Super League
Baustelle Innenverteidigung: Das Spitzenspiel bei YB offenbart, wo es beim FCB schon länger hakt

Wouter Burgers Platzverweis ist der Schlüsselmoment für den FC Basel im Spitzenspiel gegen YB. Und es offenbart ein Problem, das der FCB schon länger hat.

Céline Feller aus Bern
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Der Moment, in dem das Spiel kippt: Wouter Burger foult Vicent Sierro und sieht zum zweiten Mal Gelb.

Der Moment, in dem das Spiel kippt: Wouter Burger foult Vicent Sierro und sieht zum zweiten Mal Gelb.

Sechs Minuten. So kurz ist die Zeit zwischen erster und zweiter Gelber Karte für Wouter Burger. Es sind diese Minuten, welche die Partie für den FC Basel in andere Bahnen lenken. Denn nach Karte Nummer 2 fliegt Burger in der 60. Minute vom Platz, der FCB ist lange in Unterzahl. Es ist jene Phase, in der YB die zwei Tore zum Sieg schiesst.

Dass es ausgerechnet Burger ist, passt ein bisschen zum FC Basel der Saison 2021/22. Zu einem FCB, dessen Baustelle schon länger Innenverteidigung heisst. Bereits in der Hinrunde war die zentrale Abwehr nicht optimal besetzt, oft musste Fabian Frei eine Reihe weiter hinten aushelfen.

Es war eine Notlösung, auch wenn Frei so gut mit Neuzugang Andy Pelmard harmonierte, dass man sich dieses Duo durchaus längerfristig gemeinsam hätte vorstellen können. Aber es war nie die Idee, Frei länger als nötig in der Abwehr einzusetzen. Schliesslicht hat der FCB mit Nasser Djiga ein Talent in seinen Reihen. Aber just dieser Djiga war es, der in der Vorwoche mit einem Foul 21 Sekunden nach seiner Einwechslung dem Team am Ende den Sieg gegen Sion kostete.

Mangelnde Stabilität seit Alderetes Abgang

Nicht nur aufgrund der jüngsten Eindrücke, sondern auch als ein Eray Cömert noch im Kader war oder im Sommer auch ein Timm Klose, war man sich bei der neuen Führung sicher, dass auf dieser Position Handlungsbedarf besteht. Weil sowohl Klose vergangene Saison als auch Cömert in seinem letzten Halbjahr immer wieder Patzer drin hatten und Punkte kosteten. Vielleicht ist es auch gar nicht falsch, wenn man sagt, dass der FCB seit dem Abgang Omar Alderetes zu Hertha Berlin (mittlerweile spielt er mit Cömert bei Valencia) in der zentralen Abwehr wacklig ist.

Der FCB sucht weiter nach der optimalen Lösung. Zur Erinnerung: Das Transferfenster schliesst am Dienstag. Vorige Woche kamen Gerüchte über ein Basler Interesse an Frederik Jäkel (RB Leipzig, ausgeliehen nach Oostende) auf. Dieser soll jedoch abgesagt haben. Den FCB-Verantwortlichen läuft also die Zeit davon. Eine Hauruck-Aktion werde es aber nicht geben, betonte Kaderplaner Philipp Kaufmann letzte Woche gegenüber dieser Zeitung.

Man könnte sich nun, da der FCB zwölf Punkte Rückstand auf den FCZ aufweist, durchaus auch fragen: Brauchen die Basler wirklich noch einen neuen Innenverteidiger? Und einen Stürmer? Auch Letzterer war ja angekündigt.

Für die Verpflichtung einer kurzfristigen Lösung für die Baustelle Innenverteidigung sprächen ein paar Aspekte. Doch der potenzielle Zuzug müsste sofort funktionieren. Denn entwicklungsfähige Innenverteidigertalente hat der FCB bereits drei im Kader. Wouter Burger machte seine Sache in der Vorbereitung und in der Rückrunde bis zum Platzverweis ganz gut. Und auch Nasser Djiga und Albian Hajdari könnten sich bei regelmässiger Spielzeit zu den Abwehrsäulen entwickeln, die der FCB in Zukunft braucht.

Für den Fall der Fälle gäbe es aber noch Frei. Der könnte beispielsweise in der Conference League spielen, wo es um den wohl letztmöglichen Titel für die Basler geht. Denn jener in der Meisterschaft ist nach den kapitalen sechs Minuten des Wouter Burger in weite Ferne gerückt.