25. Oktober 2009

Gänsehaut trotz Corona: Marco Streller schockt Luzern im verrücktesten FCB-Auswärtsspiel des Jahrhunderts

Marco Streller dreht jubelnd ab, David Zibung reklamiert im Hintergrund.

Marco Streller dreht jubelnd ab, David Zibung reklamiert im Hintergrund.

In der fussballfreien Zeit präsentiert die bz in einer Online-Serie die zwanzig emotionalsten FCB-Spiele der letzten zwanzig Jahre. Spiel 6 findet im Oktober 2009 statt. In einem verrückten Spiel in Luzern mit neun Toren und fünf Führungen lässt der FCB durch zwei Tore in der Nachspielzeit seine Fans noch komplett ausflippen. Hier sind die Bilder, die Highlights und der Matchbericht von damals. Mögen die Erinnerungen wieder aufgefrischt werden.

Die Bilder:

Die Highlights im Video:

Das Telegramm:

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Das Zitat:

Der Matchbericht von damals:

Titel: Atemberaubende Achterbahnfahrt

Lead: Der FC Basel besiegt in einer denkwürdigen Partie mit neun Toren den FC Luzern. Drei Tore in den ersten sieben Minuten, 4:3 für den FC Luzern nach 87 Minuten, am Ende 5:4 für den FC Basel – mehr Spektakel und Dramatik in einem Fussballspiel geht nicht.

von Fabian Kern (Basellandschaftliche Zeitung)

Für Marco Streller gab es kein Halten mehr. Der Stürmer rannte nach seinem wunderbaren Heber aus spitzem Winkel in der 94. Minute zum Gästesektor und klettert am Zaun hoch. Dafür hätte er gar noch die gelb-rote Karte sehen können, doch Schiedsrichter Sascha Kever hatte ein Einsehen mit den Baslern. Vielleicht war der Unparteiische aber auch nur geschafft vom unglaublichen Spektakel, das die zwei Mannschaften im Stadion Gersag geboten hatten.

Es war, als hätte der FC Basel die Achterbahn der am Samstag eröffneten Herbstmesse mit nach Emmen genommen – und den Luzernern Gratistickets mitgebracht. Beide Teams spielten von Beginn an mit offenem Visier, wie man es sonst nur in der Schlussphase einer Partie sieht. Nach 62 Sekunden eröffnete Benjamin Huggel das Skore. Alex Frei hatte den Ballverlust von Elsad Zverotic eiskalt ausgenutzt. Doch der FC Luzern hatte eine schnelle Antwort bereit. Nur zwei Minuten später bediente Cristian Ianu den von den Basler Innenverteidigern vergessenen Davide Chiumiento, welcher nur noch einzuköpfeln brauchte. Weitere vier Zeigerumdrehungen danach legte Valentin Stocker Frei den Ball einschussfertig vor die Füsse. Die Luzerner Verteidigung schien gar nicht auf dem Platz zu sein.

Grosse Moral auf beiden Seiten

Doch die Zentralschweizer liessen sich auch vom zweiten frühen Rückstand nicht entmutigen. «Die ersten 30 Minuten haben viel Kraft gekostet. Aber meine Mannschaft hat grosse Moral gezeigt», lobte FCL-Trainer Rolf Fringer. Der Lohn für die angesprochene Moral war der Penaltytreffer von Michel Renggli in der 22. Minute. Antonio da Silva hatte Burim Kukeli etwas unglücklich von den Beinen geholt. Somit war die Partie endgültig lanciert. Beide Kontrahenten hätten vor der Pause aber noch weiter treffen können oder gar müssen. Die beste Möglichkeit hatte Ianu, doch Massimo Colomba wehrte den strammen Schuss des Rumänen mit einer tollen Reaktion an die Latte.

Die einzige Phase, in der das Spiel «normale» Züge aufwies, war in den 25 Minuten unmittelbar nach der Pause. Der FCB liess sich etwas zurückfallen und beschränkte sich auf Konter. Doch auch in dieser Phase hatten beide Teams ihre Chancen, doch sowohl Joetex Frimpong und Ianu wie Streller konnten die Chancen nicht nutzen. Erst eine Standardsituation läutete die atemberaubende Schlussphase ein. Antonio da Silva fand mit seinem Freistoss den Kopf von Streller, der den Ball unhaltbar ins Lattenkreuz lenkte.

Danach schlugen die grossen zehn Minuten der Luzerner. In der 79. Minute glich Hakan Yakin zum 3:3 aus, Ianu brachte die Platzherren acht Minuten später in Führung. Und hätte eine weitere Minute später Paiva den Ball allein vor Colomba nicht weit übers Tor gedroschen, wäre die Basler Niederlage wohl besiegelt gewesen. So aber kehrte der FCB mit einer unglaublichen Willensleistung das Spiel noch in der Nachspielzeit. Frei mit seinem Abstauber in der 92. Minute und Streller in der 94. Minute machten die Achterbahnfahrt perfekt.

«So eine Kampfleistung hätte ich nach dem Spiel in Sofia nicht erwartet», wand FCB-Coach Thorsten Fink seinem Team ein Kränzchen. Der Deutsche hat aber bis Mittwoch eine knifflige Aufgabe zu lösen. Nach den Verletzungen von Carlitos und Abwehrchef David Abraham und der vierten Verwarnung von Cagdas Atan plagen den 42-Jährigen vor dem Spiel gegen den FC Zürich personelle Sorgen. «Ich werde schon eine Lösung finden», gab sich Fink zuversichtlich. Damit die rotblaue Aufholjagd weitergeht.

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