FC Basel
«Er war unser Herz in der Kabine» – Marek Suchy über den Abgang von Matías Delgado

Der FC Basel gewinnt Spiel eins nach Matías Delgados Abgang – und weiss zu gefallen. Gleich zwei junge Spieler können einen Torerfolg feiern – und auch Toptransfer Ricky Van Wolfswinkel zeigt seine Qualitäten.

Céline Feller
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Kaum zu halten: Dimitri Oberlin ist bei seinem Debüt kaum zu bremsen (hier scheitert Matteo Tosetti).

Kaum zu halten: Dimitri Oberlin ist bei seinem Debüt kaum zu bremsen (hier scheitert Matteo Tosetti).

Keystone

Man muss ganz genau hinhören, wenn man Marek Suchy verstehen will. Er spricht eher leise. Seine Worte gehen im ganzen Lärm fast unter, als er nach seinem ersten Spiel als offizieller Captain des FC Basel gefragt wird. Es sei nicht wirklich ein neues Gefühl gewesen. Schliesslich habe er die Mannschaft schon ein paar Mal als Captain aufs Feld führen dürfen. So auch am Sonntag vor einer Woche, an dem Tag, als Matías Delgado seinen Rücktritt verkündete.

Eine Woche später ist der Argentinier noch immer eines der dominierenden Themen. Der erste Auswärtssieg der neuen Saison sei «der Anfang einer neuen Ära», spricht Suchy seine ebenso leisen wie wohl überlegten Worte. Doch viel weniger als er über sich und seine neue Rolle sprechen mag, will er zum Ausdruck bringen, wie gross die Lücke ist, die Delgado hinterlasse. «Wir werden ihn immer vermissen. Er war unser Spielmacher, unsere Nummer 10, der Spieler mit den speziellen Fähigkeiten und den kreativen Ideen. Und er war unser Herz in der Kabine.»

Der neue FCB-Captain Marek Suchy ist traurig über Delgados Rücktritt.

Der neue FCB-Captain Marek Suchy ist traurig über Delgados Rücktritt.

fcb.ch

Unter vier Augen habe Suchy, der in der Kabine immer neben Delgado gesessen hatte, noch nicht mit seinem Vorgänger reden können. Es sei nach Delgados Ansprache am letzten Sonntag nicht der richtige Moment gewesen. Zu gross war der Schock, zu tief die Traurigkeit. Und doch sagt er jetzt: «Wir müssen vorwärtsschauen.» Am Freitag ist Suchy vor die Mannschaft getreten, hat eine kleine Ansprache gehalten. Welche Worte er an seine Kollegen gerichtet hat, wollte er nicht preisgeben. Viel lieber wollte er noch einmal betonen, dass «Matis Art zu spielen unersetzbar ist». Jetzt müsse man die Spielweise eben anpassen. Es hänge vom Trainer ab, wie dies umgesetzt werde.

Es geht auch ohne Delgado

Delgado selber sagte, die Mannschaft sei ohne ihn besser dran. Sie könnte nun dynamischer und schneller agieren. Erlaubt man sich nach den beiden Spielen gegen Luzern und Thun ein Urteil, dann muss man dem abgetretenen Captain recht geben. Die Offensive war gegen Thun das Prunkstück, einzig die Chancenauswertung war etwas mangelhaft. Alleine in den letzten zehn Minuten wären Optionen für etwa fünf weitere Tore da gewesen.

Der FCB hat bewiesen, dass er auch ohne das ihm entrissene Herz weiterleben kann. Dass er tatsächlich vielleicht sogar besser ist. Und dass er in der Offensive grosse Qualitäten hat. Denn auch im Sturm ist eine neue Ära angebrochen. Doumbia und Janko sind Geschichte. Und mit Ricky van Wolfswinkel und Kevin Bua trafen bereits im zweiten Spiel in Folge beide Stürmer, die von Raphael Wicky in die Startelf berufen worden waren.

Oberlin mit voller Wucht

Nicht nur das. Gegen Thun kam mit Dimitri Oberlin jener Spieler zum Debüt, den Sportchef Marco Streller gleich nach dessen Vertragsunterzeichnung als «eines der grössten Talente Europas» bezeichnete. Und in seinen ersten 27 Minuten im Dress des FC Basel konnte er erstmals unter Beweis stellen, wieso er so begehrt war. Er musste zwar bis zum dritten Versuch warten. Dann aber konnte Oberlin jubeln.

Dimitri Oberlin zeigte eine starke Leistung in seinem ersten Spiel.

Dimitri Oberlin zeigte eine starke Leistung in seinem ersten Spiel.

fcb.ch

In der 96. Spielminute und der letzten Aktion der Partie erzielte er seinen ersten Treffer. Ein Tor bei der Premiere, wie er das schon bei seinen früheren Stationen Liefering und Altach getan hatte. Bei Salzburg, von wo er zum FCB ausgeliehen wurde, reüssierte er in seinem zweiten Einsatz. Eingewöhnungsprobleme kennt er offenbar nicht.

«Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte», sagte der 19-Jährige nach seinem Debüt. «Ich hatte aber noch zwei weitere Möglichkeiten, in denen ich es besser machen kann», fügte er selbstkritisch an. Zwei Mal tauchte er vor dem gegnerischen Tor auf, einmal parierte Thun-Goalie Ruberto, das zweite Mal setzte er ein schönes Zuspiel Taulant Xhakas knapp neben das Tor. Auch wenn es an der Genauigkeit in diesen Szenen etwas fehlte, deutete Oberlin definitiv an, wie gross sein Potenzial ist.

Anfang einer neuen Ära

Der aus Salzburg gekommene Stürmer geht konsequent die Wege in die Tiefe, ist dynamisch und unglaublich schnell. «Wegen dieser Qualitäten haben wir uns auch so gefreut, als wir ihn verpflichten konnten», kommentierte Cheftrainer Raphael Wicky die Premiere Oberlins. «Es freut mich natürlich auch für ihn, dass er treffen konnte. Für einen Stürmer ist es immer wichtig, gleich im erstens Auftritt ein Goal schiessen zu können.»

Rapahel Wicky kann mit der momentanen Form des FCB zufrieden sein.

Rapahel Wicky kann mit der momentanen Form des FCB zufrieden sein.

Keystone

Es war für den FCB ein rundum erfolgreicher Abend, aber auch einer, der Raphael Wicky in Zukunft noch mehr vor die Qual der Wahl stellen wird. Drei Stürmer hat er gebracht, alle drei haben ein Tor erzielt. Hinzu kommt Mohamed Elyounoussi, der zwei Assists gab und bei beinahe jeder gefährlichen Aktion beteiligt war. Der neue FCB weiss zu gefallen. Man wagt fast schon zu prognostizieren, dass diese Offensivabteilung jene um Marc Janko und Seydou Doumbia schnell vergessen machen wird. Es ist der Anfang einer neuen Ära. Einer vielversprechenden neuen Ära.

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