125 Jahre FCB
Einmal vier Kilogramm FCB, bitte!

Kein anderer Verein hat den Schweizer Fussball in den letzten Jahren so bewegt wie der FC Basel. Am 15. November feiert der Klub sein 125-Jahr-Jubiläum.

Sébastian Lavoyer
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Die allererste noch existierende Aufnahme des FCB, und zwar vom ersten Training überhaupt auf dem Landhof-Areal.

Die allererste noch existierende Aufnahme des FCB, und zwar vom ersten Training überhaupt auf dem Landhof-Areal.

Zur Verfügung gestellt

Anlass genug für FCB-Historiker Josef Zindel, in die Tasten zu hauen und das umfassendste Werk der Klubgeschichte zu verfassen: 640 Seiten, rund 200 Fotos, gut vier Kilogramm schwer. Hier kriegen Sie eine federleichte Kostprobe. Ein Vorabdruck. Die Antwort kommt ohne Zögern: «Die Auswahl der porträtierten Menschen.» Das sei die grösste Herausforderung gewesen für ihn, sagt Josef Zindel. Und erklärt: «Es ist eine subjektive Auswahl, ich habe auch mal einen Fan genommen, statt einen Spieler, der 30 Tore schoss. Der eine oder andere wird enttäuscht sein», aber eine Alternative gab es nicht.

Vor rund drei Jahren gedieh bei Zindel die Idee, zum 125-Jahr-Jubiläum des FCB ein neues Buch herauszugeben. «Es sind fast 20 Jahre vergangen seit meinem letzten Buch über den FCB, es brauchte wieder eins», sagt Zindel. Und weil der FCB 125-jährig wird, sollte es mehr sein als eine reine Chronologie. Also machte sich Zindel daran, ein Konzept auszuarbeiten.

Geschichten, Zahlen, Dramen

Das Resultat ist ein rund vier Kilogramm schwerer Schuber, zwei Bände, 640 Seiten, rund 200 Fotos. Band 1 ist eingeteilt in vier Kapitel: 125 Meilensteine der Klubgeschichte, 125 bedeutende Menschen, 125 ausgewählte Spiele und 125 Anekdoten aus 125 Jahren FC Basel. Aus jedem der besagten Kapitel lesen Sie in der Folge eine Kostprobe – und als kleine Zugabe gibt es eine zusätzliche Anekdote.

Dazu gibts im zweiten Band auf 250 Seiten Zahlen, Fakten und Statistiken. «Ich habe diesen zweiten Band zuerst verfasst, damit ich die Fakten-Basis hatte. Allerdings musste ich ihn auf einen Drittel zusammenkürzen», sagt Zindel, der Mann der Buchstaben mit der Vorliebe für Zahlen.

Seit Mitte der 70er-Jahre beschäftigt sich Josef Zindel mit dem FCB. Erst als beobachtender Journalist, dann als Medienchef des FCB und aktuell als FCB-Redaktor und FCB-Historiker. Er hat damit rund einen Drittel der Klubgeschichte aus der Nähe und aus dem Inneren des FC Basel heraus erlebt.

Kapitel 1 – 125 Meilensteine

1897, Landhof

Der FCB bezieht ein echtes Fussballfeld im Innenraum der Radrennbahn auf dem Landhof, womit dieses Areal im Kleinbasel erstmals zur Heimat des FCB wird – und es mit Unterbrüchen noch über Jahrzehnte bleiben sollte. So etwas trägt zur Legendenbildung bei, was zur Freude vieler FCB-Fans mit beigetragen haben dürfte, dass der basel-städtische Souverän im Jahr 2010 eine Initiative mit 60 Prozent Ja-Stimmen guthiess und sich damit gegen eine Überbauung und für mehr Grün an dieser traditionsreichen Basler Fussballstätte entschied.

Gewiss, Nostalgie war bei weitem nicht der einzige Grund für jenes überraschende Abstimmungsergebnis, zumal sich die lokale Wirtschaft nicht eben heftig für die Überbauungspläne der Basler Regierung engagierte. Aber die emotionale rotblaue Komponente wird wahrscheinlich auch zu den knapp 30 000 Zustimmungen für den Beibehalt einer grünen Oase beigetragen haben.

113 Jahre zuvor, im Jahr 1897, schlägt also der FCB zum zweiten Mal seine Zelte auf dem Landhof auf und hat dabei an Mietkosten 30 Prozent aller Spieleinnahmen dem «Verein Basler Rennbahn» zu entrichten, der hier Hausherr ist und in der Nutzung des Areals Priorität geniesst. Immerhin: Nachdem die jungen FCB-Pioniere den Landhof nach der Clubgründung nur für wenige Monate beansprucht hatten und nachher vorübergehend ins Gebiet der Schützenmatte auswichen, kehren sie jetzt, im September 1897, auf den «Ländi» zurück.

Das war zum Zeitpunkt, als der FCB bereits die bemerkenswerte Zahl von 100 Mitgliedern, davon 37 aktive und 63 passive, erreicht. An der allerersten Schweizer Meisterschaft aber fehlt der FCB aus nicht mehr genau ermittelbaren Gründen noch. Dass dem FCB die Qualifikation abgesprochen wurde, ist nicht anzunehmen, denn er hatte ja zwei Jahre zuvor in Olten zu den Gründervereinen des nationalen Fussballverbandes gehört. Deshalb ist zu vermuten, dass die FCB-Aktiven noch aus freien Stücken verzichteten.

Vielleicht fehlte das Geld für die Bahnfahrten zu den Auswärtsspielen, denn nur zwei der zehn Vereine, die 1897 an der ersten Schweizer Meisterschaft teilnahmen, kamen aus Zürich (GC und FCZ), die restlichen acht aber durchweg aus der Romandie. Möglich ist freilich auch, dass man sich sportlich noch nicht wirklich bereit für «ernsthafte» Spiele gefühlt hat, auch wenn damals die Schweizer Meisterschaft noch sehr improvisiert daherkam.

Sei’s drum: Erste Schweizer Meister werden 1897 die Grasshoppers. Sie gewinnen den vom französischen Champagner-Hersteller «Ruinart» gestifteten Pokal. Bald darauf stellt der Schweizer Verband erstmals eine eigene Trophäe zur Verfügung, denn man will keine Werbung für ein ausländisches Produkt machen.

Kapitel 2 – 125 bemerkenswerte Menschen

Bruno Michaud, Defensive, 1935 bis 1997, Schweizer

Als Helmut Benthaus 1965 in Basel Trainer wurde, war Bruno Michaud längst eine grosse Figur in Stadt und Verein. Seit 1955 schon spielte er für den FCB, mit Ausnahme eines Zwischenspiels von 1957 bis 1959 bei Lausanne. Er war Abwehrchef und Captain, er galt als die Respektsperson im Team. Der junge Karli Odermatt sprach ihn mit «Herr Michaud» an.
Zur Stadtbekanntheit trug aber auch bei, dass er manchmal selbst spätabends in der Stadt gesehen wurde. Als Bonvivant galt der Mann, der auf dem Fussballfeld keine Gnade kannte. Allerdings war der FCB keine besondere Grösse, bis Benthaus kam.

Immerhin, einen Titel hatte Michaud schon vorher auf seine Visitenkarte geschrieben, den Cupsieg 1963, als der kleine Otto Ludwig zusammen mit Heinz Blumer beim 2:0 gegen GC Mann des Tages war.

Als dann der FCB im Frühjahr 1967 mit seinem schon fast 32-jährigen Libero auf dem Weg zum Double war, erhielt Michaud zehn Tage nach dem «Sitzstreik-Cupfinal» gegen Lausanne gar ein erstes Aufgebot für die Nati. Mit ihm als Innenverteidiger neben Ely Tacchella gewann die Schweiz im Hardturm in der EM-Ausscheidung gegen Rumänien 7:1 – eines der legendäreren Länderspiele. Im Oktober 1969 bestritt Michaud sein 15. und letztes Länderspiel, am Tag nach seinem 34. Geburtstag.

Bruno Michaud (r.) in einem seiner letzten Spiele für den FCB im Cupfinal gegen den FCZ. Der FCB verliert im Wankdorf 1:4 nach Verlängerung.   

Bruno Michaud (r.) in einem seiner letzten Spiele für den FCB im Cupfinal gegen den FCZ. Der FCB verliert im Wankdorf 1:4 nach Verlängerung.   

Keystone

Aus dem Gruppensieg in der EM-Ausscheidung war nichts geworden. Auch nicht aus der nächsten WM-Qualifikation, als die entscheidende Niederlage der Schweiz ein Heim-0:1 gegen ... Rumänien war. Durch ein Eigentor Michauds.
Im Sommer 1970 beendete er auch seine FCB-Karriere. Sein letztes grosses Spiel war der Cupfinal 1970, der gegen den FCZ nach Verlängerung 1:4 verloren ging. Der FCB-Ärger: Fritz Künzlis 2:1 war ein Abseitstor.

Nur zweieinhalb Jahre später war Michaud Nationalcoach. Es ging in die Ausscheidung zur WM 1974 in Deutschland. Nach einem 1:0 in Luxemburg durch ein Tor Odermatts, fünf Unentschieden und einem 1:5 nach vier Toren Gerd Müllers in «Freundschaft» gegen Deutschland in Düsseldorf war diese Amtszeit schon nach anderthalb Jahren abgelaufen. Michaud war fortan Nationalliga-Funktionär, beruflich in der Versicherungsbranche. Nach zwei Amtsperioden vorbei war auch die Karriere Michauds als SP-Grossrat, die er 1968 noch als Spieler begonnen hatte.

Gewählt wurde er gewiss wegen seiner Popularität als FCB-Captain. Abgewählt wurde er, weil er kurz vor den (zweiten) Wahlen in eine Wirtshaus-Schlägerei verwickelt war, und dies bestritt. Erst 62 Jahre alt war Bruno Michaud, als er in Thailand auf dem Tennisplatz einem Herzversagen erlag.

Seine Karriere

beim FCB: 06/1955 bis 12/1956 und 05/1959 bis 05/1970 dazwischen Lausanne-Sports

Spiele/Tore: 355 Spiele/22 Tore

Meister: 1967, 1969, 1970

Cupsieger: 1967

Kapitel 3 – 125 ausgewählte Spiele

Entscheidendes Spiel zum 7. Meistertitel. 16. Juni 1977. Wankdorf Bern

50'000 Zuschauer bildeten am 28. Juni 1977 den grossartigen Rahmen für das zweite Entscheidungsspiel, das der FCB nach 1971 (3:4 gegen GC) zu bestreiten hatte. Und die Mehrheit im Berner Stadion drückte den Baslern die Daumen, denn die Genfer hatten sich die Sympathien weitgehend verscherzt, weil sie unverändert an einem sturen Protest festhielten und auch im Entscheidungsspiel nur unter diesem Vorbehalt antraten ...

Favoriten waren dennoch die Servettiens, die auf diese Meisterschaft hin sehr viel Geld investiert hatten. Nebst den üblichen Prämien hatte Präsident Roger Cohannier seinen Spielern mit den im Schweizer Fussball klangvollen Namen (Engel, Guyot, Bizzini, Schnyder, Barberis, Andrey, Chivers oder Kudi Müller) im Falle eines Erfolgs Ferien in Brasilien in Aussicht gestellt. Doch Sieger und damit Meister wurde der FC Basel ... obschon der Protest von Servette noch immer hängig und über das Finalspiel hinaus weitergezogen worden war ...

Gewinner des Entscheidungsspiels wird der FCB vor allem dank einer «unglaublichen ruhigen und selbstbewussten» Leistung, wie die eben aus der Fusion von «National-Zeitung» und «Basler Nachrichten» entstandene «Basler Zeitung» schrieb. Servette ging nach einer halben Stunde 1:0 in Führung. Torschütze war jener Kudi Müller, den die Genfer vor der Saison als eine der namhaften Verstärkungen aus der Bundesliga von Hertha Berlin an den Léman gelockt haben und der in dieser Szene seinem Namensvetter Jean Müller im Basler Tor keine Chance liess.

Doch der FCB liess nicht locker, kehrte das Spiel durch Tore von Mundschin und von Wartburg noch und begab sich Stunden später zu einer Meisterfeier beim «Channe-Wirt» Kurt Walter, wie sie heute auf diese Art nicht mehr vorstellbar wäre. Der damalige Clubredaktor Eugen H. Giesser beschrieb sie im Cluborgan 10/11 1976/1977 unter dem Titel «Vom Wankdorf in die Walliser Kanne» auszugsweise so: ehg. – Kurz nach Mitternacht nach dem Meisterschaftsfinale sah es in der Gerbergasse noch keineswegs danach aus, dass Basel wieder Schweizer Meister geworden war. Nur ein paar wenige Schaulustige säumten artig die Trottoirs, in der bestimmten Erwartung allerdings, dass der neue Schweizer Meister bald eintreffen würde. Die Mannschaft war jedoch vor dem grossen Harst der Wankdorf-Rückkehrer in der Walliser Kanne. Mit ihren Frauen bzw. Freundinnen nahmen die Spieler zu später Stunde das Nachtessen ein. Allenthalben waren glückliche Gesichter zu sehen. Eine ausgelassene Stimmung herrschte jedoch noch nicht vor. Hauptgesprächsthema: Die noch am gleichen Tag beginnenden Ferien.

Als Urs Hobi quasi zum Dessert die neuste Ausgabe der «Basler Zeitung» verteilte, ging ein Raunen durch die Runde. Die Überschrift «Der FCB im grossen Stil» wurde von den Spielern müde belächelt. Den Pressegratulationen konnten sie keine Ehrlichkeit abgewinnen.
Mit dem eben gewonnenen Meisterbecher in der Hand gratulierte Präsident Dr. Theler dem Trainer und den Akteuren zum Schweizer Meister, der gegen die öffentliche Meinung und gegen die Unkenrufe der grossen Basler Presse errungen worden sei. Für einen späteren Termin stellte er den Spielern und ihren Frauen noch mindestens zwei private Meisterfeiern in Aussicht. Und als einige Fans an der Eingangstüre euphorisch in ihre Trompetchen bliesen, meinte Dr. Theler: «So laut die da draussen trompeten können, so laut kann ich hier drinnen auch sprechen.»

Helmut Benthaus, der mit dem FCB nunmehr seinen sechsten Titel geholt hat, richtete seinen Dank vorweg an die Clubleitung, die der Mannschaft eine gute und seriöse Vorbereitung auf die diversen schweren Spiele der abgelaufenen Saison ermöglicht hat. In den Dank schloss er auch die Ärzte sowie die Masseure ein, denen es gelungen ist, die Verletzungen einigermassen im Rahmen zu halten. Gespannt waren die Spieler, ob ihnen ein längerer Urlaub gewährt würde. Dies war auch der Fall. Die Spieler dürfen ...einen Tag länger in den Ferien bleiben. Der Trainer erhielt für diese galgenhumoristische Ferienverlängerung einen sehr verhaltenen Applaus.

Turi von Wartburg verbrachte den Abend in der Walliser Kanne nicht mit stolz geschwellter Brust eines Torschützen. Ihm war das unmittelbare Nebeneinander zwischen Hosianne und Kreuzigung drastisch vor Augen geführt worden. Hätte sein Lapsus kurz nach der Pause zum 2:1 für Servette geführt, wäre er ausgewechselt worden. Weniger später besorgte er dann das 2:1 für Basel und wurde somit faktisch zum Matchwinner. Ein anderes Mal kann es auch umgekehrt sein.

Als der Lärm der nun eingetroffenen SBB-Rückkehrer in der Gerbergasse immer grösser wurde, präsentierte sich Helmut Benthaus mit seinen zwei Torschützen Mundschin und von Wartburg vom 1. Stock aus den Fans. Der technische Direktor dankte all denen, die den FCB immer und überall unterstützen, den wahren Fans also.
Die Stimmung in der Walliser Kanne wurde allmählich ausgelassener. Für diesmal durfte der Alkohol unbeschränkt fliessen und einige Akteure steckten sich zur Feier der Nacht dicke Zigarren in den Mund. Und als Rämsi «Ramseiers wei go graase» intonierte, war das der Start zum feuchtfröhlichen Teil dieser Feier, den auch der Clubredaktor nicht mehr objektiv zu würdigen weiss ...

Kapitel 4 – 125 ausgewählte Miszellen

Anekdote Nr. 20

Am Kantonalturnfest 1916 lief die 20 x 50-Meter--Staffel des FC Basel auf dem Turnplatz Breite einen neuen Schweizer Rekord. Die Siegerzeit ist nicht überliefert, Fakt aber ist, dass die folgenden Spieler der damaligen ersten FCB-Mannschaft zur zehnköpfigen Rekordstaffel gehörten: Hermann Gass, Ernst Kaltenbach, Anton Rittel, Arthur Fahr, Ernst Rittel, Peter Riesterer und Jules Düblin. Ebenfalls zur Staffel gehörte Fred Jent, in Basel ein anerkannter Sportjournalist der ersten Stunden. Jules Düblin, nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem während 13 Jahren Clubpräsident, und Karl Bielser, während 19 Saison Verteidiger in der ersten Mannschaft, gehörten zudem zur 4 x 100-m-Staffel des FCB, die 1920 in 46,2 Sekunden Schweizer Rrekord lief. Der aktuelle Schweizer Rekord in dieser Staffel beträgt 38,54 Sekunden.

Anekdote Nr. 30

In der Februar-Ausgabe 1932 des Club-Organs beklagt sich Redaktor Brodbeck über eine offenbar sehr üble Terminkollision: «Wieso hält der Club eine so wichtige Sitzung ab, wenn im Küchlin Trommelkonzert ist?» Und fügt dann im selben anklagenden Ton noch an: «Hat das Cluborgan noch einen Zweck, wenn einer allein alle Artikel schreiben muss?»

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