Super League
Lieber der FC Basel als Liverpool oder Atlético Madrid

Rottach-Egern ist ein kleines Voralpen-Städtchen in Südbayern. Ein paar der grössten Klubs Europas reissen sich darum, hier die Saisonvorbereitung zu bestreiten. Es hagelt Absagen – aber nicht für den FCB.

Sébastian Lavoyer, Rottach-Egern
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Ricky van Wolfswinkel im FCB-Trainingslager 2017 mit Blick auf die Berge.

Ricky van Wolfswinkel im FCB-Trainingslager 2017 mit Blick auf die Berge.

Andy Mueller/freshfocus

Es ist so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz, sagt er: «Der FC Basel bringt den Regen.» Und trotzdem zögert Gerhard Hofmann jeweils keine Sekunde, wenn Teammanager Gusti Nussbaumer anruft und den FCB ankündigt.

Hofmann ist Geschäftsleiter der Gemeinde Rottach-Egern, verantwortlich für die Vergabe des Fussballplatzes Birkenmoos. Bekanntheit erlangten das Voralpen-Städtchen in Südbayern und sein pittoresker Fussballplatz in den 1970er-Jahren. Damals kam der grosse FC Bayern erstmals für die Spielvorbereitung hierher. «Ich kann nicht mal mehr genau sagen, ob das unter Udo Lattek oder Dettmar Cramer war», gesteht Hofmann.

Wer, wenn nicht er, sollte es wissen? Sein Vater war damals Vorstand des FC Rottach-Egern, pflegte beste Verbindungen zum grossen FC Bayern München. Im Hotel Bachmair am See residierten die Bayern-Stars jeweils. Sie machten sich immer rarer.

Erst kamen sie vor jedem Spiel, irgendwann nur noch zur Saisonvorbereitung – und ab 2006 gar nicht mehr. Aber den Tegernsee und die kleine Gemeinde keine zehn Kilometer nördlich der österreichischen Grenze hatten sie nachhaltig ins Bewusstsein der Topklubs Europas gehievt.

Der FC Basel kam 2010 erstmals hierher. Unter Trainer Thorsten Fink, dem ehemaligen Bayern-Spieler. Anfänglich pflegte man im Hotel Überfahrt zu nächtigen, danach wechselte man ins Park-Hotel Egerner Höfe. «Als wir ankamen, stand auch dieses Jahr praktisch die ganze Belegschaft Spalier und applaudierte», sagt Gusti Nussbaumer. «Für uns ist es jeweils fast wie ein Heimkommen.»

Lucien Favre und sein Späher

Der FCB hat sich in die Herzen der Egerner gespielt. Das sieht auch Hofmann so. Ohne Agentur, ohne Vertrag, ohne Tamtam wickelt man die Geschäfte mit dem FCB jeweils ab. Ein Anruf genügt.

Vor einem Rausschmiss muss sich der FCB nicht fürchten, auch wenn die Konkurrenz gewaltig ist. Doch mehr als drei Mannschaften können nicht herkommen für die Vorbereitung, wie Hofmann betont. «Ansonsten würde der Platz zu sehr leiden und wir könnten den hohen Ansprüchen nicht gerecht werden.»

Ansprüche, wie sie zum Beispiel Lucien Favre hatte. Er schickte jeweils einen Beobachter her, um zu überwachen, dass der FCB nicht trainiert, wenn es regnet. Minutiös bis ins kleinste Detail, wie man ihn kennt. Seit er mit Gladbach 2012 erstmals zur Vorbereitung an den Tegernsee kam, zählen auch die «Fohlen» zu den Stammgästen.

Auch andere Grosse

Andere grosse des Weltfussballs waren auch schon hier: Arsenal, Manchester City und vergangenes Jahr auch Liverpool. Jürgen Klopp wäre mit den «Reds» gerne wieder gekommen, doch er kriegte eine Absage. Genauso wie Atlético Madrid. Denn neben Gladbach und Basel kehren dieses Jahr die Bayern zurück. «Beim FC Bayern kann man nicht Nein sagen», so Hofmann.

Beim kleinen FCB offenbar auch nicht. Gusti Nussbaumer schmunzelt und sagt: «Das liegt sicher auch daran, dass wir in der Schweiz sehr früh in die Meisterschaft starten und daher früh herkommen.» Aber nicht nur.

Für Liverpool musste man das Trainingsgelände 2017 weiträumig absperren, nur ein Training war öffentlich. Beim FCB dürfen auch mal die Junioren nebenan trainieren. «Bei uns ist alles ein bisschen einfacher und unkomplizierter», so Nussbaumer. Das mögen sie hier. So sehr, dass der FCB die ganz Grossen ausbootet.

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