Super League
Ein Kunstwerk als Lucky Punch: Der FCB gewinnt in Sion in allerletzter Minute

Der FC Basel hat in Sion lange Zeit Mühe und ist kurz vor Schluss aufgrund einer roten Karte gegen Eray Cömert auch noch in Unterzahl. Doch dank eines Traumtors von Edon Zhegrova siegt er mit 1:0 und bleibt Leader.

Simon Leser
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Der entscheidende Moment: Edon Zhegrova zirkelt in der 90. Minute den Ball zum 1:0 in den Winkel.

Der entscheidende Moment: Edon Zhegrova zirkelt in der 90. Minute den Ball zum 1:0 in den Winkel.

Ungläubigkeit. Dieses Wort beschreibt das Gefühl am besten, das kurz vor Spielende im Tourbillon allseits wahrzunehmen ist. Ungläubigkeit darüber, was Edon Zhegrova in der 90. Minute mit dem Ball ausführt, zu einem Zeitpunkt, zu dem der FC Basel mit einem Unentschieden gegen den FC Sion als Endresultat zufrieden sein müsste. Der Kosovare erhält den Ball an der rechten Seitenauslinie, zieht in seiner bekannten Manier nach innen, der Ball dicht an seinem Fuss, und schiesst. Sekunden später schlägt er im linken Torwinkel ein. Zhe­grova, in dieser Saison wochenlang verletzt, rennt zu der Bank und feiert. Über sein Traumtor, sein ganz persönliches Kunstwerk. Über den 1:0-Sieg im Wallis. Denn kurz nach seinem Lucky Punch ist das Spiel zu Ende. Dass der FCB tatsächlich drei Punkte mit nach Hause bringt, auch darüber herrscht ein bisschen Ungläubigkeit.

Nur zwei Minuten vor Zhe­grovas Prachtstor ist es nämlich ganz und gar nicht klar, dass der FC Basel dieses erste Spiel des zweiten Saisonquartals gegen Sion gewinnen würde. Denn nachdem Eray Cömert als hinterster Mann Sion-Stürmer Filip Stojilkovic umreisst, gibt Schiedsrichter Luca Cibelli zwar zuerst die gelbe, nach einem Hinweis des Videoschiedsrichters aber die rote Karte. Es ist der vorläufige Basler Tiefpunkt in einem Spiel gegen ein Sion, das unter dem neuen Trainer Paolo Tramezzani besonders motiviert kämpft, wie erwartet zäh ist. Kein Vergleich zum ersten Saisonduell der beiden Mannschaften, als entfesselte Basler inferiore Sittener mit 6:1 aus dem Joggeli fegten.

5:0 für den FCB stand es damals am Nationalfeiertag bereits nach der Pause. Zweieinhalb Monate später schiesst das Team von Patrick Rahmen erstmals nach 52 Minuten auf das Sittener Gehäuse. Vor allem in der ersten Halbzeit hat der FCB, wie schon zuletzt gegen Luzern vor der Natipause, Mühe, sich Chancen zu erspielen. Eine solche gibt es in den ersten 45 Minuten nicht, ebenso wenig wie einen Torschuss. Dafür fehlen die direkten Kombinationen, die Vertikalpässe und die Präsenz im gegnerischen Strafraum nach eigenen Flanken. «Wir hatten zu viele zu einfache Ballverluste», sagt FCB-Trainer Patrick Rahmen.

Heinz Lindner macht den VAR obsolet

Es ist nicht so, dass dafür Sion verantwortlich wäre, in dem es sich um den eigenen Strafraum verschanzen würde. Vielmehr sind die Sittener aktiver. Und weil Stojilkovic in der 33. Minute vor Heinz Lindner an dessen starken Reaktion scheitert, sind sie auch gefährlicher. Dass Stojil­kovics Aktion als Abseits gewertet wird, ändert daran wenig, denn wahrscheinlich wäre der Entscheid vom Videoschiedsrichter zurückgenommen worden. Doch Lindner, wieder mal er, der sich seit Wochen in absoluter Topform befindet, macht den VAR obsolet.

Nach der Pause wird das Spiel attraktiver. Nicht, dass es Torchancen im Minutentakt geben würde. Doch der FCB schafft es, zumindest in einen Bereich des Feldes vorzustossen, den er vor der Pause noch grösstenteils von der Ferne begutachtete: in den Strafraum Sions. Zweimal ist es Kasami, der es verpasst, die Gäste in Führung zu bringen. Zuerst, in der 52. Minute beim ersten FCB-Torschuss, ist es noch ungefährlich; dann, zwölf Minuten später, ist seine Direktabnahme nach einer Ecke schon zwingender. Auf der anderen Seite steht der FCB zumeist kompakt. Gegen ein Heimteam, das zwar bemüht ist, das aber spielerisch seine Mängel auch nicht zu jeder Zeit kaschieren kann. Richtig gefordert ist Lindner nur noch, als Baltazar Costa in der 53. Minute direkt auf ihn zielt.

Dass der FCB dieses Spiel, in dem er sich in 90 Minuten nur drei Torschüsse erarbeitet, gewinnt, ist eine Qualität, die gefragt ist, um bis zum Schluss um die Meisterschaft mitkämpfen zu können. Es ist die Qualität, das Glück zu erzwingen. «Es geht nur über die Kampfkraft und die Solidarität», so Rahmen. Ob der Sieg verdient ist und ob die Basler ihn mehr wollten als die Sittener, wie der FCB-Trainer konstatiert, sei da dahingestellt. Viel entscheidender ist, dass der FCB mit den drei Punkten Leader bleibt und gleichzeitig YB um vier Zähler distanziert. Dass dies in Sion gelingt, liegt in erster Linie an Zhegrovas Geniestreich.

Telegramm

FC Sion – FC Basel 0:1 (0:0).

Stade de Tourbillon. – 8'350 Zuschauer. – SR Luca Cibelli.
Tor: 90. Zhegrova 0:1 (Palacios).

Sion: Fickentscher; Cavaré, Saintini, Ndoye Birama, Marquinhos; Baltazar, Zuffi, Grgic (82. Keita); Tosetti (67. Wesley), Stojilkovic, Itaitinga (69. Adryan).

Basel: Lindner; Lopez (91. Lopez), Cömert, Pelmard, Tavares; Xhaka, Quintilla (64. Palacios); Ndoye (77. Millar), Frei, Stocker (64. Zhegrova); Kasami (77. Cabral).

Bemerkungen: FCB ohne Esposito, Petretta, Males, Cardoso, Padula (alle verletzt). Ersatzbank FCB: Gebhardt, Cabral, Lang, Millar, Burger, Tushi, Palacios, Fernandes, Zhegrova. Verwarnungen: 27. Baltazar (Foul). 38. Xhaka (Foul). 45. Cavaré (Foul). 76. Wesley (Foul). Rot: 88. Cömert (Foul).

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