Regiofussball

Hurra, der Fussball ist zurück: Die Amateurvereine vor dem Ligastart

Selten war die Vorfreude auf die neue Fussball-Saison so gross wie in diesem Jahr. Nach der coronabedingt abgebrochenen Spielzeit 2019/20 sind viele Amateurkicker aus der Region besonders heiss. Mit einem Potpourri von Kurzgeschichten aus unterschiedlichen Vereinen läutet die bz die neue Saison ein, die an diesem Wochenende beginnt.

Corona verhindert das Auftaktspiel 

Der Ligaauftakt für die Black Stars fällt Corona zum Opfer. Weil es beim Gegner Münsigen positive Fälle gibt, fällt die Partie am Wochenende aus. Somit startet Black erst am kommenden Mittwoch gegen Yverdon in die Liga. Black-Trainer Samir Tabakovic hat auf dem Papier eine schwächere Mannschaft zur Verfügung: Mit Abwehrchef Simon Dünki, Mittelfeldpuncher Ermin Alic und Topskorer Deny Gomes ist eine ganze Achse weggebrochen. Dazu sind mit Artan Shillova, Gonzalo Zarate und Oumar Gaye weitere Routiniers nicht mehr da. Ersetzt wurden sie vor allem durch junge Spieler, die zwar fussballerisch prima ausgebildet sind, von denen die meisten aber noch nicht auf Promotion-League-Stufe gespielt haben. «Die Jungen sind gut, aber noch nicht reif. Deshalb werden die 16 Spieler, die geblieben sind, zu Saisonbeginn besonders gefordert sein», glaubt Tabakovic, der die Liga für stärker hält als letzte Saison, «weil viele Spieler aus der Challenge League in die Promotion League gewechselt sind.» 

Den ersten Ernstkampf haben die Black Stars bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Letzten Samstag setzten sich die Basler bei brütender Hitze auf dem Kunstrasen von Breitenrain gegen den Berner Quartierclub in der Vorqualifikation des Schweizer Cups erst im Penaltyschiessen durch. «Wir sind verdient weiter, weil wir klar besser waren. Aber unsere Chancenauswertung war nicht gut», so Samir Tabakovic.

Feinschliff statt Ausbildung

Spieler kannte der neue Trainer Alex Frei laut eigener Aussage bereits, weil er sie in der U15 und/oder der U18 trainiert hat. Dennoch mussten sich die Junioren an einen anderen Alex Frei gewöhnen. «Bis zur U18 stand die Ausbildung im Vordergrund, jetzt geht es um den Feinschliff», nennt er den wichtigsten Unterschied. «Nun hat man nicht mehr die Garantie, als FC Basel automatisch in den Top 4 mitzuspielen.» In der Promotion League gibt es einige Klubs, die grossen finanziellen Aufwand betreiben, um in die Challenge League aufzusteigen. «Unsere Gegner haben mehr Erfahrung, wir haben mehr Qualität», bringt es Frei auf den Punkt.

Weil der Qualitätsvorteil aber keine Punktegarantie ist, legte der neue Trainer in der Vorbereitung den Fokus auf den mentalen Bereich und arbeitete mit seinen Spielern an deren Zielstrebigkeit. Primäres Ziel des Ex-Internationalen ist es, dass die U21-Junioren ein Thema für die erste Mannschaft werden. «Wenn das der Fall ist, wirkt sich das selbstredend auf die Tabelle aus.» Das soll möglichst schnell der Fall sein. «Die Spieler wissen, dass sie keine sechs Monate haben, um sich an dieses Niveau zu adaptieren, schliesslich wollen wir von Anfang an in der Meisterschaft eine gute Rolle spielen.» 

Machts Muttenz wie St. Gallen?

Manuel Alessio, Manuel Jenny und Valentino Reist – der beste Torschütze, der beste Vorbereiter und der sichere Rückhalt im Tor – haben Muttenz verlassen. Mit Cedric Haas, Loris Minnig und Lukas Morger fallen zu Saisonbeginn weitere Stammkräfte verletzt aus und die ersten Gegner heissen GC U21 und Biel. Es kommt knüppeldick für die Rotschwarzen. «Falls wir gegen die Topmannschaften untergehen sollten, ist es wichtig, dass wir den Kopf nicht in den Sand stecken», sagt Atilla Sahin schon mal prophylaktisch. Obwohl das Team auf dem Papier schwächer als in der Vorsaison ist, sieht der Sportchef aber einige Gründe, optimistisch nach vorne zu blicken: «Wir haben eine junge, interessante und talentierte Mannschaft, die zu Beginn sicher Mühe haben wird. Aber die Spieler können marschieren und mit positiven Resultaten ist eine Euphorie möglich. Das hat der FC St. Gallen zuletzt gezeigt.» Ein zweiter Rang wäre zu hoch gegriffen, das weiss auch Sahin. Ziel ist ohnehin der Klassenerhalt. «Schliesslich haben wir viel weniger Möglichkeiten als die anderen Clubs in der 1. Liga.»

Der SV Muttenz aber hat Peter Schädler, auf den sein Sportchef grosse Stücke hält: «Für mich ist er der beste Trainer der Region. Er kann jede Mannschaft und jeden Spieler besser machen.» Wichtig aber sei, dass jeder Spieler auch wirklich bereit ist, das Maximum aus sich herauszuholen. «Das geht nur mit harter Arbeit», so Sahin.

Auf dem Weg in stilles Gewässer

Im November des vergangenen Jahres sah es düster aus beim BSC Old Boys. Machtkämpfe und fehlendes Geld machten Schlagzeilen. Mittlerweile ist es ruhig geworden und das sei nicht aufgrund der Coronakrise, bekräftigt Christian Schmid. Er war damals involviert und ist daran, das Schiff mit weiteren Personen in stilles Gewässer zu lotsen. Schmid ist eines von drei Geschäftsleitungsmitgliedern und für den Bereich Sport zuständig. Niklaus Kägi (Finanzen) und Marc Steiger (Marketing/Sponsoring) sind die beiden anderen. Sie führen den Verein seit November interimistisch. «Auf den 17. September ist die GV vorgesehen, dann sehen wir weiter.» Schmid weiss, dass die eingekehrte Ruhe auch mit Vernunft zu tun hat. «Turbulenzen und negative Schlagzeilen bringen OB nichts, im Gegenteil. Die Leute lassen uns arbeiten und Arbeit gab und gibt es reichlich.» Es sei auch keinesfalls so, dass der Nachwuchs dem Schicksal überlassen werde. «Jetzt hoffen wir alle, dass die Meisterschaft beginnen kann.»

Rücktritt der Familie zuliebe

Marco Weisskopf (29), Captain des interregionalen 2. Ligisten FC Liestal, hängte im April seine Fussballschuhe an den Nagel. Weil wegen Covid-19 die Saison abgebrochen wurde, musste Weisskopf, der 8,5 Saisons in Liestals 1. Mannschaft spielte - davon sechs Jahre als Captain - durch die Hintertüre abtreten. «Ich hätte mich sicher lieber mit meinen Teamkollegen und vor unseren Fans verabschiedet, aber es stimmt so», sagt Weisskopf und erklärt sofort, dass der Entscheid nichts mit dem Virus zu tun hat. «Ich wurde im April letzten Jahres erstmals Vater. Das bedeutet mir enorm viel. Ich bin ein Familienmensch und habe mir immer gesagt, dass wenn es mal so weit ist, ich dann auch meine Frau unterstützen werde und das Kind von Geburt an auf seinem Lebensweg begleite.» Weisskopf sagt von sich, dass wenn er etwas mache, es immer zu hundert Prozent sein müsse. Das war auf dem Platz so, im Umfeld und im Beruf ebenso. Auch bei seinem Rücktritt war es der Fall.

Kritik an den Entscheidungsträgern

Concordias Co-Präsident Thomas Steinemann ist etwas gespalten. Zum einen sagt er: «Ich bin zuversichtlich, dass wir mit der ersten Mannschaft den Aufstieg schaffen können.» Dann wird er ernster: «Sorgen macht uns aber die finanzielle Situation, respektive die Unsicherheiten in Sachen Corona. Seit März fehlen uns die Einnahmen aus dem Catering im St. Jakob-Park und noch ist nicht klar, wie es weitergeht. Wir mussten das Budget kürzen, fassen aber den Nachwuchs nicht an. Wir arbeiten an diversen Fronten, beurteilen die Situation laufend, auch das Schutzkonzept. Da fühle ich mich als Mitglied einer Vereinsleitung von der Regierung im Stich gelassen. Für viele ist nicht klar, wie wichtig der Amateursport ist. Vielleicht müssten Entscheidungsträger halt auch einmal auf einen Fussballplatz gehen, sich die Arbeit, welche die Vereine unternehmen, ansehen und dann erst entscheiden.»

Abschied wegen Corona

Simon Dünki, eben erst 26 Jahre alt geworden, hat das Captainamt beim Promotion-League-Klub Black Stars während der Coronazeit abgegeben. Mehr noch – er zog einen Schlussstrich unter den Spitzenfussball und wechselte in die regionale 2. Liga zum FC Birsfelden. «Die Zeit, als man wegen des Virus zu Hause bleiben musste, hat mich beschäftigt. Ich spiele schon so lange Fussball und habe in der Zeit auf vieles verzichtet. Es hat mir am Ende keinen Spass mehr gemacht, die vielen Trainings, die teils langen Reisen.» Ganz aufhören wollte er dann aber doch nicht. Die Kontakte zu Birsfeldens Sportchef Gürkan Kuyucuoglu, ein enger Kollege, führten schliesslich zum überraschenden Wechsel. Dünki wollte aber nicht alleine gehen, also nahm er seine Kollegen Deny Gomes und Artan Shillova gleich mit. «Ich habe in der trainings- und spielfreien Zeit gemerkt, dass es vieles gibt, das mir auch Spass machen würde. Jetzt habe ich mehr Zeit, darum geht es mir. Ich freue mich sehr auf das, was kommt.»

Ein Brasilianer sucht seine Aufgabe

Brasilianer wollen im Fussball gewinnen – immer. Da ist Gleison Silva Dos Santos (35) nicht anders. Statt Profi zu werden, was sein Traum war, lernte er in der Schweiz seine grosse Liebe kennen – eine Brasilianerin. Gespielt hat er in zahlreichen Vereinen in der Region, aber er ist weiter auf der Suche nach dem sportlichen Erfolg. Auch dank seiner defensiven Leistungen und gefährlichen Standards wurde Pratteln «Wintermeister». «Es passte alles, wir hätten Gruppensieger werden und in die interregionale 2. Liga aufsteigen können», sagt Gleison. Das hätte ihm genügt als Glücksgefühl. Dann sah es jedoch im Frühling plötzlich nach Abschied aus. Gleison wollte Trainer werden, wollte aber gleich als spielender Assistent in einem 2. oder 3. Liga-Team einsteigen. Das war zu ambitioniert, wie sich herausstellte. Am Ende siegte die Vernunft. Gleison spielt wieder in Pratteln und beginnt die Trainerleiter von unten zu erklimmen. «Es sagt ja niemand, dass ich nicht zwei Tritte auf einmal nehmen darf», meint er schmunzelnd.

Eine Heirat vertrieb den Ärger

Laufens 2. Mannschaft überzeugte in der abgebrochenen Saison in der 4. Liga. 11 Spiele – 11 Siege! «Ich dachte anfangs, dass der Verband uns als punktebestes Team in die 3. Liga aufsteigen lässt, da dort ja ein Platz freigeworden war. Als der Entscheid kam, dass es eine Auslosung geben würde, für die sich alle drei Erstplatzierten melden durften, verstand ich die Welt nicht mehr», sagt Trainer Tobias Schnell. Gleichzeitig musste er seine Spieler bei Laune halten. «Auch wenn sich zehn Teams anmeldeten, bestand noch eine kleine Chance - bis der nächste Dämpfer folgte.» Ausgerechnet Rivale Breitenbach wurde als Aufsteiger gezogen. Schnell hat am vergangenen Samstag geheiratet und spätestens dann war jeder Ärger verflogen. Losglück hatte dafür die 1. Mannschaft Laufens, die als «Basler Cup-Sieger» ausgelost wurde und im Schweizer Cup teilnehmen darf. Wegen dem abgeänderten Modus und der Unsicherheit bezüglich der Zuschauerkapazität könnte das Glück aber bald verfliegen.

Finanzieller Profit wegen dem Virus

Es gibt einige Vereine, die durch das Coronavirus finanziell besser da stehen. Zum Beispiel der Kleinbasler Traditionsklub FC Nordstern. Dass der Verein im Jahr 2020 eine bessere Rechnung als ursprünglich budgetiert vorweisen kann, hat zwei Gründe: Zum einen erliess der Kanton Basel-Stadt den Vereinen aufgrund der ausgefallenen Trainings und Spiele die Platzmiete im Sportzentrum Rankhof. Zum anderen fielen auch Bussgelder und Schiedsrichterkosten weg, da die Rückrunde nicht gespielt wurde. Für Vereine wie den FC Nordstern, der zwar viele Junioren-Teams hat, aber keine Gelder an die Spieler der ersten Mannschaft zahlt, resultiert hier ein kurzfristiger Gewinn. Auch andere Vereine, die auf kantonalen Sportanlagen trainieren, freuen sich zumindest kurzfristig über einen Gewinn. Zum Beispiel der FC Schwarz Weiss. Doch weil die Durchführung des Hallenturniers auf der Kippe steht, könnte die Freude nur von kurzer Dauer sein. Denn dann würde wieder Geld fehlen.

Vorbereitung für höhere Aufgaben

Patrick Zenhäusern (33) war schon in einigen Klubs in der Region. Heimisch fühlt er sich jedoch beim FC Reinach. Nach seiner Rückkehr geht er nächste Woche in seine achte Saison und denkt über seine fussballerische Laufbahn nach. «Ich suchte einen Kick, eine neue Motivation. Viele meiner früheren Weggefährten haben längst mit Fussball aufgehört.» Der torgefährliche Spielmacher und Captain fand die Lösung. Er lässt sich von seinem Coach Marco Cecere zum Trainer ausbilden. «Wir kennen uns schon lange. Ich kann ihn entlasten und von ihm viel lernen.» Vorerst werde er aber noch spielen, versichert er. «Sobald ich spüre, dass es mich nicht mehr braucht, bleibe ich auf der Bank und versuche von dort Einfluss zu nehmen.» Er will bei den jungen Spielern nicht nur Trainer sein, sondern auch die Person, die ihnen zeigt, dass es in einem Verein noch auf mehr ankommt als trainieren und spielen. «Das Miteinander, das Zusammensein im Klubrestaurant, ein respektvoller Umgang: All das will ich ebenfalls vermitteln.»

Aufstieg am grünen Tisch

Der SV Augst war auf dem besten Weg dazu, die 5. Liga zu verlassen. Nach neun Spielen standen acht Siege zu Buche, der Leaderplatz war ihnen sicher. Doch dann kamen der Saisonabbruch und der Entscheid, dass es keinen Aufsteiger geben werde. Zumindest nicht auf dem grünen Rasen. Weil sich aber einzelne Mannschaften aus höheren Ligen zurückzogen, mussten deren Plätze gefüllt werden. Der Aufstieg wurde wieder zum Thema, am grünen Tisch. Das Los entschied unter den Spitzenmannschaften über die frei gewordenen Plätze. Fortuna erwies sich unter anderem dem SV Augst hold. In der neuen Saison spielen sie in der 4. Liga. «Seit Jahren versuchen wir es mit dem Aufstieg, umso erfreulicher ist es, dass es jetzt klappt», sagt Bruno Resenterra, Präsident des SV Augst. Als Ziel für die neue Saison formuliert er den Nichtabstieg. «Es ist jeweils ein schmaler Grat zwischen Glück und Pech», sagt Resenterra. Der SV Augst hofft, nicht bereits das ganze Glück aufgebraucht zu haben.

Die Fussballverrückten vom Diegterbach

Im Oberbaselbiet ist ein ganz spezieller Verein zuhause. Seit rund 10 Jahren versucht die erste Mannschaft des FC Diegten-Eptingen den Aufstieg in die 3. Liga zu realisieren. Bislang ohne Erfolg. «Wir haben zwar sportliche Ambitionen, am Ende ist aber die Geselligkeit und der Spass an der Sache wichtiger. Wir werden es aber schaffen», ist Michael Maurer überzeugt. Er war bis letzte Saison Teammanager der ersten Mannschaft und kümmert sich jetzt als OK-Präsident voll und ganz um das Jubiläum «50 Jahre Gelb-Schwarzer Mythos». Am 19./20. Juni 2021 soll auf der «Hofmatt» die Post abgehen. Schon Legendär sind die Pumphüslikurve und die Art und Weise wie die Spiele des Fanionteams zelebriert werden. Einen Augenschein davon bekommen die Zuschauer heute beim Basler Cup-Spiel gegen Basel City CF (19.30 Uhr). «Wir haben uns da wieder einiges ausgedacht. Unter anderem lancieren wir das Jubiläumsjahr mit einer Pyro Show», verrät Maurer.

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