Basketball
«Impfen ist die einzige Lösung»: Starwings-Vorstand hofft nach neuerlicher Absage auf ein Ende der Misere

Im Jahr 2021 sollte für die leidgeplagten Basketballer der Starwings eigentlich alles besser werden. Doch schon wieder gab es eine Spielabsage. Wie geht der Verein mit den nicht enden wollenden Problemen um?

Georges Küng
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Starwings Neuzugang Nathan Krill hätte den Ball gerne öfter wie hier in Genf in den Korb gestopft. Doch Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Starwings Neuzugang Nathan Krill hätte den Ball gerne öfter wie hier in Genf in den Korb gestopft. Doch Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Keystone

Kein Team der Nationalliga A war und ist so oft in Quarantäne wie die Birsfelder. Auch das für gestern angesetzte Derby gegen Boncourt wurde kurzfristig abgesagt, weil fünf Starwings-Spieler nach wie vor mit dem Virus kämpfen. Auch dem Verein macht diese Situation zu schaffen. Und zwar schon länger.

Die Corona-Probleme der Starwings begannen Mitte September. Damals mussten die drei neu verpflichteten US-Profis Deondre Burns, Nathan Krill und Matthew Milon in die obligatorische, zehntägige Quarantäne. Kaum hatten sie, zusammen mit dem vierten Profi, dem Senegalesen Cheik Sane (der von Nyon zu den Starwings gestossen war), und den restlichen Teamkollegen die ersten Trainings absolviert, gab es die ersten Coronafälle (Krill, Ilija Vranic). Der Saisonauftakt in Lugano musste verschoben werden.

Die aktuelle Tabelle

12. Runde: Fribourg - Nyon 118:54. Neuchâtel - Massagno 82:75. Starwings - Boncourt verschoben. Genève - Monthey verschoben – Rangliste: 1. Fribourg 11 Spiele/16 Punkte. 2. Genève 9/16. 3. Massagno 9/16. 4. Neuchâtel 8/12. 5. Lugano 10/8. 6. Monthey 9/8. 7. Boncourt 10/6. 8. Starwings 10/4. 9. Nyon 10/0.

Krill, in Holland Vizemeister geworden und der Topzuzug der «Wings», erkrankte schwer. «Sechs Wochen lang war er gesundheitlich indisponiert. Auch, wenn er gespielt hat, konnte er sein immenses Potenzial nie zeigen», sagt Cheftrainer Dragan Andrejevic. Weitere Verletzungsprobleme führten dazu, dass das Aushängeschild der Deutschschweiz nie «in Vollbestand und austrainiert spielen konnte», so Andrejevic.

Nur einmal, ab dem 12. Dezember, hatte der Trainer alle zwölf Kaderspieler während einer ganzen Woche im Training. Das Resultat war ein koketter 90:73-Heimsieg über Lugano. «Wir wurden immer wieder zurückgeworfen. Von 14 Spielern, zehn Senioren und vier Nachwuchstalenten, hatten 13 Akteure entweder Corona oder waren verletzt. Nur Teamcaptain Branislav Kostic wurde von Krankheit und Blessuren verschont», so der serbische Trainer in einem Mix zwischen Fatalismus und Galgenhumor. Es sei die These gewagt, dass komplett gesunde Starwings zur gehobenen Mittelklasse der Schweiz gehören würden.

Ein strengeres Programm als die NBA

Trotz aller Spielverschiebungen hat nur ein Team in der Liga in dieser Saison mehr Spiele absolviert als die Starwings. «Wir mussten vier Matches in elf Tagen austragen. Darunter Wochentagsspiele in Genf oder Lugano. So ein Programm absolviert nicht einmal die NBA», gibt Andrejevic zu bedenken. Dies für ein Team, das – im Gegensatz zu Fribourg, Genf oder Neuchâtel – auch aus Spielern besteht, die nebenbei noch arbeiten, studieren oder Schüler sind.

Thomas Trümpy ist seit zehn Jahren Vorstandsmitglied der Starwings und fungiert als Finanzchef. Er sagt: «Ich habe vor unserem Profi-Quartett den allerhöchsten Respekt. 30 Tage – aufgeteilt in drei Tranchen – in Quarantäne, diverse Blessuren und immer blieben sie ruhig. Sie haben die Situation profihaft gemeistert und gezeigt, dass sie zu den besten Spielern der Nationalliga A gehören.»

Für Trümpy ist wichtig, dass Basket gespielt werden kann. «Es wäre fatal, wenn gerade im Juniorenbereich eine Saison ausfallen würde. Da gehen viele Jungs und Mädels für den Sport allgemein verloren», so der im Fricktal wohnhafte Riehener.

Wie aber sieht es finanziell aus? «Die Treue unserer Hauptsponsoren ist beispiellos. Zudem hat uns die kantonale und federale Politik mit Beiträgen geholfen. Es wurden nicht nur die grossen Sportarten Fussball und Eishockey unterstützt», so Trümpy.

Unendliche Dankbarkeit für den Regierungsrat

Pascal Donati ist nicht nur der neue Präsident der Starwings, sondern gleichzeitig auch Juniorentrainer im Verein. «Ich bin dem Regierungsrat Basel-Landschaft unendlich dankbar, dass ab dem 4. Januar wieder Trainings für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre möglich sind. Wir werden noch eine Zusatzwoche abwarten, bevor wir unter strengsten Schutzmassnahmen mit dem Training anfangen», so Donati. Die Starwings haben sechs Juniorenteams (U20, U17, U15, U13, U11 und U9) mit rund 100 Aktiven.

Hanspeter Spaar ist der neue Vize-Präsident der Starwings und war zu den besten Zeiten (1981 bis 1986) des FC Breitenbach als Sportchef aktiv. Damals klopften die Schwarzbuben an der Pforte zur Nationalliga B an, scheiterten aber am FC Schaffhausen. «Corona ist für den Sport fatal», erklärt er. Doch die Medizin macht ihm Hoffnung. Spaar sieht «in einer Impfung derzeit die einzige Chance, dass wir mittelfristig wieder zur Sport-Normalität zurückkehren können». Er ergänzt: «Meine 25-jährige Tochter dient in der israelitischen Armee und wird just heute Montag geimpft. Israel, einwohnermässig gleich gross wie die Schweiz, hat bereits über eine Million Menschen geimpft. Ich kann nicht verstehen, warum die Schweiz, das Land mit dem teuersten Krankensystem notabene, noch in den Kinderschuhen steckt.»

Der Starwings-Vorstand: Von links nach rechts: Hanspeter Spaar, Pascal Donati, Gaby Weis, Prof. Dr. Marc Walter, Thomas Trümpy, Michel Donati). Es fehlen Alexander Haener und Carsten Reibe.

Der Starwings-Vorstand: Von links nach rechts: Hanspeter Spaar, Pascal Donati, Gaby Weis, Prof. Dr. Marc Walter, Thomas Trümpy, Michel Donati). Es fehlen Alexander Haener und Carsten Reibe.

Starwings

Die Starwings müssen sich vorerst noch gedulden, bis Normalität einkehrt. Heute soll der Grossteil der 1. Mannschaft immerhin wieder gemeinsam trainieren. Das Derby gegen Boncourt soll dann am kommenden Samstag nachgeholt werden. «Ich muss meinem Team ein grosses Kompliment machen. Trotz allem sind die Jungs motiviert, verkraften alle Rückschläge. Ich hoffe, wir können mittelfristig zeigen, welches Potenzial diese neuen Starwings haben», so Dragan Andrejevic.

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