Blamage im Cup
Rahmen verpokert sich: So kam es zur 0:1-Schmach gegen das drittklassige Etoile Carouge

Der FC Basel kassiert in Carouge die erste nationale Saison-Niederlage und fliegt völlig überraschend aus dem Cup. Wie es zu dieser historischen Niederlage kam, hat gleich mehrere Gründe.

Simon Leser aus Carouge
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Enttäuschte Basler schlendern von dannen. Noch nie hat der FCB im Cup gegen einen Drittklassigen verloren.

Enttäuschte Basler schlendern von dannen. Noch nie hat der FCB im Cup gegen einen Drittklassigen verloren.

Das Stade de Fontenette ist ein unscheinbares Stadion, so kurz vor den Toren der Grossstadt Genf liegend, direkt neben einem Schwimmbad und dem Fluss Arve. Doch wenn der FC Basel nach Carouge in dieses Stadion, mit Kunstrasen und einer Haupttribüne ausgestattet, reist, wird das Stade de la Fontenette zu einem Ort, an dem Geschichten geschrieben werden, von denen man Jahre später noch erzählt. Weil Magisches passiert ist. Denkwürdiges.

Am 3. Mai 1994 war das letztmals der Fall, als der FCB nach Jahren in den Niederungen der Nationalliga B wieder in die höchste Schweizer Spielklasse aufstieg, dank eines 1:1, errungen auswärts in Carouge. Gestern, am 27. Oktober 2021, 27 Jahre nach dieser aus Basler Sicht magischen Nacht, gibt es eine Wiederholung. Eine jedoch mit völlig umgekehrten Vorzeichen. Denn das kleine Etoile Carouge, das sich sonst in der Promotion League mit der U21 des FC Basel und den Black Stars misst und dort nur an elfter Position liegt, kegelt tatsächlich im Achtelfinale die Profis des FCB aus dem Schweizer Cup. Mit viel Willen, Mut und einem einzigen Tor, das zu diesem Sieg genügt.

Auf der anderen Seite gibt es für den FCB, 27 Jahre nach dem Aufstieg, eine Blamage, die sich so überhaupt nicht abgezeichnet hatte. «Unter dem Strich war das heute zu wenig. Wir sind gegen einen Gegner ausgeschieden, gegen den das nicht passieren dürfte», sagt FCB-Trainer Patrick Rahmen konsterniert. Der Leader der Super League, in dieser Saison national noch ungeschlagen, kassiert die erste Saisonniederlage auf Schweizer Boden gegen einen Drittligisten. «Die Mannschaft ist niedergeschlagen, gewisse haben auch Tränen in den Augen. Aber wir müssen alle mit dieser Niederlage umgehen können», gibt Rahmen einen Einblick in die Gefühlslage.

Rahmen korrigiert in der Pause den Systemwechsel

Dass dieser sternenklare Abend im südwestlichsten Zipfel der Schweiz für den FCB in einem Fiasko endet, liegt an der 52. Minute. Zuerst scheitert Babacar Dia nochn FCB-Cup-Torhüter Felix Gebhardt, doch dann kann Romain Kursner den Abpraller zum 1:0 verwerten. Erstmals wird die Sensation fassbar, vorstellbar. Natürlich, der FC Basel hat mehr Chancen als das Heimteam, das zwei Ligen tiefer ansässig ist. Vor allem in der 15. Minute müsste Dan Ndoye frei vor Carouge-Torhüter Damien Chappot die Basler Führung erzielen. Aber weil Ndoye daneben schiesst und auch nach 29 Minuten einen Kopfball nicht im Tor unterbringt, bleibt es zäh.

Und bereits in der ersten Halbzeit hat der FCB Glück, nicht in Rückstand geraten, als Nassim Zoukit erst sieht, dass Gebhardt weit vor dem Tor positioniert ist und dann aus der eigenen Platzhälfte die Oberkante der Latte trifft.

Das Telegramm

Carouge - Basel 1:0 (0:0)

Stade de la Fontenette. – 3000 Zuschauer. – SR Sven Wolfensberger. – Tore: 52. Kursner 1:0 (Dia).
Carouge: Chappot; Baddy Dega, Dia, Magnin, Kursner; Zoukit (91. Gomis), Chappuis; Delley (66. Titié), Mettler (81. Mbaki), Konan; Boussaha (91. Mfuyi).
Basel: Gebhardt; López, Cömert, Djiga, Tavares (46. Pelmard); Quintillà (69. Fernandes), Kasami; Ndoye (69. Cabral), Palacios, Stocker (69. Millar); Males (80. Frei).
Bemerkungen: Basel ohne Xhaka, Esposito, Petretta und Padula (alle verletzt), Zhegrova (kein Aufgebot). – Verwarnungen: 39. Magnin. 51. Baddy. 56. Males, 56. Zoukit. 63. Pelmard. 74. Mettler. 75. Boussaha. 83. Kursner.– 23. Heber von Zoukit aus 50 Metern an die Latte. 58. Kursner klärt auf der Linie nach Kopfball von Cömert.

Der FCB kann nicht verbergen, dass das ungewohnte Raute-System mit zwei Stürmern und dafür keinen wirklichen Aussenläufern bisher noch kaum erprobt wurde. Es führt dazu, dass Rahmen nach der Pause wieder auf das gewohnte 4-2-3-1-System zurückgreift. Doch als Ausrede will der Trainer das nicht gelten lassen. «Es war keine Frage der Ausrichtung. Wir hatten grundsätzlich zu viele Fehler im Spiel.»

In der zweiten Halbzeit hat der FC Basel zwar genügend Chancen, das Spiel nach dem Gegentor wieder auszugleichen. Eray Cömerts Kopfball wird auf der Linie geklärt, Valentin Stockers Schuss geht daneben, der Kopfball des eingewechselten Arthur Cabral wird abgewehrt. Doch Chancen im Minutentakt gibt es keine. Erst ganz am Schluss, tief in der Nachspielzeit, bäumt sich der FCB nochmals vehement gegen die Sensation auf. Doch auch Cabrals Seitfallzieher wird vom starken Chappot pariert. «Das einzige, das wir bemängeln müssen, ist die fehlende Effizienz», meint Eray Cömert und sein Trainer ergänzt: «Carouge hat sich das Glück mit viel Leidenschaft erkämpft.»

Der FC Basel verfehlt das erste Saisonziel

Ob Glück oder fehlende Effizient: Die 0:1-Niederlage des FCB in Carouge ist wahrlich historisch. Noch nie haben die Basler in diesem Jahrtausend gegen einen Verein im Cup verloren, der nicht in der Super League oder Challenge League spielt. Das erste Saisonziel, es ist verfehlt. Und das trotz einem Saisonstart, der überzeugend war. Nicht immer spielerisch, aber oftmals resultattechnisch. «So eine Niederlage wie heute darf eigentlich nicht passieren. Doch der Kopf muss hoch, denn ab jetzt gilt das Spiel am Samstag», sagt Eray Cömert. Dann geht es im Klassiker gegen den FC Zürich. Erneut eine Affiche, die schon manch historische Ereignisse hervorgebracht hat.

Die Bilder vom Spiel:

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