Als er am Freitag mit dem Velo zum Trainingsplatz fährt, pfeift Raoul Petretta wohl unbewusst eine Melodie, die besser nicht passen könnte: Es ist der Refrain von «Always look on the bright side of life», schaue immer auf die schönen Seiten des Lebens. Der FCB-Mannschaft ist beim Abschlusstraining vor der ersten Cuprunde am Samstag beim Zweitligisten in Pully, VD, nichts vom Donnerstagabend-Schock anzumerken. Dort teilte Ricky van Wolfswinkel in einer Videobotschaft mit, dass bei ihm ein Aneurysma im Gehirn entdeckt wurde und dass dieser «Ballon» in den nächsten Tagen mit einem Eingriff entfernt werden muss.

Es war keine leichte Entscheidung für den Holländer. Solange diese arterielle Erweiterung nicht platzt, bleibt ein Aneurysma meist symptomlos. Platzt es aber, besteht durch die Blutungen Lebensgefahr. Van Wolfswinkel hat sich bewusst ein paar Tage Zeit genommen. Er will nicht mit der Angst leben und hat sich deswegen für einen Eingriff entschieden.

Dabei handelt es sich nicht um eine Operation am offenen Kopf. Die Ärzte werden das Aneurysma in van Wolfwinkels Gehirn über die Blutbahn ansteuern und behandeln. «Das Wichtigste ist, dass alles optimal verläuft und Ricky zurückkehren kann», sagt Marcel Koller. Mindestens sechs Monate muss der FCB-Trainer auf seinen Stürmer verzichten. Ob er überhaupt jemals wieder der Alte wird, lässt sich erst nach dem Eingriff sagen.

Koller möchte einen neuen Stürmer

Van Wolfswinkel ist verletzt, Albian Ajeti wurde verkauft und Kemal Ademi steht nach einem Schlag auf die Kniescheibe vorerst auch nicht zur Verfügung. Der einzige fitte Stürmer ist aktuell Afimico Pululu. Mit Tician Tushi kehrt ein Nachwuchstalent nächste Woche zurück ins Team. Koller muss lachen, als er auf die Stürmersituation angesprochen wird. «Innerhalb zwei Tagen sind uns plus/minus 30 Tore weggefallen», sagt er. Klar, dass bei dieser Personalnot die Gespräche in der Transferkommission des FCB laufen. «Wir reden über Transfers, aber eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Am Ende muss der Präsident sagen, ob wir das machen oder nicht», so Koller.

Kuzmanovic und Xhaka sind im Cup einsatzfähig

Das Ausscheiden gegen den LASK, Transfer- und Verletzungssorgen. Bei all den Nebenschauplätzen ist es für den FCB nicht einfach, den Fokus auf das Cupspiel am Samstag 17 Uhr in Pully zu richten. Doch Marcel Koller hat alles versucht, damit sein Team gut vorbereitet in das Duell gegen die Amateure geht. Zwei Spiele hat er beobachten lassen und seinen Spielern die wichtigsten Szenen auf Video gezeigt. «Das gehört zur Professionalität dazu. Ich fühle mich besser, wenn ich weiss, was auf uns zukommt», sagt Koller.

Der FCB muss in Pully auf den gesperrten Eder Balanta verzichten. Dafür sind Taulant Xhaka und Zdravo Kuzmanovic wieder einsatzfähig. In den letzten zwanzig Jahren ist der FCB nie in der ersten Runde gescheitert. Nur 2013 gegen OB wurde es knapp, der FCB musste in die Verlängerung. «Das ist reine Einstellungssache», sagt Koller.

Als Spieler wäre der Zürcher mit GC einmal beinahe in Runde 1 gescheitert. 1993 beim FC Freienbach. «Die sind dreimal allein aufs Tor gelaufen, wir hatten so Dusel», sagt Koller heute. Doch dann traf Giovane Elber, GC gewann mit 2:0 und das Koller-Team wurde Cupsieger. Always look on the bright side of life.