das 2:1 für den FC Basel.
Afimico Pululu gewinnt das Höhenduell gegen den gegnerischen Verteidiger Aleksandar Petrovic (l.).
Zur Pause steht es nach dem Ausgleich durch das Gastteam 1:1.
Für einmal der Boss: Weil Marcel Koller mit einer Verletzung ausfällt, beäugt nun Assistenztrainer Thomas Janeschitz die Mannschaft kritisch.
Kurz vor der Pause kassiert Raoul Petretta (M., Hands) die rote Karte. Bedient schleicht er vom Platz.
Yannick Favre (r.) versenkt den Pully zugesprochenen Penalty zum 1:1 im Netz, Djordje Nikolic (l.) ist chancenlos.
Grenzenlose Freude bei Torschütze Yannick Favre (r.) und Teamkollege Matteo D'alessandro.
Afimico Pululu wird von Luca Pucci (l.) und Flavio Saldin (r.) von beiden Seiten aus bedrängt.
Nach 17. Minuten fällt der erste Treffer für den Favoriten: Kevin Bua erzielt früh schon das 1:0 für den FCB.
Im gut gefüllten Centre sportif de Rochettaz geniessen die Zuschauerinnen und Zuschauer die Cup-Romantik.
Youngster Yannick Marchand behält völlig unbedrängt den Überblick.
Trifft mit dem FC Basel auf den Underdog Pully: Kapitän Valentin Stocker.

FC Pully - FC Basel (17.08.2019)

Keystone

Die FCB-Spieler gehen mit gesenktem Kopf in die Halbzeitpause. Die Amateure aus Pully feiern noch in einer Jubeltraube mit Zuschauern an der Eckfahne. Soeben hat Yannick Favre, der Captain des 2. Ligisten, per Penalty das 1:1 geschossen und an der Corner Fahne einen CR7-Jubel-Sprung performt. Junioren rennen aufs Feld, und so manch einer der 2000 Zuschauer glaubt an die Sensation. Denn der FCB ist nur noch zu zehnt. Schiedsrichter Lukas Fähndrich hatte Raul Petretta vom Platz gestellt, weil der in bester Omlin-Manier einen Ball aus dem Winkel gekratzt hat. Als letzter Mann auf der Linie eine ziemliche Dummheit. Den fälligen Penalty verwandelt Favre und Fähndrich pfeift erst gar nicht mehr an, sodass der Jubel im Centre sportif de Rochettaz in Sichtweite zum Genfersee nicht künstlich unterbrochen werden muss.

Die dann folgende Halbzeitpause bietet alles, was die erste Cuprunde so aussergewöhnlich macht. Die Muttenzerkurve spielt auf dem einen Tor zu dreissigst alle gegen alle. Pully-Junioren eifern ihren Vorbildern auf der gegenüberliegenden Seite nach und üben Freistösse. Und auf einem Baum im Waldstück sitzt ein Fan. Er wollte das nötige Kleingeld für einen Eintritt wohl nicht berappeln und schaut dem munteren Treiben gebannt zu.

Dreimal so viele Tore in Unterzahl wie in Überzahl

Von seinem Baum aus sieht er, dass der FC Basel ohne seinen verunfallten Cheftrainer Marcel Koller angereist ist. Der 58-Jährige stürzte am Freitagabend beim Mountainbiken und musste ins Spital. Der Mann im Baum sieht auch, wie Kevin Bua in der Startphase erst ein Offside-Tor und dann in der 17. Minute die 1:0-Führung schiesst. Er sieht aber auch, wie der FCB Probleme mit den wacker kämpfen Amateuren hat, wie die Einstellung des Titelverteidigers nicht optimal ist, wie der FCB nonchalant in die Zweikämpfe geht und behäbig nach vorne spielt. «Wir hatten in der ersten Halbzeit nicht die richtige Mentalität», wird Bua später zugeben.

Der Genfer in Diensten des FCB beendet die Sensationsträume von Pully unmittelbar nach dem Wiederanpfiff jäh. Mit dem ersten Angriff stellt der FCB auf 2:1. Doch es dauert bis zur 81. Minute und Buas drittem Treffer, ehe die Entscheidung fällt. Samuele Campo sorgt mit seinem verwandelten Penalty in der 87. Minute dann für den Endstand.

«Wir sind enttäuscht über die vier Gegentore. So viele haben wir nicht verdient. Aber auf diesem Niveau bezahlst du Fehler cash», sagt Pullys Antony Schwyn. Der Mann mit den blondierten Haaren und dem rasierten Stern in der Frisur ist auch spielerisch der auffälligste Pully-Akteur und vernascht so machen Profi. Sein Lohn ist zwar kein Tor, aber immerhin das Trikot von FCB-Captain Valentin Stocker. Die Frisur will Schwyn noch eine Weile tragen. Darf er auch, schliesslich war zumindest an diesem Samstagnachmittag kein grosser Unterschied zwischen dem Fitness-Trainer und den FCB-Stars, die noch am Dienstag in der Champions League Quali aktiv waren, zu sehen.

«Es war sehr schwierig», bilanziert auch Matchwinner Bua, dem die Freude über seinen Dreierpack unweit der Heimat nach Spielende anzusehen war. Ein Foto mit einem Fan hier, ein Autogramm da. Schlussendlich ist Bua der Letzte, der den Platz verlässt. Der Mann im Baum ist zu diesem Zeitpunkt längst wieder am Boden.

Die Auslosung beschert Basel eine Reise nach Genf

Ausscheiden in Linz, die schlimme Nachricht von Ricky van Wolfswinkel, der wegen eines Aneurysmas im Gehirn operiert werden muss und der Velounfall von Koller. Der FCB kann nur hoffen, dass diese Woche ruhiger verläuft. Am Samstag gehts in der Liga zu Xamax. In der zweiten Cuprunde am 14. oder 15. September wartet Meyrin aus der 1. Liga.

Die Noten zum Spiel:

Djordje Nikolic: Note 4 Im Cup darf der Ersatztorwart ran. Beim Elfer bleibt er lange stehen und kommt dann etwas zu spät. Zweimal pariert er gut.
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Yannick Marchand: Note 3,5 Der 19-Jährige darf zum ersten Mal von Beginn an für den FCB ran. Traut sich leider etwas gar wenig zu und wird beim Angriff, der zum Elfer für Pully führt, vernascht.
Konstantinos Dimitriou: Note 4 Ersetzt Cömert und kann sich von dessen Spieleröffnung noch einiges abschauen. Er probiert viele lange Bälle, selten finden die aber den Mitspieler.
Omar Alderete: Note 3,5 Behäbig im Spielaufbau, unkonzentriert in den wenigen Defensivzweikämpfen. Die Amateure entwischen ihm nicht nur einmal.
Raoul Petretta: Note 2,5 Spielt auf der Linie Torwart, kratzt den Ball aus dem Winkel und sieht zurecht Rot. Diese Dummheit wird zum Glück nicht bestraft.
Zdravko Kuzmanovic: Note 4 Kriegt nach seiner Lendenwirbelverletzung eine Stunde Einsatz. Hat viele Ballkontakte aber keine grossen Aktionen.
Taulant Xhaka: Note 4 Auch ihm fällt es schwer, das Spiel in der Offensive zu lenken. Kriegt wegen Motzen Gelb und wird das bei einer allfälligen Sperre bereuen.
Valentin Stocker: Note 4 Macht aus vielen Halbchancen nichts, weil ihm immer in letzter Sekunde der Ball verspringt.
Samuele Campo: Note 4 Genial, wie er das 1:0 vorbereitet. Solide, wie er den Penalty zum 4:1 verwandelt. Aber auch Wahnsinn, wie er nonchalant Bälle in der Vorwärtsbewegung verliert, weil er den Amateuren gerne einen Tunello schieben würde.
Kevin Bua: Note 5,5 Fünf Schüsse, drei Tore. Bester Mann, weil auch zudem auch noch in der Nachspielzeit mit nach hinten sprintet.
Afimico Pululu: Note 3,5 Ein schöner Assist zum 2:1. Ansonsten nutzt er seine Bewährungschance nicht. Viermal steht er im Offside.
Fabian Frei: Note 4 Kommt in der 57. Minute für Kuzmanovic und belebt die Offensive zumindest etwas.
Blas Riveros: Note 4 Ersetzt Marchand und tauscht mit Xhaka die Positionen. Macht mehr Dampf über links. Allerdings kommt auch Pully über seine Seite immer wieder zu Abschlüssen.
Noah Okafor: Note 3,5 Kommt in der 71. für Pululu ins Sturmzentrum. Kann sich aber auch nicht als allfälliger Stossstürmer empfehlen.

Djordje Nikolic: Note 4 Im Cup darf der Ersatztorwart ran. Beim Elfer bleibt er lange stehen und kommt dann etwas zu spät. Zweimal pariert er gut.

FC Basel