Radsport
Nach einem spannenden Rennen bemerkt niemand die Siegerin

Die Weissrussin Alena Amialiusik gewinnt den 9. Grand Prix Oberbaselbiet in Zunzgen vor Titelverteidigerin Hanka Kupfernagel. Die 24-Jährige konnte sich in der letzten Runde absetzen und kam parallel mit der Frauen B-Kategorie ins Ziel.

Patrick Pensa
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Alena Amialiusik (links) sprintet mit ihren vermeintlichen Gegnerinnen um den Sieg. Foto: Pensa

Alena Amialiusik (links) sprintet mit ihren vermeintlichen Gegnerinnen um den Sieg. Foto: Pensa

Nach acht Runden sprinteten die deutsche Titelverteidigerin Hanka Kupfernagel und die Schweizerin Linda Indergand der Ziellinie entgegen. Zur Verwunderung der Zuschauer war auf der letzten 7,9 Kilometer langen Runde aus dem Führungstrio ein Duo geworden. Die Weissrussin Alena Amialiusik fehlte. Sie fehlte aber nicht, weil sie abgehängt wurde. Sie fehlte, weil sie angegriffen hatte.

Sprint gegen falsche Gegnerinnen

20 Sekunden vor der deutschen Vorjahressiegerin sprintete sie zusammen mit der Spitzengruppe der zweiten Frauenkategorie, die eine Runde weniger absolvieren muss, um den Tagessieg. Und unterlag B-Kategorie-Siegerin Julia Scheidegger hauchdünn. So rauschte die eigentliche Tagessiegerin neben der Faust ballenden Scheidegger völlig unbemerkt an den Fotografen vorbei.

Aha-Erlebnis im Ziel

Auch die 24-jährige Weissrussin selbst merkte erst nach der Zieldurchfahrt, dass sie gegen drei bereits überrundete Fahrerinnen sprintete. «Ich habe beim Anstieg angegriffen. In der Abfahrt konnte ich dann vom Windschatten der anderen drei Fahrerinnen profitieren und wir haben im Anschluss gut zusammengearbeitet. Ich habe Julia Scheidegger wohl unbewusst zum Sieg verholfen», sagte Amialiusik.

Bestbesetztes Frauenrennen der Schweiz

Nachdem der letztjährige GP Oberbaselbiet im Schatten von Olympia mit einer durchschnittlichen Besetzung aufwarten konnte, so ist er in diesem Jahr das bestbesetzte Frauenrennen auf Schweizer Boden, wie OK-Präsident Andreas Wild informierte. Etwas mehr als einen Monat vor den Weltmeisterschaften in Florenz nutzten nicht weniger als sechs aktuelle Landesmeisterinnen den Rundkurs in Zunzgen als Formtest. Grosse Namen neben der mehrfachen Weltmeisterin Hanka Kupfernagel waren auch die deutsche Mountainbike-Olympiasiegerin von Peking Sabine Spitz sowie die 30-jährige Britin Emma Pooley, die 2012 im olympischen Zeitfahren in ihrer Heimat Sechste wurde, in der Schweiz lebt und an der ETH Zürich doktoriert.

Pooley mit Problemen

Nach ihrer Teilnahme am Ironman Zürich vor zwei Wochen plagten die Britin aber immer noch Magenprobleme, sodass sie nichts mit der Entscheidung zu tun hatte und sich ganz in den Dienst ihres Schweizer Bigla-Teams stellte. Diese Vorarbeit lohnte sich aber nicht, da sich ihre Teamkolleginnen, darunter auch die Fricktaler Zwillinge Sandra und Martina Weiss, uneinig waren. So vergrösserte sich der Vorsprung des Führungstrios, der von über einer Minute zwischenzeitlich auf 30 Sekunden schrumpfte, rasch wieder auf über eine Minute. Zu dieser Zeit ebenfalls nicht mehr im Feld befand sich Sabine Spitz, die in der fünften Runde einen Platten hatte. «Ausgerechnet im Aufstieg. Bis das Versorgungsauto kam, hatte ich bereits einen zu grossen Rückstand», sagte die MTB-Weltcup-Siegerin von Andorra, die sich auf die MTB-Weltmeisterschaft in drei Wochen vorbereitet.

Be-Pink-Equipe trumpft gross auf

So war es das italienische be pink-Team, für welches sowohl Schweizer Meisterin Doris Schweizer als auch die spätere Siegerin Alena Amialiusik fahren, welches für die Musik sorgte. Die Equipe fing mehrere Angriffe zweier brasilianischer Fahrerinnen ab und in der letzten Runde gelang es der Italienerin Noemi Cantele sich von den übrigen Verfolgerinnen abzusetzen. Noch bevor sie die Lücke zum Spitzentrio ganz schliessen konnte, folgte aber der Angriff ihrer Teamkollegin Amialiusik, sodass sie am Ende zwischen Spitze und Feld als Vierte ins Ziel kam.

Direkt von der Route de France

Beeindruckend an der starken Leistung der Weissrussin und ihrer Teamkolleginnen ist der Umstand, dass sie bis zum Vortag des GPs noch die einwöchige Route de France bestritten, welche Amialiusik als Gesamtfünfte beendete.

Verwundert, nicht überrascht

Vom Leistungspotenzial her überraschend kam der Sieg der 24-Jährigen in Zunzgen also nicht. Auch wenn beim Zieleinlauf zuerst alle Anwesenden verwundert schauten.

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