Privat

Büffeln und trainieren: zuhause bei Eishockey-Natispieler Janis Jerôme Moser

«Psychologie würde mich interessieren»: Zuhause bei Janis Jerôme Moser, Verteidiger beim EHC Biel

«Psychologie würde mich interessieren»: Zuhause bei Janis Jerôme Moser, Verteidiger beim EHC Biel.

Janis Jerôme Moser hätte eigentlich der Pfeiler der Perspektiv-Nati sein sollen, dafür ist das Bieler Talent aber schon zu gut. Wir zeigen im Rahmen einer Videoserie, wie die Nati-Stars privat leben und haben Moser in Biel besucht.

Janis Jerôme Moser verbringt den Morgen im Halbdunkeln. Der Profi vom EHC Biel steht in einer Scheune und donnert einen Puck nach dem anderen auf ein Eishockeytor. Es hämmert und knallt. Ein Puck an die Latte, der nächste ins hohe Eck. Schusstraining auf dem Trockenen. «Hier ist mein Reich», sagt er. «Ich feile an meiner Schusstechnik, übe drei- bis viermal in der Woche. Es ist eine andere Atmosphäre als in der Eishalle. Das gefällt mir.»

Dabei sammelt der 19-Jährige fleissig Eiszeit für den EHC Biel – vermehrt in der ersten Linie. Die Defensivarbeit ist seine Stärke. «Jetzt muss ich an meinen offensiven Qualitäten arbeiten», sagt der Verteidiger. Der Handgelenkschuss gehört zu seinen bevorzugten Schüssen.

Training am Morgen, Schule am Nachmittag

Moser ist zielstrebig und fleissig. Nicht nur im Eishockey. Neben seiner Tätigkeit als Eishockeyprofi geht er drei Nachmittage die Woche in die Sporthandelsfachschule. Im Sommer folgt nach vier Jahren der Abschluss. «Ich versuche immer, so viel zu machen wie notwendig. Ich bin aber froh, fällt mir das Lernen relativ leicht.»

Eishockey und die Sporthandelsfachschule – das ist Moser nicht genug. Der 19-Jährige hat zwei zeitaufwendige Hobbys. Er geht mit seiner Schwester einmal pro Woche in den Spanischunterricht und lernt mit einer Freundin Standardtänze. «Ich finde es spannend, immer wieder Neues zu lernen.» Beim Tanzen sind die Bieler Teamkollegen Jan Neuenschwander und Rajan Sataric mit dabei.

Startet beim EHC Biel durch: Janis Jerôme Moser.

Startet beim EHC Biel durch: Janis Jerôme Moser.

Entspannung findet Moser in der Natur. Er geht oft an der Aare spazieren. Dort nimmt er sich Zeit zum Lesen oder Meditieren. «In der Natur kann ich gut abschalten.» Das Meditieren sieht Moser als Training für den Kopf. Im Eishockey profitiert er davon. «Meditation hilft mir, wie ich mit meinen Gedanken umgehen kann – vor allem während des Spiels. Ich lerne, wie ich die negativen Gedanken verarbeiten kann. Es beruhigt mich.»

Nach den Trockenübungen in der Scheune geht es in seine Wohnung in Büren an der Aare. Moser deponiert sein Mobiltelefon im Badezimmer. «Ich versuche, so wenig wie möglich am Handy zu sein. Die Zeit dafür ist mir zu schade.» Im November gründete er eine WG mit Laris Marbot, Spieler von Wiki-Münsingen. Nun müssen sie selber putzen, waschen, kochen. Die Sportler achten auf die Ernährung. Kartoffeln, Teigwaren und Reis stehen auf dem Speiseplan. «Wir kochen beide gerne. Ich bin aber mehr der Gourmetkoch.» Mosers Spezialmenu ist Chili con Carne. Vom Küchenfenster aus sieht Moser direkt zum Haus seiner Eltern in Safnern. Das Seeland hat er nie verlassen. Seit seiner Kindheit spielt Moser beim EHC Biel, weg will er derzeit nicht. «Mir fehlt momentan nichts in Biel.»

Wenn man plötzlich mit seinem Idol spielt

Für Moser hat sich in den letzten zwei Jahren viel verändert. In der letzten Saison avancierte er vom Junior zum Profi und erreichte mit der U20 an der WM in Vancouver den Halbfinal. Im vergangenen Frühling nahm ihn Patrick Fischer mit nach Bratislava an die A-WM. Ein grosses Abenteuer. «Ich war vor den ersten Einsätzen sehr nervös. Ich machte mir Gedanken, ob ich mithalten kann.»

Unvergesslich bleibt Bratislava auch, weil Moser mit seinem Idol, Roman Josi, spielen durfte. «Es war sehr aufregend. In meinem Kinderzimmer hingen früher Poster von Josi. Und plötzlich sitze ich in Bratislava neben meinem Vorbild in der Garderobe.» Dieser Glücksmoment hielt nicht lange. Nach drei Spielen fiel Moser mit einer Handgelenkverletzung aus. Die WM war für ihn gelaufen.

Janis Moser an der Aare.

Janis Moser an der Aare.

Moser musste wenig später einen weiteren sportlichen Dämpfer hinnehmen. Bei den NHL-Drafts wurde er nicht gezogen. «Logisch wäre es cool gewesen, aber ich bin nicht enttäuscht», sagt Moser. Er wisse zudem, dass auch andere Wege in die NHL führen.

Eigentlich ist Moser eines der grossen Aushängeschilder der «Prospect Games» des Schweizer Nationalteams. Es wird sogar auf Plakaten mit ihm geworben. Dafür ist er offenbar inzwischen sogar zu gut. Bei den Länderspielen am Donnerstag und am Freitag gegen Deutschland nicht dabei. Dafür hat er gute Chancen, wieder an die WM zu fahren. Moser sagt: «Die Konkurrenz ist gross. Ich mache mir deswegen aber nicht grosse Gedanken. Ich versuche, mit meinen Leistungen auf mich aufmerksam zu machen.»

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