Schweizer Cup

Mit blauem Auge davongekommen: Basel zittert sich in Chiasso dank Itten-Tor zu einem 1:0

Mit Mühe und Not siegt der FC Basel im Cup gegen Chiasso – Balanta tickt aus und fliegt vom Platz.

Es läuft die Nachspielzeit als Chiasso-Stürmer Carte Said plötzlich alleine vor FCB-Keeper Mirko Salvi steht. Irgendwie hat er sich durchgewurstelt gegen Akanji. Und da ist sie also, die grosse Gelegenheit. Doch er verzieht, haut den Ball übers Basler Tor. Wenig später fliegt er mit Gelb-Rot vom Platz. Dann pfeift Schiedsrichter Nikolaj Hänni die Partie ab.

1:0 gewinnt der Titelverteidiger im Tessin. Mit viel Kampf und Krampf. Die alten Männer auf der Haupttribüne im Stadio Riva IV werden sich wohl noch lange erzählen, was alles möglich gewesen wäre.

Denn Basel tut sich auf tiefem Boden und holprigem Geläuf äusserst schwer gegen einen bissigen, defensiv gut organisierten Gegner. «Das war ein richtiger Cupfight», meinte FCB-Trainer Raphael Wicky nach dieser Zitterpartie. Es war der erste Sieg seit dem 13. August, seit dem 2:0 gegen Wettswil (1. Liga) in der ersten Cuprunde. Natürlich wäre es das Ziel gewesen, das Spiel eher zu entscheiden. Doch letztlich ging es nur um den Sieg. Das Weiterkommen.

Balantas dumme Tätlichkeit

Wobei halt! Ganz so einfach ist das in Basel nicht. Die neue Führung hat vieles versprochen. Mehr Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, bessere Unterhaltung auf dem Rasen – das waren zwei zentrale Punkte im Konzept von Präsident Bernhard Burgener.

Dass man auf den eigenen Nachwuchs baut, ist deutlich geworden. Zuletzt durch die Itten-Rückholaktion. Doch fussballerisch konnte der FCB bisher nur selten wirklich überzeugen. «Uns fehlte auf den letzten 25 Metern die absolute Entschlossenheit», sagt Wicky. «Wir müssen den Ball auch mal einfach ins Tor schiessen, es braucht nicht noch einen Aussenristchip, noch einen Doppelpass, noch ein Dribbling.»

Plötzlich ist das schöne Spiel nicht mehr von Bedeutung, das noch im Sommer versprochen wurde. Zu sehr ist der FC Basel in den letzten Wochen ins Trudeln geraten. Mit der Niederlage gegen Lausanne im Joggeli als Tiefpunkt.

Zwar verlor man auch gegen Manchester klar und deutlich mit 0:3. Aber da zeigte das Team wenigstens Wille. Man kämpfte, biss sich durch, schwitzte. Und man trat als Team auf. Auch in der Analyse präsentierte sich der FCB danach geschlossen, wurde nicht müde, das Positive aus diesem 0:3 in der europäischen Königsklasse zu betonen.

Das Team wollte diesen Geist aus Manchester mit ins Tessin nehmen. Und ja, der FCB kämpft, er ackert, er leidet. Viel mehr aber nicht. Denn beim 1:0 in Chiasso zeigen die Basler über weite Strecken einen dürftigen Auftritt.

FCB-Trainer Raphael Wicky zum Cup-Spiel gegen Chiasso.

FCB-Trainer Raphael Wicky zum Cup-Spiel gegen Chiasso.

Eine einzige gute Möglichkeit erarbeitet sich der FCB in der ersten Halbzeit. Doch Bua scheitert kurz vor der Pause an Russo. Der Favorit kommt danach zwar besser ins Spiel, bremst sich aber letztlich selbst aus.

Das heisst: Eder Balanta bremst sein Team aus. Mit einer richtig dummen roten Karte. Im gegnerischen Strafraum tritt er seinem Gegner im Blickfeld des Schiedsrichters derart wuchtig und mit Absicht auf den Fuss, dass dieser keine andere Wahl hat, als den Kolumbianer des Feldes zu verweisen.

«Das darf nicht passieren. Damit schadet er sich selbst und der Mannschaft», so Wicky. Denn Balanta wird somit in St. Gallen gesperrt sein. Genauso wie Captain und Abwehrchef Marek Suchy, der gegen Lausanne mit Gelb-Rot vom Platz flog. Wicky muss schon richtig kreativ werden, um eine schlagkräftige Abwehr zusammenstellen zu können. Da verkommt es schon fast zur Randnotiz, dass auch Steffen gelbgesperrt fehlen wird.

Trotz Balantas Dummheit kriegt der FCB den Rank. Insbesondere auch dank der Einwechselung von Neuzugang Itten, der kurz nach seiner Einwechslung Verteidiger Delli Carli zu einer Notbremse zwingt. Wobei diese Aktion nicht alle gleich beurteilen. Chiasso-Trainer Guillermo Abascal: «Für mich ist das niemals Rot. Einer unserer Spieler steht zwei Meter neben dran.» Kurz darauf netzt Itten ein. Ganz knapp nicht im Offside stehend.

Das Glück ist für einmal mit dem FCB. Und so kann Wicky vorerst einmal tief durchatmen, ehe er sich Gedanken machen muss, wie er gegen St. Gallen verteidigen lassen will. Derweil stehen die alten Tessiner hinter der Tribüne, herzen ihren erst 28-jährigen spanischen Trainer Guillermo Abascal und freuen sich, dass man den Double-Gewinner arg in Bedrängnis bringen konnte. Mehr hat man hier in Chiasso gar nicht erwartet.

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