Mutterland des Fussballs
Blockbuster-Spektakel garantiert: Die Premier League geht in eine neue Runde

Die Crème de la Crème misst sich auf der Insel: Grosse Trainer wie Mourinho und Guardiola, aber auch grosse Spieler wie Pogba und Ibrahimovic stehen im Fokus. Eine Vorschau auf das am Samstag beginnende Spektakel der Premier League.

Raphael Honigstein, London
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Neu im ManU-Dress: Zlatan Ibrahimovic.

Neu im ManU-Dress: Zlatan Ibrahimovic.

KEYSTONE

Die offizielle Auftaktveranstaltung für die 27. Premier-League-Season fand am Mittwoch im Nord-Londoner Stadtteil Islington statt, allerdings nicht im Emirates-Stadion des FC Arsenal, sondern auf einem schnöden Kunstrasen-Bolzplatz ganz in der Nähe. Der Ort war mit Bedacht gewählt: Liga-Chef Richard Scudamore wollte Bodenständigkeit und soziale Verantwortung demonstrieren. «Wir müssen uns den gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit stellen, der Goldstaub muss breiter gestreut werden», sagte er.

Fernsehrechte bringen 2,6 Milliarden

Gold beziehungsweise Geld, um karitativ tätig zu werden, gibt es in der Elite-Liga in diesem Jahr mehr als je zuvor. 2,6 Milliarden Pfund nehmen die 20 Klubs 2016/17 allein mit dem Verkauf der Fernsehrechte ein; eine irrwitzige Summe, wenn man bedenkt, dass der englische Fussball der internationalen Konkurrenz sowohl auf Verbands- als auch Vereinsebene seit Chelseas Sieg in der Champions League 2012 hinterherläuft. Die Liga hat sich jedoch dank ihres globalen Marketingappeals weitgehend vom sportlichen Erfolg unabhängig gemacht. Das ist ihr grösster Zaubertrick. «Wir sind authentisch, wir haben einen starken Wettbewerb (an der Spitze), wir haben eine tolle Show», so Scudamore. «Überall auf der Welt interessiert man sich für uns. Das macht die anderen (Ligen) in Europa so neidisch. Mein Job ist es, zu gewährleisten, dass sich das nie ändert.»

Tatsächlich dürfte die Show, die am Samstag unter anderem mit dem Debüt von Pep Guardiola auf der Bank von Manchester City beginnt, in dieser Saison so bombastisch wie nie zuvor ausfallen. Mit Guardiola, Mourinho, Jürgen Klopp, Arsène Wenger, Antonio Conte (neu beim FC Chelsea), Mauricio Pochettino (Tottenham), Meistermacher Claudio Ranieri (Leicester City) sowie Slaven Bilic (West Ham), Ronaldo Koeman (Everton) und Claude Puel (Southampton) tummeln sich so viele namhafte Übungsleiter auf der Insel, dass Wenger am Mittwoch von einer «Trainerweltmeisterschaft» sprach. Selbst für Champions-League-Sieger wie Rafael Benítez (Newcastle United) oder Roberto Di Matteo (Aston Villa) bleiben (vorerst) nur Jobs in der zweiten Liga übrig.

Das fussballerische Niveau mag in anderen Ligen höher sein, doch die hohe Anzahl von seriösen Bewerbern um Meisterschaft und Champions-League-Plätze – und das daraus resultierende Gerangel, jeder gegen jeden – macht die Premier League zum Blockbuster-Spektakel, das eben nicht nur grosse Gewinner, sondern auch grosse Verlierer verspricht.

Die Qualität auf dem Rasen aber wird zunehmen: Die vielen neuen Coaches haben einen Haufen neue, natürlich sündhaft teure Spieler mitgebracht, die den Glamour-Gehalt deutlich erhöhen. Insgesamt wurden bis zum Wochenende bereits 794 Millionen Pfund für Transfers ausgegeben. Mehr als 40 Prozent davon (322 Millionen Pfund) entfielen allein auf die beiden Klubs aus Manchester.

Kampfansagen aus Manchester

Rot und Himmelblau verfolgen dabei unterschiedliche Strategien. Während Guardiola mit Spielern wie Leroy Sané (20, Schalke), John Stones (22, Everton) und Gabriel Jesus (19, Palmeiras) eine Elf zusammenstellt, die eher mittelfristig ihren Zenit erreichen wird, setzt Mourinho auf das Galactico-Prinzip: Altmeister Zlatan Ibrahimovic (34, Paris St. Germain) und Paul Pogba, der teuerste Profi der Welt (105 Millionen Ablöse an Juventus Turin) sollen den Tabellenfünften des Vorjahres auf Anhieb wieder zum sportlichen Branchenkrösus machen. «Viele haben Angst zu sagen, dass sie Meister werden wollen», sagte Mourinho gestern, «aber wir sind Manchester United. Wir wollen die Liga gewinnen.»

Wer letztlich das Rennen macht, kann der Liga egal sein. Sogar die negativen Folgen des britischen Austritts aus der EU sieht Scudamore gelassen: «Wir machen Geschäfte mit 229 Territorien und schaffen es, selbst von Burma US Dollar zu bekommen. Ich habe keine Angst.» Fürchten soll sich eher die Konkurrenz auf dem Festland. Der Sättigungspunkt ist noch lange nicht erreicht. In Indien und China haben wir noch gar nicht richtig angefangen, das Gleiche gilt für Virtual Reality.» An England – und seinem Fussball im Goldrausch der Gefühle – führt wohl auch in Zukunft kein Weg vorbei.

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