Langlauf in Davos
Eine Hälfte stark, eine Hälfte schwach – zu was ist Dario Cologna mit 34 Jahren noch fähig?

Bei halber Distanz des Weltcuprennens von Davos liegt der vierfache Olympiasieger auf Podestkurs – sein deutliches Nachlassen auf der zweiten Streckenhälfte beunruhigt ihn selbst offensichtlich weniger als viele Beobachter.

Rainer Sommerhalder
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Wenig Aufschluss über das Potenzial von Dario Cologna am Weltcup in Davos.

Wenig Aufschluss über das Potenzial von Dario Cologna am Weltcup in Davos.

Bild: Keystone

Dario Cologna erwartet viel von sich selbst. Sein erklärtes Saisonziel ist der Gewinn einer WM-Medaille im Februar in Oberstdorf. Eine unrealistische Vorgabe für den 34-Jährigen, muss bilanzieren, wer seine bisherigen Auftritte in der noch jungen Saison als Währung nimmt. Der 14. Rang beim Weltcup in Davos ohne skandinavisches Mitwirken deutet nicht gerade auf Konkurrenzfähigkeit hin. Colognas eigene Aussage im Vorfeld des Heimrennens, als er von einem schlechten Gefühl unterwegs sprach, lässt ebenfalls wenig Raum für übermässigen Optimismus.

Dennoch wäre es falsch, den erfolgreichsten Schweizer Wintersportler der Geschichte allzu früh abzuschreiben. Colognas Untertreiben in seinen Einschätzungen gehört zum Repertoire. Bei Rennhälfte liegt der Bündner in Davos auf Rang 3, verliert auf den Dominator der vergangenen Saison und späteren Sieger, den Russen Alexander Bolschunow, lediglich 20 Sekunden. Und sagt, «dass ich nicht das Gefühl hatte, besonders schnell gestartet zu sein».

Die WM wird zeigen, was Cologna noch draufhat

Der Einbruch auf der zweiten Streckenhälfte gehörte in Davos bereits mehrmals zu Cologna Auftritt. Etwa vor zwei Jahren, als er bei Halbzeit ebenfalls Dritter war und noch auf Platz 15 zurückfiel. Zudem war der Schweizer Teamleader in der Vergangenheit mehrmals innert kurzer Zeit fähig, sein Niveau entscheidend zu heben. Kann er das auch noch mit 34 Jahren? Oder geben die verhaltenen Anzeichen von Ratlosigkeit nach dem Trainerwechsel zu Sorge Anlass, dass es Cologna für die ganz grossen Auftritte nicht mehr reicht? Die Weltmeisterschaften in zwei Monaten sind jener Ort, wo die Antwort darauf eine Bedeutung erhalten.

Junge Schweizer Sprinter mit Perspektiven

Viel Freude machten in Davos zwei junge Schweizer Sprinter. Der 20-jährige Valerio Grond schaffte es bei der Feuertaufe im Weltcup in seiner Paradedisziplin auf Anhieb in den Final. Dritter war er an der Junioren-WM vor zwei Jahren, sogar Zweiter in diesem Frühjahr. Der Neo-Profi zeigte vor der eigenen Haustüre sein Potenzial und nutzte die Gunst der Stunde. Als grösste Hürde erschien ihm das Überstehen der Qualifikation. Doch mit der viertschnellsten Zeit aller Athleten löste er die heikle Aufgabe meisterhaft. Im Final fehlte dann die Kraft zu mehr als Platz 6. Einer war im Prolog noch schneller als Grond. Der 22-jährige Obwaldner Janik Riebli versetzte seinen Fanclub, welcher den Landwirt von weit oben am Hang lautstark unterstützte, mit dem dritten Rang in Ekstase. Im Viertelfinal verzeichnete Riebli dann Pech mit einem Stockbruch.

Nadine Fähndrichs verpasste Chance

Von der Absenz der stärksten Skandinavierinnen nur bedingt profitierte die beste Schweizer Langläuferin Nadine Fähndrich. Im Sprint schaffte die Luzernerin zwar die Premiere der ersten Finalqualifikation in Davos. Mit ihrer Tagesform wäre anstatt des vierten Rangs jedoch durchaus der Sieg möglich gewesen.

Höchst souverän gestaltete sich der Tag der 25-Jährigen bis zur letzten Kurve im Final. Fähndrich schlüpfte nach zwei beeindruckenden Siegen im Viertel- wie im Halbfinal in die Favoritenrolle. Doch im Zweikampf gegen die spätere Siegerin Rosie Brennan aus den USA zögerte sie bei dieser Schlüsselstelle im entscheidenden Moment, was sie ziemlich ärgerte. Den zwölften Platz im abermals von Brennan gewonnenen Distanzrennen über 10 Kilometer bezeichnete Nadine Fähndrich als «solid». Mehr aber auch nicht.