12. November 2002
Gänsehaut trotz Corona: Der FCB feiert ein irres 3:3 gegen Liverpool, als wäre er soeben Meister geworden

In der fussballfreien Zeit präsentiert die bz in einer Online-Serie die zwanzig emotionalsten FCB-Spiele der letzten zwanzig Jahre. Spiel 2 findet im November 2002 statt. Durch ein 3:3 im Joggeli gegen Liverpool macht der FCB bei seiner ersten Teilnahme in der Champions League gleich die Zwischenrunde klar. Hier sind die Bilder, die Highlights und der Matchbericht von damals. Mögen die Erinnerungen wieder aufgefrischt werden.

Jakob Weber
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Am 12. November 2002 übersteht der FC durch ein 3:3 gegen Liverpool die Vorrunde in der Champions League. Hier jubeln Rossi, Haas und Gimenez über einen der drei Treffer.

Am 12. November 2002 übersteht der FC durch ein 3:3 gegen Liverpool die Vorrunde in der Champions League. Hier jubeln Rossi, Haas und Gimenez über einen der drei Treffer.

Keystone

Die Bilder:

Christian Gimenez hängt an der Latte.
43 Bilder
Die Torschützen zum 1:0 und zum 2:0, Rossi und Gimenez, jubeln.
Gimenez überwindet Liverpool-Goalie Jerzy Dudek.
Pascal Zuberbühler und Murat Yakin klatschen ab.
Rot liebt Blau.
Durch das 3:3 kommt der FCB weiter, was anschliessend auf dem Barfi wie eine Meisterschaft gefeiert wird.
Nettes Banner: Christian der Grosse
Murat Yakin mit Mäzenin Gigi Oeri.
Zigarren wurden auch geraucht.
Zuberbühler hielt einen Penalty von Michael Owen.
Der Nachschuss war aber trotzdem drin.
Gimenez in Aktion gegen Traore.
Hier setzt er sich gegen den Liverpool-Verteidiger durch.
Michael Owen hat den Ball. Ivan Ergic schaut aus der Ferne zu.
Nach dem Spiel sind alle glücklich.
Gimenez jubelt über sein 2:0.
Sami Hyypiä setzt sich gegen Murat Yakin durch.
Zuberbühler jubelt nach dem Abpfiff über das Weiterkommen
Die Fans freuen sich ebenfalls.
Karli Odermatt und Gigi Oeri
So sah die Kurve damals aus.
29500 Zuschauer waren an diesem Abend im Joggeli.
Eine rotblaue Choreo gab es auch.
Hier wussten die Beteiligten noch nicht, was für ein irres Spiel ihnen bevorstand.
Nach dem Spiel schon.
Julio Hernan Rossi trifft zum 1:0.
Am 12. November 2002 übersteht der FC durch ein 3:3 gegen Liverpool die Vorrunde in der Champions League. Hier jubeln Rossi, Haas und Gimenez über einen der drei Treffer.
Timothée Atouba heisst der Torschütze zum 3:0. Erst 29 Minuten sind zu diesem Zeitpunkt gespielt.
Der Verteidiger jubelt anschliessend ausgelassen.
Der FCB jubelt über das 3:0 in Haufenform
Zuberbühler klärt vor Sami Hyypiä
Atouba in Aktion.
Und weils so schön aussieht, gleich nochmal.
Mario Cantaluppi gegen den Deutschen Didi Hamann.
Christian Gross
Gigi Oeri im Dalmatiner-Outfit
Oh Rot und Blau
Die Fans feiern den Moment
Hakan Yakin
Julio Hernan Rossi
Herve Tum kommt gegen John Arne Riise per Kopf zum Abschluss.
Vladimir Smicer traf für Liverpool zum 2:3.
Schals in die Luft.

Christian Gimenez hängt an der Latte.

Keystone

Die Highlights im Video:

Das Telegramm:

Transfermarkt

Das Zitat:

Das ist kein Videospiel - das ist die Realität!

(Quelle: Beni Thurnheer)

Die Presseschau von damals:

Ob Basels epochaler Erfolg in der Champions League geriet auch die Schweizer Presse buchstäblich aus den Fugen. Der «Blick» präsentierte seine Front-Story auf dem Kopf, um zu dokumentieren, dass ganz Basel «auf dem Kopf steht». Eine Presseschau nach dem 3:3 zwischen Basel und Liverpool.

Blick: Basel steht Kopf. Der Wahnsinn geht weiter ... Was für ein Krimi vom 3:0 zum 3:3 gegen das grosse Liverpool, das gestern zeitweise ganz klein wurde. ... Das Schönste: Der FCB ist weiter, und es folgen mindestens sechs weitere Basler Champions-League- Abende. Und sollten die Basler in der Zwischenrunde so aufspielen wie gestern in der ersten Hälfte, dann haben sie niemanden zu fürchten. Nicht einmal Real Madrid. ... Der 3:0-Zwischenstand aus dem Joggeli liess gestern das Publikum vor jedem Totomat in Europa aufhorchen. 3:0 gegen Liverpool? ... Der grösste Erfolg des Schweizer Klubfussballs seit 25 Jahren. 1977 hatte der FC Zürich den Meistercup-Halbfinal erreicht -- und war an Liverpool gescheitert. Basels gestriger Triumph ist noch mehr wert, weil seit 1977 die Schere zwischen den reichen Klubs aus den grossen Ländern und den Aussenseitern wie dem FCB weit auseinander gegangen ist.

Basler Zeitung: FCB einfach nur noch sensationell! ... Das Undenkbare ist Tatsache geworden. Der FC Basel erreichte, was noch vor kurzem als Utopie abgetan worden wäre. ... Und er schaffte diese mit einer nie für möglich gehaltenen, mit einer lange Zeit überragenden Leistung gegen einen der Giganten des europäischen Fussballs. ... Der FC Basel hat sie erreicht, diese Vollkommenheit im helvetischen Fussball. Er hat sich gleichsam auf den Fussball- Olymp gehievt. ... Das Jahr 2002 überstrahlt im Moment die Geschichte dieses Vereins, die 22 Jahre lang bemüht wurde, um sich an Erfolgen längst vergangener Tage festzuhalten. ... Diese Mannschaft ist in Dimensionen vorgerückt, die ihr niemals zuzutrauen waren. Erst der Intertoto-Cup, dann die Tabellenführung, der nationale Titel, der Cupsieg, die Champions-League- Qualifikation und nun der Vorstoss in die zweite Phase. Der Basler Steigerungslauf seit der Eröffnung des ersten modernen Fussballstadions der Schweiz war und ist beeindruckend --in Tempo und Qualität.

Tagesanzeiger: Zwischen Perfektion und Bangen ... Verrückter, dramatischer, nervenaufreibender kann ein Fussballspiel nicht sein. Und war sicher nie eines in der Schweiz auf diesem Niveau. ... Am Ende gab das Glück den Ausschlag und sorgte für die Entscheidung. Das hatte sich nicht erst am Dienstag auf die Seite des FCB gestellt, sondern schon vor sieben Wochen beim ersten Treffen mit Liverpool. ... Aber wer so spielt wie diese Basler, wer so kämpft, so hart arbeitet und wer gar eine erste Halbzeit spielt, die nahezu perfekt ist, dem stand dieses Glück zu. Solche Halbzeiten lassen sich nicht planen, sie sind höchstens im Traum möglich oder vielleicht noch dann, wenn der FCB in der Champions League spielt und der Gegner Liverpool heisst.

Neue Zürcher Zeitung: FCB ganz Gross ... Der FCB hat gegen Liverpool vielleicht die beste Leistung eines Schweizer Teams auf internationalem Plan geboten. Das Meisterstück gelang Christian Gross mit seinen taktischen Rückschlüssen aus der Kanterniederlage in Valencia im Rückspiel. ... Nun ist ihm auch mit konzeptionellen und individuellen Massnahmen der grosse Wurf gelungen. Unter den letzten 16 des höchsten Klubwettbewerbs standen früher schon andere hiesige Vereine. Leistungsdichte, Tempo, Spielqualität und taktische Reife sind mit damals aber bei weitem nicht mehr zu vergleichen.

Neue Luzerner Zeitung: Eine Nacht für die Ewigkeit ... Was für Emotionen, was für Bilder, was für eine Nacht, was für Turbulenzen, was für eine Spannung, was für eine Geschichte an einem einzigartigen Abend ... Was für ein Kapitel letztlich für die Ewigkeit des Schweizer Fussballs. ... 60 Minuten brilliert, dann eine halbe Stunde gezittert und schliesslich doch gejubelt. Der FC Basel stösst in den Kreis der europäischen Elite vor -- und das zu Recht.

St. Galler Tagblatt: Die grösste Stunde des FC Basel ... Es waren die vielleicht besten 45 Minuten, die je eine Schweizer Mannschaft im Europacup spielte. Denn der FC Basel beherrschte da einen Gegner, der als Nummer eins in England nach Basel gekommen war; er war ganz einfach besser als der FC Liverpool, der doch zu den Grossen des Klubfussballs gehört. ... Und mit dem Erfolg der Basler gegen Liverpool ist in der Schweizer Europacupgeschichte wohl nur jener von GC im Herbst 1978 gegen Real Madrid gleichzusetzen.

Berner Zeitung: Die FCB-Party geht weiter ... Der FC Basel ist in der Zwischenrunde -- ein überraschender, historischer Erfolg. Jetzt sind erst mal fröhliche Feiern angesagt. Wichtig wird danach sein, dass die Verantwortlichen im Rausch der Millionen nicht abheben. Die Grasshoppers mussten für ihr Champions-League-Hoch in den Jahren 1995 bis 1997 und ihre rasant erhöhten Budgets büssen. ... Europa hin oder her: Kerngeschäft bleibt die Schweizer Meisterschaft. Nur wer dort besteht, kann sich schliesslich für die nächste Champions League qualifizieren.

The Guardian: Basel bereitete sich in einem Trainingscamp im Schwarzwald vor, mit Videos, Lesestoff und einem Quiz über die Spieler. Die Basler mussten das Gefühl haben, sie würden in einen Kult eingeweiht. Sie gingen mit dem Eifer und der Begeisterung wahrer Gläubiger daraus hervor. Es war dann Liverpool, das zu Beginn des Spiels in eine Glaubenskrise stürzte.

IC Liverpool: Todeskampf .... Gerard Houllier konnte nur noch den Schaden einer defensiven Horror-Show zusammenrechnen.

The Sun: Sie schossen nach der Pause noch drei Tore, aber selbst dies vermochte die Erinnerung an eine selbstmörderische erste Halbzeit nicht auszulöschen. Sie hätten sogar noch gewinnen können, wenn der Kopfball des eingewechselten El-Hadji Diouf nicht abgeblockt worden wäre. Wenn der reingegangen wäre, dann hätten die Männer von Gerard Houllier einen der grössten Siege in ihrer 39- jährigen Europacup-Geschichte feiern können.

The Mirror (den Gedanken aufnehmend): Es wird sicher wieder 39 Jahre dauern, bis sie so schlecht spielen, wie sie es in der ersten Hälfte taten. Ihre Europa-Tradition basiert auf Kampfgeist, Können und Tapferkeit. All diese Tugenden wurden vermisst in Liverpools 30 desaströsesten Minuten. Basel ist eine gute, ehrliche, quicklebendig angreifende Mannschaft. Aber das erklärt nicht diese Leistung mit einem Drei-Tore-Rückstand in einem Spiel, von dem die Liverpooler wussten, dass sie es unbedingt gewinnen mussten.

Die Umfrage:

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