Orientierungslauf
Beim Weltcupfinale in Aarau startete die Schweiz in der Sprintstaffel erstmals mit dem absoluten «Dream-Team»

Die Schweiz dominiert zum Auftakt des Weltcupfinals die Mixed-Sprintstaffel nach Belieben: Die drei Schweizer Vierer-Mannschaften beendeten das Rennen innerhalb der ersten vier Plätze. Die Geschichte zur jünngsten OL-Disziplin, die zusehends an Bedeutung gewinnt.

Rainer Sommerhalder
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Daniel Hubmann, mit 33 Jahren erstmals für die Sprintstaffel im Einsatz. Steinegger

Daniel Hubmann, mit 33 Jahren erstmals für die Sprintstaffel im Einsatz. Steinegger

Orientierungslauf ist, wenn die Schweiz gewinnt. Das war gestern beim Heimspiel in Aarau erwartungsgemäss nicht anders. Die Plätze 1, 3 und 4 für die drei Schweizer Staffeln unterstreichen die Dominanz. Wieso sollte es nicht so sein, schliesslich wartete die stärkste OL-Nation beim Weltcupfinal mit einer Premiere auf. Sie schickte mit Rahel Friederich, Matthias Kyburz, Daniel Hubmann und Judith Wyder die stärkst mögliche Equipe ins Rennen. Das eigentliche «Dream-Team» des Schweizer OL-Sports.

Was auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint, kam an den bisherigen drei Weltmeisterschaften der jüngsten OL-Disziplin nie zum Tragen. An den Frauen lag es nicht. Die bewährte Startläuferin Friederich und die Schweizer Nummer 1 Wyder standen immer bereit. «Ich liebe die Sprintstaffel», sagt die zweifache Silbermedaillengewinnerin der diesjährigen Weltmeisterschaften. Wyder lässt keine Zweifel offen, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Dafür nimmt die 28-Jährige an Welttitelkämpfen jeweils ein Mammutprogramm auf sich.

Hubmann verzichtete freiwillig

Anders sieht die Situation bei den Männern aus. Der sechsfache Weltmeister Daniel Hubmann stellte sich in Aarau erstmals zur Verfügung. Er gibt zu, dass diese Disziplin für ihn «am wenigsten Wert» hat. Die Einzeldisziplinen an der WM sind mir wichtiger und alle fünf Finalrennen zu bestreiten, ist zu viel», sagt der 33-jährige OL-Profi. Als Grund, bisher immer freiwillig auf die Selektion für die Sprint-Staffel verzichtet zu haben, nennt der beste Schweizer Orientierungsläufer aller Zeiten neben der kleinen Bedeutung auch die Tatsache, dass man den Erfolg in der Staffel nicht nur in den eigenen Händen hat. «Es kann einem der vier Läufer unterwegs immer etwas passieren. Ich bevorzuge die Situation, in der ich allein verantwortlich für den Erfolg bin.»

Ins gleiche Horn bläst Matthias Kyburz, der voraussichtliche Gesamtweltcupsieger. Er gewann zwar 2014 bei der WM-Premiere der Sprintstaffel in Italien auf Anhieb die Goldmedaille, musste dann aber ein Jahr später machtlos mit ansehen, wie Schlussläuferin Judith Wyder in Führung liegend unterwegs dramatisch kollabierte und schliesslich als Vierte neben den Medaillen ins Ziel torkelte.

Weltklasse-Orientierungsläuferin Judith Wyder sprang gewissermassen in die Fussstapfen von Simone Niggli, ehe sie in der letzten Saison mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte.

Weltklasse-Orientierungsläuferin Judith Wyder sprang gewissermassen in die Fussstapfen von Simone Niggli, ehe sie in der letzten Saison mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte.

Simon Vogt

«Damals hatte ich zugunsten der Staffel extra auf den Einzelsprint verzichtet, wo ich zu den grossen Medaillenanwärtern gehört hätte. Es war ein schlechter Tausch.» Auch Kyburz bevorzugt es, wenn er den Ausgang des Rennens «in den eigenen Händen halten kann». Es gehöre zwar emotional zum Schönsten im Sport, wenn man einen Sieg mit den Teamkollegen teilen könne, aber in diesem Sommer sei für ihn sofort klar gewesen, dass er an der Weltmeisterschaft in Schweden die Sprintstaffel sausen lässt. Auch wenn er und Hubmann im Team den Ausnahmestatus haben, ihr WM-Wunschprogramm selber zusammenstellen zu dürfen.

Sprintstaffel wird aufgewertet

Hubmann und Kyburz sind sich einig, dass die Sprintstaffel mit der Trennung der Weltmeisterschaften in eine Wald-WM und eine Sprint-WM in bewohntem Gebiet im jeweiligen 2-Jahres-Rhythmus ab 2018 deutlich aufgewertet wird. «Es wird dannzumal die einzige Staffel im Programm sein und ich bin mir sicher, dass sich alle Topläufer für ihr Team qualifizieren wollen», sagt Matthias Kyburz. Erst recht, weil an Weltmeisterschaften im Gegensatz zum Weltcup nur eine Staffel pro Nation startberechtigt ist.

Gestern hätte sich die chancenlose Konkurrenz gewünscht, ihr wäre wenigstens nur ein Dress mit dem Schweizer Kreuz um die Ohren gelaufen. Nur Schweden brach in die Phalanx der Schweizer ein, die sich bis zum Start von Schlussläuferin Judith Wyder noch ein teaminternes Duell um den Tagessieg lieferten. Nachdem Rahel Friederich die Startstrecke erst als elftbeste Läuferin beendet hatte, starteten die beiden Schweizer «WM-Verweigerer» Kyburz und Hubmann zur grossen Aufholjagd, sodass Wyder gleichzeitig mit Landsfrau Sabine Hauswirth und der schwedischen OL-Legende Helena Jansson auf die Strecke ging. Die Bernerin schlug von Beginn an ein horrendes Tempo an, welchem die letzten beiden Begleiterinnen nicht zu folgen vermochten. Sie habe sich sowohl gefreut wie verpflichtet gefühlt, «wenn ich schon mal zusammen mit Daniel Hubmann starten kann», sagte die Sprintweltmeisterin von 2014 im Ziel. So sind eben die Ansprüche eines «Dream- Teams».

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