Boxen

«Im Profiboxen gibt es ohne Geld gar nichts»

Floyd Mayweather, bestverdienender Boxer der Welt, zeigt im T-Shirt seines «Money-Teams», um was es geht: Luxusuhren und Goldketten.

Floyd Mayweather, bestverdienender Boxer der Welt, zeigt im T-Shirt seines «Money-Teams», um was es geht: Luxusuhren und Goldketten.

Das Duo Arnold Gjergjaj und Angelo Gallina erscheint wie ein Fremdkörper in einer Welt, in der längst nicht nur Talent und Arbeit zum Erfolg führen.

Das Profiboxen hat einen zwielichtigen Ruf. Zu Recht. Es ist eine Welt, in der Geld regiert. Eine Welt, in der Dopingkontrollen elegant umschifft und positive Fälle unter den Teppich gekehrt werden. Eine Welt, in der Punktrichter Wertungenabgeben, die mit der Realität nichts zu tun haben. Eine Welt, in der TV-Stationen die Paarungen im Ring diktieren. Eine Welt, in der Boxer absichtlich umfallen, damit andere daran verdienen. Eine Welt, in der sich die vier bedeutenden kommerziellen Verbände eine unsinnige Rivalität leisten.

Eine Welt, in der ein hochanständiger Schweizer Schwergewichtsboxer mit Namen Arnold Gjergjaj und sein hart undehrlich arbeitender Trainer und Manager Angelo Gallina wie Klosterschüler, wie Fremdkörper wirken.

Vielleicht passt die Mentalität der Schweizer ganz einfach nicht zum Profiboxen. Vielleicht ist dies der Grund, dass die Sportart ein Mauerblümchendasein fristet. Gallina widerspricht. Er betont die Faszination der Sportart, die auch in der Schweiz funktioniere: «Boxen zieht die Leute an. Es ist ein Duell Mann gegen Mann – mit einfachen Regeln, viel Action und oft einem klaren Sieger.»

Für Gjergjajs Manager ist die Baisse im Schweizer Profiboxen eine logische Folge der fehlenden Konkurrenzfähigkeit auch im Amateur-Bereich. Zwar gebe es international zwischendurch immer wieder einen Boxer, der ohne nennenswerte Amateur-Karriere bei den Profis für Furore sorgt. Die alltägliche Realität jedoch sieht anders aus: «Die meisten Stars der Szene blicken auf eine beeindruckende Laufbahn bei den Amateuren zurück», sagt Gallina.

In der Schweizer Boxszene hingegen fehle es seit langem sowohl «an Substanz wie auch an Konstanz». Gallina erinnert daran, dass die letzte Medaille an einer Europameisterschaft 1965 gewonnen wurde und dass der einzige nennenswerte Erfolg bei Olympischen Spielen von 1948 stamme. Der Birsfelder Hans Müller wurde damals Vierter im Schwergewicht.

Popularität trotz Skandalen

Zwar ärgert sich der Präsident des Boxclubs Basel bei seiner Arbeit für Arnold Gjergjaj zwischendurch immer wieder mal über den nationalen Verband, der dieOrganisation von Profikämpfen mit hohen Abgaben erschwere und weltweit als einziges Land durch die aus medizinischen Überlegungen festgesetzte Altersobergrenze für Kämpfer von 35 Jahren die Gegnerwahl für die «Kobra» bisweilen schier verunmögliche. Im Schwergewicht sind 60 Prozent der besten Boxer über diesem Alterslimit.

Aber entscheidende Hürden auf dem Weg an die internationale Spitze waren das nicht. Wo auch immer Arnold Gjergjaj und Angelo Gallina anstanden, immer spielte ein Faktor mit: Geld. Oder in ihrem Fall fehlendes Geld. «Im Profiboxen gibt es ohne Geld gar nichts», sagt Gallina ohne Umschweife. Und weil eine Welt, in der das Monetäre eine so prägende Rolle einnimmt, Korruption und gierige Menschen anzieht, ist das Profiboxen seit seinen Anfängen um 1920 von Skandalen getränkt. Skandale, welche der Popularität dieser in den USA als «poor man’s sport» bezeichneten Szene keinen Abbruch tun.

Und im Profiboxen werden aus armen schnell reiche Männer. Mit Floyd Mayweather und Manny Pacquiao führen zwei Boxer die Liste der bestverdienenden Sportler an. Bei ihrem Duell strichen sie in den zwölf Runden gemeinsam rund 400 Millionen Dollar ein. Wie sagt Gallina, der Mayweather in dessen Trainingslokal in Las Vegas besuchte: «Vor Mayweathers Boxkeller stehen Autos im Wert von 20 Millionen, vor dem Keller des Boxclubs Basel stehen fünf rostige Velos.»

Zwar verlangte von Gallina noch nie jemand, dass sich sein Boxer absichtlich hinlegen solle, damit die Wettmafia zu ihrem kalkulierten Gewinn kommt. Dochder Manager von Arnold Gjergjaj hat in den knapp acht Jahren der Zusammenarbeit so manche skurrile Situation oder Begegnung erlebt. Er musste die Konkurrenz eines albanischen Boxpromoters abwehren, der Gjergjaj mit grossen Worten und Plänen in Rekordzeit in den Boxolymp katapultieren wollte.

Gegner sitzt nicht im Flieger

Galina musste akzeptieren, wie ein als Sparringpartner gebuchter Kämpfer zwar den Lohn einstrich, aber nie erschien. Er stellte fest, dass ein Gegner für einen Kampf in Basel nicht im gebuchten Fliegersass. Er realisierte x-fach, dass die «Kobra» wegen fehlender Mitgift als Kontrahent nicht willkommen war. Er erlebt wöchentlich, wie irgendein Zwischenhändler aus Afrika oder Osteuropa mit ihm einen «lukrativen» Deal eingehen will. Und er sah zu, wie die Millionenverträge der TV-Stationen ARD und ZDF mit dem Sauerland- und dem Universum-Boxstall dem Profiboxen in Deutschland trotz der oft fehlenden sportlichen Relevanz einen schier grenzenlosen Höhenflug ermöglichten. Und wie die beiden grossen Promoter nach dem Ausstieg der Sender hart landeten. Heute steht die Szene in Deutschland dem Milieu wieder näher als dem Glamour.

«Im Profiboxen spielt sich sehr viel in einer Zwischenwelt ab. Titel werden ver- und gekauft. Für mich war stets wichtig, dass wir nachhaltig und glaubwürdig arbeiten, auch wenn man so keine Abkürzungen nehmen kann. Viele Boxer enden irgendwo als Türsteher. Das wird Arnold nicht passieren», kommentiert Gallina und lächelt zufrieden.

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