Schweizer Cup
Der FC Bubendorf verliert gegen den FC Sion mit 3:0, beweist aber sowohl auf als auch neben dem Platz Organisationstalent

Der FC Bubendorf verliert im Schweizer Cup gegen FC Sion mit 0:3, schlägt sich jedoch tapfer. Vor allem ein Spieler sticht aus einem gut organisierten Kollektiv heraus. Zum Schluss feiert das ganze Dorf verdientermassen.

Riccardo Ferraro
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Niklas Lindenthal ist eigentlich nicht der Stammgoalie. Heute machte er ein starkes Spiel und half so seinem Team.

Niklas Lindenthal ist eigentlich nicht der Stammgoalie. Heute machte er ein starkes Spiel und half so seinem Team.

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Empfangen werden die Zuschauer in Bubendorf von einer riesigen Baustelle. Lassen sie die aber hinter sich, ist deutlich zu hören, dass an diesem Samstag ein spezieller Tag ist. Die Musik führt die Bewohner und Gäste ganz automatisch auf das Brühl. Dort angekommen, ist der lokale Sportplatz fast nicht mehr zu erkennen: Tribünen stehen da, ebenso Verpflegungsstände, der Sicherheitsdienst und ein riesiger Medienlastwagen. Spätestens jetzt ist jedem klar – es ist Schweizer Cup.

Der Wettbewerb, in dem die grossen Vereine in die Provinz reisen und sich nicht blamieren möchten. Bei dem Maler und Informatiker gegen Berufsfussballer auf dem Platz stehen und einen unvergesslichen Tag erleben. Und es ist nicht zuletzt der Tag, an dem ein ganzes Dorf mit viel Aufwand ein riesiges Fest auf die Beine stellt. So auch in Bubendorf an diesem warmen Sommertag.

Die Helfer sind gut vorbereitet

Ist die Coronaschleuse absolviert, stehen den Besuchern diverse Verpflegungsstände zur Verfügung. Wo sonst Autos parken, riecht es nun nach Bratwurst. Viele helfende Hände sind im Einsatz. «Wir sind bereit und die Gäste dürfen kommen», meint ein Mitarbeiter am Grillstand. Dass er bei dreissig Grad Lufttemperatur hinter einem Grill steht, scheint ihm nichts auszumachen.

«Wir haben Platz für 3000 Leute. Wenn 2000 kommen sind wir glücklich»,

meint die Ticketverkäuferin, die in einer notdürftig errichteten Kasse sitzt. Am Ende werden es weniger. Und dennoch: Die 1521 Besuchenden bedeuten einen absoluten Rekord für den FC Bubendorf.

Im Hintergrund sind immer wieder Funksprüche zu hören. «Kannst du mal zum VIP-Bereich kommen?», ist da zu vernehmen. Oder: «Wir brauchen mehr Strom im Medienwagen». Es ist alles bestens organisiert und geplant. Die Organisatoren haben sogar soweit gedacht, dass am Eingang ein mobiler Geldautomat vorhanden ist. Es gibt keine Ausreden, das Fest nicht in vollen Zügen zu geniessen.

Auch die Fans sind bereit für das Spiel

Sportlich ist es ein grosser Tag für den FC Bubendorf. Mit dem FC Sion ist nämlich die Cupmannschaft schlechthin zu Gast. Und auch wenn nicht ganz alle Stammspieler dabei sind – Geoffroy Serey Dié beispielsweise macht Selfies mit den Zuschauern – steht eine starke Mannschaft auf dem Matchblatt.

Auf dem Kunstrasen im Brühl ist alles vorbereitet. Während die Platzhälfte der Bubendörfer mit Hütchen und Überziehleibchen vorbereitet ist, nehmen es die Walliser etwas lockerer. Man könnte beinahe den Eindruck bekommen, dass sie das Spiel nicht so ernst nehmen.

Die verteilten Fahnen wurden oft geschwungen. Der Funke ist vom Team auf die Zuschauer übergesprungen.

Die verteilten Fahnen wurden oft geschwungen. Der Funke ist vom Team auf die Zuschauer übergesprungen.

Juri Junkov / bz Zeitung für die Region

Etwa eine Stunde vor Anpfiff sind auch die Gästefans da. Die Lautstärke ihrer Gesänge lässt zu wünschen übrig. Erst als ein Heimfan mit einer nicht ganz jugendfreien Provokation gegen ebendiese Gästefans stichelt, erwachen sie und sind plötzlich deutlich zu hören. Auf den Rängen ist das Cupspiel lanciert.

Immer wieder hört man Jubelstürme. Das hat aber nichts mit der sich aufwärmenden Mannschaft zu tun. Vielmehr mit einem Nachbar oder einem Bekannten, der gerade eben im Stadion eingetroffen ist. Das will gebührend gefeiert werden. Auch das ist eben der Schweizer Cup.

Eine erzwungene Goalierochade

Es ist 17:45 Uhr und es folgt der grosse Auftritt des Musikvereins. Wahrend sich die Tribünen endgültig füllen, spielen die Musiker ihre Lieder und ernten dafür warmen Applaus. Die beiden Teams werden von einem Fahnenmeer begrüsst.

Mit ein paar Klasseparaden rettet Niklas Lindenthal seine Mannschaft. Hier im eins gegen eins mit Gaetan Karlen.

Mit ein paar Klasseparaden rettet Niklas Lindenthal seine Mannschaft. Hier im eins gegen eins mit Gaetan Karlen.

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Ganz besonders ist das Einlaufen für die Bubendörfer Pius Kaderli und Niklas Lindenthal. Während Kaderli seine Karriere eigentlich beenden wollte und für das eine grosse Spiel eine Ausnahme machte, konnte Lindenthal eigentlich nicht mit einem Stammplatz rechnen.

Der eigentliche Stammgoalie Clemens Hohl war aber für dieses Spiel gesperrt. Die rote Karte holte er sich im Frühjahr beim Abstiegsspiel gegen den FC Konolfingen in der 91. Minute. Bitter für Hohl, dass die Sperre saisonübergreifend für das nächste Spiel zählt und dieses dann ausgerechnet gegen den FC Sion stattfindet.

Die Bubendörfer verteidigen gemeinsam

Pünktlich um 18:00 Uhr wird das Spiel angepfiffen. Der FC Bubendorf beginnt gut und hat bereits nach dreissig Sekunden den ersten Eckball. In der vierten Minute zeigen die Gäste jedoch ihr Können auf eine eindrückliche Weise.

Eine Flanke kann Filip Stojilkovic annehmen und anstatt direkt zu schiessen, verlädt er Goalie Lindenthal und Verteidiger Stocker so, dass er dann locker einschieben kann. 0:1 nach nur vier Minuten – das hatten sich wohl alle anders vorgestellt. Zumindest diejenigen, die es mit Bubendorf halten.

Die Anfangsnervosität der Bubendörfer ist damit aber weg. Sie spielen, getragen von einem Publikum, das sie immer wieder anfeuert, mit dem scheinbar übermächtigen Gegner mit. Einer wächst dabei über sich hinaus: Niklas Lindenthal. Der Torhüter ist zwar stark beschäftigt, kann aber seine Qualitäten immer wieder unter Beweis stellen.

Voller Einsatz mit allem was in den Spielern steckt. Sandro Mundschin beispielsweise grätscht und kämpft um jeden Ball.

Voller Einsatz mit allem was in den Spielern steckt. Sandro Mundschin beispielsweise grätscht und kämpft um jeden Ball.

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Beispielsweise in der siebten Minute gegen Stojilkovic, oder in der zwölf Minuten danach gegen Karlen. Manchmal ist er auch etwas ungestüm und rasselt mit dem Gegner zusammen. Matteo Tosetti ist der Leidtragende und muss vom Platz.

Spielerisch kann der FC Bubendorf nicht mithalten, sie setzen aber immer wieder Nadelstiche und versuchen mit Kontern in die gegnerische Hälfte zu kommen. Jede Grätsche wird von den Zuschauern dabei laut beklatscht und wenn es kein Foul war sogar bejubelt.

Und was macht eigentlich Pius Kaderli? Er hält die Abwehr der Bubendörfer zusammen, dirigiert und stellt die Abseitsfalle oft richtig – bis zur 34. Minute. Einen weiten Ball von Sandro Theler unterläuft Kaderli, Karlen steht hinter ihm frei und kann auch Lindenthal überwinden. So steht es 0:2 für den Favoriten aus dem Wallis.

Kurz vor der Pause wird es dann richtig laut im Stadion. Ein Handspiel wollen die Fans gesehen haben. Dieses wird nicht gepfiffen. Stattdessen gibt es einen Konter. Lindenthal ist aber einmal mehr zur Stelle und gewinnt das Duell mit dem Stürmer. Es bleibt beim 0:2.

Die zweite Halbzeit ist geprägt von anrennenden Wallisern und kämpfenden Bubendörfern. In jeden Schuss wirft sich ein Spieler und wenn der Schuss dann doch durchkommt oder sich die Profis durchkombinieren, ist Lindenthal da und entschärft alles, was auf seinen Kasten kommt.

Es klappt dann aber doch noch mit dem 3:0 aus Walliser Sicht. In der 74. Minute weiss Lindenthal für einmal nicht, ob er herauskommen oder auf der Linie bleiben soll und gibt zwei Sittenern so die Zeit ihn zu bezwingen. Das 0:3 von Roberts Uldrikis setzt den Schlusspunkt unter das Spiel.

Mit dem Abpfiff beginnt das Fest

Trotz der Niederlage hat sich das Team, und allen voran Lindenthal, beachtlich geschlagen. Das wird mit einem langen Applaus honoriert.

«Ihr habt alles gegeben in diesem Hexenkessel. Der Verein ist stolz auf euch – nun habt ihr ein Bierli verdient»,

sagt der Speaker ins Mikrofon. Die Mannschaft vereint sich im Mittelkreis und bedankt sich bei den Fans. Umarmungen mit den Liebsten, Selfies und verschenkte Trikots prägen die Minuten nach dem Abpfiff.

Nach dem Match ist vor der Party. Die Festmeile öffnet und die Zuschauer können nun auf ihr toll organisiertes Fest und ihre stark aufspielende Mannschaft anstossen. Genau das macht eben den Schweizer Cup besonders.

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