Springreiten

Martin Fuchs und Steve Guerdat: Die Überspringer als Aushängeschilder des CSI Basel

Martin Fuchs und Clooney fliegen über den Oxer. (Archivaufnahme)

Martin Fuchs und Clooney fliegen über den Oxer. (Archivaufnahme)

Mit Martin Fuchs und Steve Guerdat führen gleich zwei Schweizer die Weltrangliste im Springreiten an. Sowohl Fuchs als auch Guerdat gehören am Wochenende beim CSI Basel zu den Topfavoriten und wollen bei der Olympia-Hauptprobe mit einem Glanzresultat auftrumpfen.

Seit über einem Jahr ist die Weltrangliste der Springreiter fest in Schweizer Hand: Der 27-jährige Martin Fuchs hat sein Vorbild Steve Guerdat vom Leaderthron verdrängt und führt seit Jahresbeginn mit dem Rekord-Preisgeld von 2,3 Millionen Franken aus den letzten zwölf Monaten das Weltranking vor Guerdat an.

Ein Jahr lang trug der 37-jährige Jurassier Guerdat die Armbinde des Weltranglistenersten und wurde nun trotz ebenfalls erstklassigen Resultaten im Jahr 2019, wie etwa dem dritten Erfolg im Weltcupfinal im Frühling, sieben Nullfehlerritten in Nationenpreisen und einem Preisgeld von 1,8 Millionen Franken von seinem Freund und Trainingspartner auf Position 2 verdrängt. Martin Fuchs, der Sprössling der ehemaligen Schweizer Springreit-Meister Thomas und Renata Fuchs, stellte die Differenz zum routinierteren Guerdat vor allem in der Global Champions Tour her.

Martin Fuchs (links) und Steve Guerdat präsentieren ihre WM-Medaillen nach der Heimkehr von Tryon. (Archivbild)

Martin Fuchs (links) und Steve Guerdat präsentieren ihre WM-Medaillen nach der Heimkehr von Tryon. (Archivbild)

An der seit 2006 ausgetragenen Turnierserie an exquisiten Orten wie New York, Mexiko, St. Tropez, Cannes oder Monaco werden Unsummen an Preisgeldern ausgeschüttet. Fuchs unterliegt dieser pekuniären Verlockung, Guerdat nicht.

Der Jurassier, dem das Pferdewohl und die Sportlichkeit über allem steht, ist ein Gegner dieser Turnierserie. «Ich bin gegen Teilnahmen, wo man sich einkaufen kann. Die Global Champions Tour veranstaltet Business-Turniere, verdrängt und bedroht die Nationenpreisserie und findet kaum in stimmungsvoller Atmosphäre statt», liess sich der oft etwas kauzig, wortkarg und introvertiert erscheinende Guerdat schon mehrmals vernehmen.

Steve Guerdat verzeichnete noch mit der Armbinde des Weltranglistenersten auf Venard de Cerisy. (Archivbild)

Steve Guerdat verzeichnete noch mit der Armbinde des Weltranglistenersten auf Venard de Cerisy. (Archivbild)

Fuchs sagt dazu: «Das muss jeder selbst wissen. Ich verstehe mich mit Steve sehr gut. Wir sind Kumpel, obwohl wir schon etwas verschieden sind. Ich bin aber überzeugt, dass er mir die Spitzenposition, die er ein Jahr lang inne gehabt hat, gönnt. Wir sind Rivalen, ehrgeizig und wollen jedes Springen gewinnen. Wenn ich aber selbst nicht ganz vorne bin, soll es Steve sein.» So geschehen auch beim Weltcupfinal 2019 in Göteborg, als Guerdat vor Fuchs siegte.

Martin Fuchs’ Siegesserie prägt das Jahr 2019

Martin Fuchs, schon achtfacher EM-Medaillengewinner beim Nachwuchs, krönte sein aussergewöhnliches Jahr im Sattel des Ausnahme-Schimmels Clooney mit dem Europameistertitel im Einzel in Rotterdam, dem zweiten Triumph im Weltcupspringen nach der Premiere in Lyon und vor allem mit dem Sieg in Guerdats «Wohnzimmer» am CSI Genf.

«Ich bin sehr stolz, dass ich jetzt erstmals am CSI Basel die Armbinde als Weltnummer 1 tragen kann. Es ist eine Auszeichnung für konstant erstklassige Leistungen und reflektiert das ganzes Jahr. Ich bin aber nicht allein für meine grossartigen Erfolge massgebend.» Der mit der Amerikanerin Paris Sellon liierte Fuchs erwähnt in erster Linie seine Eltern. Papa Thomas ist sowohl sein wie auch Steve Guerdats Personaltrainer und auch technischer Coach der Schweizer Nationalequipe. Mama Renata ist für administrative Dinge zuständig.

Diverse Top-Pferde und ein eingespieltes Team

Fast im gleichen Atemzug fügt Fuchs seine mehrjährigen und treuen Pferdebesitzer Luigi Baleri, den Tessiner Adolfo Juri, den in der Normandie ansässigen ehemaligen Spitzenreiter Grégoire Oberson und seinen irischen Pferdepfleger Groom Sean Vard an. «Wir sind ein verschworenes und eingespieltes Team und halten zusammen», betont Fuchs. Und das eingespielte Team hatte bereits oft Grund zu Jubeln.

Mit drei verschiedenen Pferden hat der Neffe des St. Gallers Markus Fuchs, der einst ebenfalls die Weltnummer 1 war, sieben internationale Grand Prix gewonnen. Mit Clooney deren vier, darunter den mit 400’000 Franken dotierten GP von Genf. Mit Chaplin, der nach einer langwierigen Verletzung wieder im Training ist, zwei, mit The Sinner das Weltcupspringen in London und mit Tam Tam du Valon den GP in Stuttgart. Zudem gewann er in St. Gallen mit der Schimmel-Stute Chica von Adolfo Juri zum dritten Mal den Schweizer Cup.

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