Ski alpin
Beat Feuz gehört in der Abfahrt zu den Favoriten, da er zu Aussergewöhnlichem fähig ist

Der Emmentaler ist wohl einer der unberechenbarsten Fahrer im Ski-Weltcup. Trotz der enorm hohen Anzahl an Verletzungen ist in jedem Rennen, in dem Feuz an den Start geht, mit einer Klassierung weit vorne zu rechnen. Deshalb gehört auch am Samstag in der Lauberhorn-Abfahrt zu den Favoriten.

Martin Probst
Drucken
Beat Feuz fühlte sich seit seinem Infekt noch nie besser wie in dieser Saison.

Beat Feuz fühlte sich seit seinem Infekt noch nie besser wie in dieser Saison.

Keystone

In Val d’Isère wurde der Speaker bei der Fahrt von Beat Feuz im ersten Training euphorisch. «Er hat Füsse wie ein Klavierspieler!» Sinn macht das nicht. Es sind die Hände, die den Musiker auszeichnen und der Redewendung erst Sinn geben.

Bei Feuz aber liegt das Gefühl in den Beinen. Er hat ein Gespür für den Schnee, für die schnelle Linie, wie es ein Pianist für Noten und Töne hat. Das war es, was der Speaker mit seiner speziellen Wortwahl eigentlich meinte. Füsse wie ein Ballett-Tänzer würde passen.

Feuz ist aussergewöhnlich. Das beweist er immer wieder. Vor einem Jahr ist er nach einem Teilriss der Achillessehne, ohne nur einmal auf Abfahrtski trainiert zu haben, nach Wengen gereist und hat am Lauberhorn beim Comeback Rang 11 belegt.

Alle Sieger der Lauberhornabfahrt seit 1997:

Lauberhornabfahrt: Alle Sieger seit 1997 1997: Kristian Ghedina (Italien)
18 Bilder
1998: Hermann Maier (Österreich)
1999: Lasse Kjus (Norwegen)
2000: Josef Strobl (Österreich)
2002: Stephan Eberharter (Österreich)
2003: Stephan Eberharter (Österreich)
2005: Michael Walchhofer (Österreich)
2006: Daron Rahlves (USA)
2007: Bode Miller (USA)
2008: Bode Miller (USA)
2009: Didier Défago (Schweiz)
2010: Carlo Janka (Schweiz)
2011: Klaus Kröll (Österreich)
2012: Beat Feuz (Schweiz)
2013: Christian Innerhofer (Italien)
2014: Patrick Küng (Schweiz)
2015: Hannes Reichelt (Österreich)
2016: Aksel Lund Svindal (Norwegen)

Lauberhornabfahrt: Alle Sieger seit 1997 1997: Kristian Ghedina (Italien)

Keystone

Nur eine Woche später stand er in Kitzbühel auf dem Podest. Dies gelang ihm in der Folge noch zweimal, ehe er bei der WM-Hauptprobe in St. Moritz die Abfahrt und den Super-G gewann. So sehr er die Fans damit erstaunte, die Konkurrenten waren sich unisono einig, dass dies typisch Feuz sei.

Eine zweite Chance

Von Intuition war oft die Rede. Von der seltenen Fähigkeit, Dinge zu beherrschen, ohne viel zu üben. Talent statt Krampf. «Ich selbst war überrascht, wie schnell ich zurück bei den Besten war», sagt Feuz ein Jahr später bei der Rückkehr nach Wengen. Obwohl er sich bewusst ist, dass ihm das Aussergewöhnliche oft gelingt.

Doch was ist bei Feuz schon normal? Er wurde öfter am Knie operiert, als er im Weltcup siegte und nach einer Infektion war einst gar ungewiss, ob der Emmentaler je wieder Ski fahren kann.

Seither spricht er von einer zweiten Chance. Von einem zweiten Leben als Skifahrer, in dem zwar nicht mehr alles, aber vieles möglich ist. 2012, im ersten Profi-Leben, hätte Feuz beinahe den Gesamtweltcup gewonnen. Nur 25 Punkte fehlten in der Endabrechnung auf den Österreicher Marcel Hirscher.

Heute, im zweiten Profileben, lässt es sein Knie nicht immer zu, auf höchstem Niveau zu fahren. Aber in wichtigen Rennen kann er der Schnellste sein.

Immer dann, wenn ihn sein Gefühl und seine Leichtigkeit ins Ziel tragen. «Ich bin schon als Favorit bei Rennen gestartet und habe gewonnen. Aber ich habe auch gewonnen, wenn niemand etwas von mir erwartet hat.» Es ist selbst für ihn nicht mehr alles planbar. Weil da immer die Ungewissheit der körperlichen Verfassung ist.

 Feuz hatte es nie leicht mit all seinen Verletzungen.

Feuz hatte es nie leicht mit all seinen Verletzungen.

AP

Die aktuelle Saison verläuft diesbezüglich gut. Nie habe er sich seit dem Infekt besser gefühlt. Trotz drei Wochen Pause im Herbst mit einer schweren Mittelohrentzündung, trotz einer Gesichtslähmung zu Beginn der Saison.

Die Resultate aber sind verhalten. Ihm gelang erst eine Top-10-Klassierung in sechs Rennen. «Ich mache noch zu viele Fehler», sagt er. «Und bin trotzdem nahe dran.» Das stimmt den 29-Jährigen positiv. «Jetzt kommen die wichtigen Rennen», sagt er. Die Abfahrt am Lauberhorn am Samstag, dann Kitzbühel und im Februar die WM.

Warten auf den grossen Auftritt

Wenn es auf die grosse Bühne geht, ist Beat Feuz immer am besten. Dann fährt er intuitiv. «Ich bin zuversichtlich, dass es klappt. Wenn nicht in Wengen, dann in Kitzbühel. Wenn nicht in Kitzbühel dann an der WM.»

Die Saison beginnt für Feuz eigentlich erst jetzt. Und weil er weiss, dass er seine Reserven gezielt einsetzen muss, verzichtet er am Freitag auf die Kombi in Wengen. Er wartet auf den grossen Auftritt.

Aktuelle Nachrichten