Nach umstrittenem Penalty-Pfiff

Marc Janko steht im Fokus wider Willen

Die entscheidende Szene: Penalty oder nicht?

Die entscheidende Szene: Penalty oder nicht?

Im Cup-Halbfinal bewegt vor allem eine Szene rund um Marc Janko. Der Österreicher wird, so sagt er, im Penalty-Raum, «klar getroffen».

Das Spiel ist eben zu Ende gegangen. Die Spieler des FC Basel haben sich von ihren Fans feiern lassen. Nicht unbedingt für die dargebotene Leistung. Aber für den Einzug in den Cupfinal. Doch beim Gang in die Katakomben wir die Stimmung wieder hitzig. Als Marc Janko das Winterthurer Pendant der Basler-Senftube betritt, wird auf das Plastikdach eingedroschen. Gepfiffen. Geschrien.

Das «Foul» im Video:

FC Basel penalty entscheid

In den Augen der Winterthur-Fans ist eine Lüge von ihm schuld daran, dass Basel weitergekommen ist. Es handelt sich um die Szene in der 51. Minute. Janko zieht in den Sechzehner, legt sich den Ball etwas zu weit vor, und als er versucht, ihn sich wieder zu krallen, wird er gefoult. Pfiff. Penalty. Schiedsrichter Sascha Amhof zögert erst keine Sekunde – und bekommt dann plötzlich Angst vor seinem eigenen Mut. Rund um den Unparteiischen und Janko bildet sich ein Rudel. Die Spieler des FC Winterthur als auch deren Fans protestierten heftigst.

«Ein Theater»

Und Amhof? Der befragt Janko. «Mein Gegner hat mich klar getroffen. Das habe ich auch dem Schiedsrichter so gesagt.» Doch die Frage ist, ob Schuler nicht zuerst den Ball, und dann den FCB-Stürmer trifft. «Ich kann nicht beurteilen, ob er mich oder den Ball zwei Zehntel vorher oder nachher getroffen hat. Das ging so wahnsinnig schnell», gibt Janko ehrlich zu.

Mehr habe er nicht gesagt. Janko bezeichnet die Szene als «Theater», drei oder vier Mal sei er gefragt worden, ob er vom Gegner getroffen worden sei. Aber am Ende sei es ohnehin die Entscheidung des Schiedsrichters. Dass dieser ihn zurate gezogen hat - «das fand ich sehr kurios, dass ich da als Spieler im Mittelpunkt des Interesses gestanden habe. Für was haben wir einen Schiedsrichter auf dem Feld?» 

Beleidigungen gegen die Mutter 

Ähnlich sieht auch sein Trainer Urs Fischer. «Ich verstehe es einerseits, aber andererseits auch nicht, weil der Schiedsrichter da ist, um zu entscheiden.» Da dieser aber am Ende auf Penalty entschieden habe, gehe Fischer davon aus, dass es einer war. Unverständnis über das Verhalten Amhofs hin oder her – fortan fokussiert sich der Hass der Heimfans unweigerlich auf Janko. Bei jeder weiteren Ballberührung wird der Österreicher gnadenlos ausgepfiffen.

Auf Twitter wird die Szene heiss diskutiert

Bei seiner Auswechslung in der 61. Minute gibt es ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert, das seine Fortsetzung findet, als Janko mit seinen Kollegen einige Minuten nach Ende der Partie auf dem Platz zum Auslaufen muss. «Ich war ab dann der Buhmann. Und ich musste mir dann einige Beschimpfungen gegenüber meiner Mutter anhören. Natürlich, ich kann den Unmut, die Aufregung und die Enttäuschung der Fans hier verstehen.

Aber ich denke, das kann man nicht an mir festmachen», erzählt Janko. Die ganze Szene, so unglaublich kurios sie war, sei für seine Beliebtheit nicht eben förderlich. «Aber so ist es nunmal.» Janko liess es sich aber nicht nehmen, dem unerwartet starken Gegner auch noch ein Kompliment zu machen: «Sie haben es für ihre Möglichkeiten sehr, sehr gut gemacht und einen guten Tag erwischt.»

Die Bilder zum Spiel:

Ob diese Komplimente auf der Gegenseite schon angekommen sind, mag bezweifelt werden. Zu gross der Unmut über den Penalty-Entscheid. Zu brutal die Tatsache, dass es einmal mehr trotz starker Leistung nicht gereicht hat. So stellte ein enttäuschter und verärgerter Dario Zuffi, Assistenz-Trainer Winterthurs und Vater von FCB-Spieler Luca Zuffi ohne Umschweif klar: «Für mich war das kein Penalty. Ein Herr in Schwarz hat das anders gesehen. Und fragt dann Janko, der natürlich ja sagt.» Zumindest etwas Positives könne Dario Zuffi und sein Team mitnehmen aus diesem Spiel: Den Biss, den sie zuletzt so vermisst hatten. 

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