Djordje Nikolic schreckt auf, als die Espen-Fans hinter ihm ihren Frust in den St. Galler Nachthimmel schreien. Nicht des Lärms wegen, sondern weil er getroffen wird, oder besser: bespritzt. Von einem Bier, das ein frustrierter Ostschweizer Richtung Platz warf, weil der polnische Schiedsrichter Daniel Stefanski in der 78. Minute nach einer Rettungsaktion von Marek Suchy nicht auf Ecke entschied. «Das ist mir bisher noch nie passiert», sagt
Nikolic, als er von der «bz» darauf angesprochen wird, und lacht.

Er hat allen Grund dazu. Eben hat er – knappe zwei Wochen vor seinem 20. Geburtstag – für den FC Basel in der Super League debütiert. 3:0-Sieg gegen St. Gallen im Kybunpark. Alles wunderbar. Dabei beginnt sein Debüt mit einem Ausrutscher. Wenige Sekunden sind gespielt, als er den ersten Ball zurückgespielt bekommt und auf dem Allerwertesten landet, als er ihn unkontrolliert nach vorne drischt. «Es war viel rutschiger als während des Einlaufens. Entsprechend war meine erste Berührung nicht gut, aber danach wurde es ja besser.»

Auch dank seiner Vorderleute. Sie werfen sich in die Bälle, als wäre schon ein Torschuss eine Niederlage. Nikolic hat den Ball zwar viel am Fuss, dirigiert das Team, fällt mit selbstbewusster Körpersprache auf, aber Paraden muss er keine zeigen. Bis zur 89. Minute. Plötzlich steht Yannis Tafer allein vor ihm im Strafraum. Der junge Serbe aber wirft sich in seiner Selbstverständlichkeit Richtung Ball, die erahnen lässt, warum Massimo Colomba und Georg Heitz angetan waren von diesem Goalietalent, als sie ihn erstmals auf Video sahen.

Beidfüssig begabt

Eigentlich wollte Colomba Nikolic mal in seiner Heimat besuchen, sehen, wie sich der 18-Jährige im Tor von Jagodina in der höchsten Liga Serbiens schlägt. Doch er fand schlicht keine Zeit und so lud ihn der FCB nach Basel ein. Eine Woche Goalie-Training mit Colomba. Danach waren die Basler überzeugt: Der Mann hat Potenzial, den wollen wir. «Djole ist ein sehr kompletter Goalie, gut am Ball, gute Spielauslösung, ein guter langer Ball. Und zeigt allein schon durch seine Statur Präsenz», sagt Goalietrainer Colomba. 1,95 Meter ist Nikolic gross, athletisch, ruhig.

Welcome to Basel: Djordje Nikolic

Das Vorstellungsvideo von Djordje Nikolic, als er neu zum FC Basel gestossen ist.

Wobei: Als er kam, war da vor allem das Potenzial vorhanden. Denn, so Colomba: «Bei Godina, wo er herkommt, spielten sie nicht wirklich Fussball. Die operierten vor allem mit langen Bällen.» Die Technik aber brachte er mit. Nikolic ist Rechtsfüsser, kann aber auch mit dem linken Fuss gute Pässe schlagen. Tag für Tag haben sie daran gearbeitet. Am Samstag gegen St. Gallen kommt eine Art Training unter Wettkampfbedingungen hinzu, denn bis zu seiner starken Parade sind vor allem Mund und Füsse gefragt. Zu harmlos der Gegner, zu stark der FCB.

Zum Debüt kommt Nikolic eher überraschend. Eine Ernstprobe für den Fall, dass Tomas Vaclik im Sommer gehen sollte – wovon man fast schon ausgehen kann –, war das am Samstag nicht. Die tschechische Nummer 1 erkrankte in der Nacht an einer Magendarmgrippe, gab am frühen Morgen Forfait. Die eigentliche Nummer 2, Germano Vailati, war jüngst verletzt an der Wade, hätte am Samstag mit der U21 spielen sollen, um Praxis zu sammeln. Nikolic war – wie schon in den letzten Spielen – als Ersatz für Vaclik vorgesehen. «Es war von Anfang an klar, dass er spielen wird», sagt FCB-Trainer Urs Fischer.

Nikolic reagiert gefasst auf die grosse News. «Ich war relaxt, bereit für dieses Spiel. Das war ein grosser Tag für mich», sagt der Serbe strahlend. Und ein richtig guter Einstand. Mittelfeld-Stratege Luca Zuffi: «Er hat das super gemacht. Ein Debüt ist nie einfach, aber Djole war immer da, wenn es ihn brauchte.» Nikolic hat eine gute Visitenkarte abgegeben. Auch wenn er schon nächste Woche wieder in den Hintergrund rücken wird: Ein Versprechen für die Zukunft ist er allemal.